Rechte Agenda
Von Nick Brauns
Das Massaker zweier Islamisten an Teilnehmern einer Chanukka-Feier im australischen Sydney, bei dem am Sonntag mindestens 15 Menschen getötet und Dutzende schwer verletzt wurden, galt Juden – weil sie Juden waren. Es war Antisemitismus – also Judenfeindschaft – im ursprünglichen Sinn dieses heute so oft missbrauchten Begriffs.
Die Tat sei »durch die Ideologie des Islamischen Staates motiviert«, erklärte der australische Premierminister Anthony Albanese. Einer der Attentäter habe seit langem Verbindungen zu einem australischen IS-Unterstützernetzwerk gehabt, im November hätte dieses auf der Insel Mindanao – laut ABC Sydney einer Hochburg des IS – eine »militärähnliche Ausbildung« erhalten, so die Rundfunkgesellschaft weiter.
Israel war schnell dabei, den Iran als Hauptverdächtigen auszumachen. Das entspricht der eigenen außenpolitischen Ausrichtung, ignoriert aber, dass für sunnitische Dschihadisten die schiitische »Islamische Republik« ein Todfeind darstellt. Dass ein Geheimdienst die Fäden gezogen hat, lässt sich bei solchen Anschlägen nie ausschließen. Doch wenn Tel Aviv auf Teheran zeigt, werden andere auf Israel zurückzeigen. Man hüte sich daher lieber vor Spekulationen.
Während Israels Premier Benjamin Netanjahu Australien beschuldigte, durch die Anerkennung des Staates Palästina »Öl ins antisemitische Feuer« gegossen zu haben, schossen sich zionistische Lobbygruppen, rechte Parteien und Medien international auf die Palästina-Solidaritätsbewegung ein. Wer Israel des »Völkermords« bezichtige, bereite dem Judenmord den Boden, so die »Logik« der Bild.
Diese Kreise verfolgen ihre eigene rassistische und proimperialistische Agenda – um den Schutz jüdischen Lebens geht es ihnen nicht. Vielmehr nehmen sie Jüdinnen und Juden in aller Welt durch die fatale und falsche Gleichsetzung mit dem Staat Israel in Geiselhaft für dessen Kriegsverbrechen.
Dass es am Bondi Beach nicht noch mehr Tote gab, war dem mutigen Eingreifen des aus Syrien stammenden Gemüsehändlers Ahmed Al-Ahmed zu verdanken, der einen der Schützen entwaffnen konnte. Die muslimfeindlichen Kulturkrieger wird das nicht beeindrucken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (17. Dezember 2025 um 14:24 Uhr)Wollen wir endlich mal in Auftrag geben, klarzustellen, was sich an der Gazagrenze am 7.10. tatsächlich ereignet hat? Klären wir, warum diese Grenzanlage weit offen war! Fragen wir Moshe Zuckermann und Ilan Pappe, dass sie die Hintergründe aufklären! Seit wann gibt es Maschendrahtzäune, wenn ansonsten zehn Meter hohe Mauern Standard sind?
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris (16. Dezember 2025 um 21:19 Uhr)Auch lesenswert: Bondi Beach attack: How the media smears pro-Palestine protests while erasing a Muslim hero https://www.middleeastmonitor.com/20251215-bondi-beach-attack-how-the-media-smears-pro-palestine-protests-while-erasing-a-muslim-hero/ Adnan Hmidan ist Präsident des Palestinian Forum in Britain .
Mehr aus: Ansichten
-
Die Leiden des Gröpraz
vom 17.12.2025 -
Backen aufblasen
vom 17.12.2025 -
Geheimdienststimme des Tages: Blaise Metreweli
vom 17.12.2025