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Aus: Ausgabe vom 14.01.2026, Seite 3 / Ansichten

Woker des Tages: Platon

Von Felix Bartels
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Platons Rasiermesser: Bieten sich zwei Erklärungen an, ist die dümmere die richtige

Die Philosophie kennt nur zwei Sorten, Versöhner und Spalter. Platon gehört zu letzteren. Es war an ihm, in parmenideischer Feierlichkeit auszusprechen, dass das, was wir sehen, nicht dasselbe sei wie das, was ist. Dass wir alle in einer Höhle leben. Er opferte sich, damit Aristoteles nach ihm das Scharfgetrennte zur Einheit aufheben konnte, 2.400 Jahre später holt ihn das ein.

Nach einem Bericht der New York Times muss ein Professor der Texas A & M University Platons »Symposion« aus dem Plan streichen. Mit Beruf auf Regeln, die der republikanisch dominierte Kongress in Austin im November festgelegt hat, »Themen um sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität« seien zu canceln. Peterson heißt der Mann. Martin, nicht Jordan – der hat eher Ärger mit der anderen Fraktion, den woken Kuckucksheimern, die den Trumpleuten bei Beschneidung der Wissenschaft in nichts nachstehen.

»Symposion«, akademisch »Symposium«, bedeutet so viel wie »zusammen saufen«. Gesinnungswächter unterdes können auch ohne Alkohol unzurechnungsfähig sein. Inkriminiert wurde neben der Diotima-Passage der Kugelmenschenmythos des Aristophanes. Nach ihm hatten die Menschen einst Kugelform und drei Geschlechter – männlich, weiblich, gemischt –, ehe die Götter sie halbierten. Seither laufen wir Halblinge durch die Welt, auf der Suche nach unserer anderen Seite. Drei Geschlechter? Der Wächterrat ist auf den Hinterbeinen. Klassische Texte, die ihr Streichholzschachtelweltbild sprengen, wo kommt man da hin? Blöd auch, dass der Mythos noch nicht mal von Gender handelt. Die Hälften der rein weiblichen und männlichen Kugeln suchen einen Partner gleichen Geschlechts, die der gemischten bezeichnen schlicht heterosexuelle Menschen. Die Unfähigkeit, einen Text zu verstehen, ist derart weit gediehen, man könnte meinen, wir leben in einer Höhle.

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