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Aus: Ausgabe vom 31.12.2025, Seite 10 / Feuilleton

Meyer, Kożik

Von Jegor Jublimov
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Christa Kożik 2013 in Erfurt

Wenn sie mal ein längeres Interview geben dürfen, schwärmen DDR-Akteure wie Jörg Gudzuhn oder Jutta Wachowiak in höchsten Tönen von ihrer Zeit am Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt unter Intendant Gerhard Meyer. Der war ein wirklicher Ensemblevater, der seinen Schützlingen Entwicklungen zugestand. Nicht wenige von ihnen landeten an den großen Berliner Häusern. Gerhard Meyer, der am 29. Dezember vor 110 Jahren in Chemnitz geboren wurde und 2002 dort starb, verließ mit 21 Jahren die Schauspielschule des Deutschen Theaters, um in Döbeln zu debütieren, musste dann aber in den Krieg ziehen. In den frühen 1950er Jahren wurde er Assistent der Theaterleiter Wolfgang Langhoff in Berlin und Wolfgang Heinz in Wien, ehe er ab 1957 für ein knappes Jahrzehnt das Hans-Otto-Theater in Potsdam leitete. Ab 1966 prägte er für ein Vierteljahrhundert das Schauspiel in seiner Heimatstadt. Seit 1958 kamen seine Inszenierungen immer wieder auf den Bildschirm, zuerst »Die Feinde« nach Maxim Gorki mit Gisela May, dann John Wexleys »Menschen im Käfig« mit Nikolaus Paryla (1960), auch Erwin Strittmatters »Holländerbraut« mit Petra Hinze (1968) waren Erfolgsinszenierungen. Im Laufe der Jahre hatte er Künstler wie Frank Castorf, Corinna Harfouch, Siegfried Höchst und Peter Sodann unter seinen Fittichen. Nur gelegentlich trat Meyer noch als Schauspieler auf, so 1979 in Martin Eckermanns Fernsehfilm »Hochzeitsreise«, in dem er mit seiner Frau Anny Stöger ein Ehepaar spielte, oder als Theaterleiter in den Defa-Filmen »Blonder Tango« (Lothar Warneke, 1986) und »Die Schauspielerin« (Siegfried Kühn, 1988).

Meyer war Träger des Vaterländischen Verdienstordens und bekam 1980 einen Nationalpreis. Schon ein Jahr zuvor wurde Christa Kożik Nationalpreisträgerin und 1991 mit dem Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste, 2014 in Nürtingen mit dem Hölderlin-Ring und 2024 mit dem Preis fürs Lebenswerk der Defa-Stiftung ausgezeichnet. Und auch, wenn sie Szenarien für Gegenwartsfilme über junge Leute (»Sieben Sommersprossen«, 1978, »Grüne Hochzeit«, 1989) und ein Biopic (»Hälfte des Lebens« über Hölderlin, 1985) geschrieben hat, bleiben ihre Kinderfilme (»Moritz in der Litfaßsäule«, 1983, »Gritta von Rattenzuhausbeiuns«, 1985) besonders in Erinnerung. Dabei ist die am Neujahrstag 1941 im niederschlesischen Liegnitz geborene Autorin, die an der Potsdamer Filmhochschule Dramaturgie studierte, längst auch als Buchautorin für Kinder (»Der Engel mit dem goldenen Schnurrbart«, 1983, überarbeitet 1994) beliebt. Astrid Lindgren kannte ihre Bücher und empfing sie bei sich zu Hause. Erfolgreich ist Christa Kożik auch als Lyrikerin (»Tausendundzweite Nacht«, 1988) mit Texten, die die Kraft der Frauen befeuern. »Du glaubst an die Kraft der einfachen Menschen, an / die bessere Welt und an den Sieg der Vernunft«, heißt es im Gedicht »Mitte des Lebens«.

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