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Aus: Ausgabe vom 14.01.2026, Seite 2 / Ansichten

Dominostein Kuba

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Viele Kommentatoren trauen Donald Trump einen Militärschlag gegen Kuba zu, verweisen aber durchweg auf abwiegelnde Formulierungen. Einen Tag nach dem Überfall auf Caracas sagte er zum Beispiel über die Insel: »Es sieht so aus, als ob es bergab geht. Ich glaube nicht, dass wir etwas unternehmen müssen.«

Am Dienstag veröffentlichte das US-amerikanische »Quincy Institut für verantwortungsvolle Staatskunst« in seinem Newsletter einen Artikel von William Leogrande, früher Dekan an der American University in Washington. Überschrift: »Trump wird verärgert sein, wenn der Dominostein Kuba nicht fällt.« Das Kappen der venezolanischen Ölzufuhr werde zwar »verheerende« Folgen haben, und eine verschärfte Wirtschaftskrise könne zwar soziale Unruhen und regierungsfeindliche Demonstrationen auslösen: »Doch ohne eine organisierte Opposition, die die Unzufriedenheit in eine nachhaltige politische Bewegung kanalisiert, können die Sicherheitskräfte vereinzelte Ausbrüche eindämmen. Die katholische Kirche, die einzige unabhängige zivilgesellschaftliche Institution mit landesweiter Präsenz, zeigt wenig Fähigkeit oder Bereitschaft, eine solche Rolle zu spielen. Kuba ist nicht Polen oder die DDR im Jahr 1989.«

Leogrande argumentiert: »Trump scheint zu erkennen, dass Kuba ein schwierigerer Fall ist als Venezuela. ›Das sind zähe Leute‹, sagte er in den letzten Tagen wiederholt und räumte sogar ein, dass Kuba frühere Zusammenbruchsprognosen widerlegt habe.« Angesichts der »Donroe-Doktrin« müssten die USA zudem »offenbar die zentrale Lehre des Kolonialismus neu lernen: Kein Volk lässt sich von Fremden vorschreiben, wie es seine Angelegenheiten zu regeln hat. Es wird Widerstand leisten – zunächst passiv, dann aktiv und letztendlich erfolgreich. Ungeachtet der militärischen Überlegenheit der Fremden.«

Anders als Leogrande teilt Springers Welt am Dienstag bereits die kubanische Beute auf. Ihr freier Korrespondent Tobias Käufer schreibt: »Der ideologische Riese ist volkswirtschaftlich ein Zwerg, der seine Bevölkerung nicht mehr versorgen kann.« Er hat José Daniel Ferrer, »international bekanntester Dissident Kubas«, in Miami am Telefon erreicht. Der sagte ihm: »Wir träumen von einem Übergang nach tschechoslowakischem Vorbild«, gemeint ist 1989. Marco Rubio solle eine entscheidende Rolle spielen. Bräuer lässt sich aber auch vom US-Professor Evan Ellis sagen: »Wir sind noch weit von einer größeren militärischen Intervention in Kuba entfernt«. Die Aussicht auf einen konterrevolutionären Krieg scheint zu schrecken. (as)

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