Klassenkampf gegen rechts
Von Nick Brauns
2026 stehen nicht nur fünf Landtagswahlen an, in denen die AfD zumindest in östlichen Bundesländern zur stärksten Kraft zu werden droht. Von März bis Mai werden auch 180.000 neue Betriebsratsmitglieder gewählt. Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, hat diese Betriebsratswahlen jetzt zur »Nagelprobe« erklärt. Denn bislang sei es gelungen, die Arbeitswelt »weitgehend frei« von rechten Tendenzen und organisierten AfD-Strukturen zu halten.
Nun sind Arbeiter keineswegs immun gegen rechte Verlockungen. Im Gegenteil: Ein weit überdurchschnittlich großer Anteil der AfD-Wähler bei Landtags- und Bundestagswahlen gab seinen beruflichen Status mit »Arbeiter« an. Dass sich viele Arbeiter von SPD und Linkspartei im Stich gelassen fühlen, hat dazu beigetragen, ausgerechnet die AfD bei Parlamentswahlen scheinbar zur neuen Arbeiterpartei werden zu lassen. In den Betrieben spiegelt sich das bislang kaum wider. Zu groß ist direkt am Arbeitsplatz die Diskrepanz zwischen dem marktradikalen Programm der AfD und den Bedürfnissen der Beschäftigten.
Doch auch in der Industrie, etwa bei Automobilzulieferern, gibt es ein wachsendes Problem mit rechten Listen wie dem Verein »Zentrum«. Also in einer Branche, die stark von Werksschließungen und Massenentlassungen betroffen ist. Nun haben zu dieser Wirtschaftskrise nicht nur strategische Fehler des Managements, das technologische Entwicklungen verpennt hat, sondern auch die Kappung billiger Energien im NATO-Stellvertreter- und Wirtschaftskrieg gegen Russland geführt. Hier können rechte Pseudogewerkschafter mit ihrer Demagogie ansetzen. Wenn die DGB-Gewerkschaften solchen Rattenfängern das Wasser abgraben wollen, dürfen sie in der Kriegsfrage nicht schweigen, sondern müssen ihren Burgfrieden mit der Regierung beenden.
Verdi-Chef Werneke beschwört einmal mehr die »Brandmauer« der »demokratischen Parteien« gegen die AfD. Die beste Brandmauer gegen rechts ist aber nicht die Gemeinschaft mit den politischen Sachwaltern des Kapitals, sondern der Widerstand der Lohnabhängigen gegen das Kapital. Denn was macht den Faschisten Dampf? Klassenkampf!
links & bündig gegen rechte Bünde
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Leserbrief von Reinhold Schramm aus Berlin (30. Dezember 2025 um 18:33 Uhr)Aspekte zur Demagogie aller bürgerlichen Parlamentsparteien und deren Stellung zur rechtskonservativen Arbeiterklasse heute! Bei der Mehrheit der heutigen deutschen Arbeiterklasse dürfte die AfD eine Basis im rechtskonservativen Massenbewusstsein der Arbeiter und Arbeiterinnen haben. Eine Ausnahme dürften hierbei die männlichen und weiblichen Angestellten und Arbeiter in der Rüstungs- und Kriegsindustrie bilden. Hier liegt das rechtskonservative Bewusstsein der m/w. Angestellten vor allem auf dem Kurs der ebenso kapitalfaschistischen Parteien der Bourgeoisie: der rechtsbürgerlichen Sozialdemokraten und Christdemokraten. Die erwerbstätigen Angestellten und Beamten dürften entsprechend ihrem rechtskonservativen gesellschaftspolitischen Bewusstsein vor allem bei den Bündnisgrünen und der vorgeblichen Linkspartei zu verorten sein. Bei einem kommenden Einzug der FDP in das Bundesparlament dürften Letztere sich ihr rechtskonservatives Klientel und Wahlvolk teilen. Natürlich, auch die AfD ist eine rechtspopulistische Partei der deutschen Bourgeoisie. Bei Bedarf würde sie ihr Wahlvolk aus den Reihen der Arbeiterklasse vollständig den Interessen der Bourgeoisie sozial- und gesellschaftspolitisch opfern. 30.12.2025, R. Schramm
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Leserbrief von Reinhold Schramm aus Berlin (29. Dezember 2025 um 11:42 Uhr)Aspekte zum fehlenden massenwirksamen Klassenbewusstsein, gestern wie heute. Die Arbeiterklasse wurde nach 1933 zur freiwillig organisierten Kraft in den Reihen der NSDAP. Die kapitalfaschistische NSDAP erreichte in den Folgejahren nach 1933 einen Bestand zwischen 8,5 und 9 Millionen Mitgliedern. Der Anteil der »Arbeiter« laut NS-Organisationsstatistik lag bei 40 Prozent. Nach unterschiedlichen Angaben und Berechnungen waren zwischen 30 % bis 40 % der Mitglieder Arbeiter. Demnach, zwischen 2,65 und 3,6 Millionen Angehörige der Arbeiterklasse – ohne Klassenbewusstsein – in der NSDAP. Etwa 18 Prozent waren Frauen: demnach max. 1,62 Millionen organisierte Frauen in der NSDAP. Damit erreichte die NSDAP in der Entwicklung ihrer Organisation einen mehr als doppelt und dreifachen Anteil an organisierten Arbeitern und Arbeiterinnen in ihren Reihen, als vor 1933 die SPD und KPD in deren organisierten Spitzenzeiten zusammengenommen. Jede zweite Familie hatte in Deutschland und Österreich ihren NS-Kameraden bzw. ihre NS-Kameradin in der kapitalfaschistischen und imperialistischen NSDAP. Fazit: Ohne Klassenbewusstsein der beruflich differenzierten, weiblichen und männlichen Arbeiterklasse, auch der heutigen Mehrheit der Erwerbsbevölkerung in Deutschland und Europa, gibt es keinen humanistischen und gesellschaftspolitischen Widerstand gegen das organisierte Kapital. Nicht gegen eine hochorganisierte kapitalfaschistische, antisemitische und imperialistische Ideologie und Politik der Administration der heutigen Finanz- und Monopolbourgeoisie; nicht gegen die Lobbyisten der Kriegsindustrien in allen bürgerlichen Parteien, Parlamenten und Regierungen. Lese-Empfehlung: Kurt Pätzold / Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP 1920 bis 1945 und Götz Aly: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945 29.12.2025, R. Schramm
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