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Aus: Ausgabe vom 01.12.2025, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Milliardenerben der Räuber

Zu jW vom 25.11.: »Kapital lässt ›Brandmauer‹ bröckeln«

Es gibt in Deutschland derzeit 132 Milliardäre. 71 Prozent dieser Milliardäre sind so reich, weil sie Milliardenvermögen geerbt haben. Zum Vergleich: Von den 2.800 Milliardären, die es weltweit gibt, haben nur 36 Prozent ihr Vermögen geerbt. Die Zahl der deutschen Milliardärserben ist prozentual doppelt so hoch aufgrund des Raubzugs ihrer Vorfahren vor 1945. (Quelle: »Reschke Fernsehen«, Das Erste, 16.1.2025)

Nicht wenige deutsche Milliardärserben sind Mitglied im Verband »Die Familienunternehmer«, der sich in Fortsetzung alter Traditionen – Harzburger Front, Treffen im Industrieclub, Brief an den Reichspräsidenten für die Kanzlerschaft Hitlers oder auch Treffen bei Baron von Schröder am 4. Januar 1933 in Köln – den Rechtsaußen annähert. Diesmal ran an die AfD und Beseitigung der Brandmauer. Doch die Brandmauer muss bestehen bleiben! Und sehr vernünftig der Beschluss der VVN-BdA auf ihrem Bundeskongress: »Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten fordert, aus dem Erbe der Profiteure des faschistischen Raubkrieges und der Zwangsarbeit im Naziregime den Nachfahren der Zwangsarbeiter/innen den vorenthaltenen Lohn nachzuzahlen. Dies geschieht analog den aktuellen Regelungen zur Rückgabe von durch Nazis geraubten Kunstschätzen an die Erben der Opfer.«

Der Bundestag sollte sich im Rahmen der Beratungen zu den Steuerhinterziehungen durch Erbschaften mit dem Vorschlag der VVN-BdA befassen, und dies sollte vor allem die Linkspartei anpacken, welche die Forderung nach Erbschaftssteuerreform als erste erhob.

Ulrich Sander, Dortmund

Spontane Spritztour nach Suzhou

Zu jW vom 22./23.11.: »Das Wunder China«

Vor zwei Wochen, auf einem Rückflug von Japan, entschloss ich mich bei einem Zwischenstopp in Shanghai ganz spontan auszusteigen und vier Tage in Shanghai zu bleiben. Ich wollte mir die berühmten Gärten von Suzhou anschauen. Ich bin 65 Jahre alt, nicht sehr technikaffin und besitze ein normales Smartphone. Das reicht aber schon, um die vier Tage zu einem etwas abenteuerlichen, amüsanten Spaziergang zu machen. Google Maps brauchte ich nicht, das chinesische Pendant Amap funktioniert sicherlich genauso gut. Bezahlt wird hier alles mit Alipay, das Taxi, die Einkäufe und die Restaurants. Mit der IC-Card Shanghai bezahle ich Bus, U-Bahn, die Fähre nach Pudong und sogar den Maglev (Magnetschwebebahn, die schnellste Bahn der Welt) zum Flughafen, alles für geringe Beträge. Und seitdem die Taxifahrer gute Übersetzungs-Apps auf ihren Handys haben, sind die Zeiten ruhiger Fahrten vorbei. Man wird während der ganzen Fahrt ausgefragt und kann aber auch selbst ausfragen. Man erfährt, dass man bis 2025 in China mit 60 Jahren in Rente gehen konnte, oder dass der Fahrer aus einer ärmlichen Gebirgsgegend im Landesinneren kommt und seine Familie nur drei- bis viermal im Jahr sieht. Man könnte den ganzen Tag Taxifahren (kostet nicht viel) und hätte am Abend eine (natürlich nur subjektive) Vorstellung davon, wie die Menschen hier leben. Und bei meinem Rückflug mit Air China hatte ich wesentlich mehr Beinfreiheit als bei der Lufthansa! Mit Offenheit und Neugier kommt man gut durch die Welt.

Harald Schedel, Karbach

Versuchte Kriminalisierung

Zu jW vom 26.11.: »Bündnis der Ungleichen«

Zu dem sehr gelungenen Beitrag von Roland Weber bliebe noch zu ergänzen, dass auch die Justiz der Weimarer Republik versuchte, Becher wegen seines literarischen Schaffens zu kriminalisieren. 1925 wurde gegen ihn der Vorwurf der Vorbereitung zum Hochverrat aufgrund verschiedener Texte von ihm erhoben, und er war zeitweilig sogar inhaftiert. Das sorgte selbst in SPD-Kreisen und vor allem unter den Schriftstellern für heftiges Aufsehen und Protest und führte auch unter Berücksichtigung eines Straffreiheitsgesetzes zu seiner Entlassung. Das Reichsgericht wollte das Verfahren dennoch fortführen, weil die Straffreiheit darauf begrenzt war, dass eine zu erwartende Freiheitsstrafe nicht mehr als zwei Jahre betragen würde. Das sah man dort noch nicht als gegeben an. In der Zwischenzeit waren auch weitere Schriften von Becher erschienen, die zu Anzeigen führten. Das Gericht bemühte selbst einen Psychiater, um abzuklären, ob Becher bei der Verfassung seiner Texte nicht möglicherweise »schuldunfähig« gewesen sei. Dieser konnte das letztlich nicht bestätigen, und unter dem öffentlichen Druck beantragte die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens, dem der 4. Strafsenat des Reichsgerichts dann auch entsprach.

Ralph Dobrawa, Gotha

»Pars inter parem«

Zu jW vom 22./23.11.: »Einmalig«

Der G20-Gipfel in Johannesburg begann mit einem unerwarteten diplomatischen »Coup«. Minuten nach der Eröffnungsrede des südafrikanischen Präsidenten verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs mit großer Mehrheit die Gipfelerklärung. Dies ist das Ergebnis der rund 130 Arbeitsgruppen, die im Laufe des Jahres den Gipfel vorbereitet haben. Und, die Johannesburger Deklaration ist eine bittere Pille für die Trump-Administration, die im Vorfeld großmäulig von einem G20-Treffen ohne gemeinsame Erklärung ausging. Trump meinte sogar, mit dem kommenden G20-Vorsitz der USA werde G20 von vorn (»from scratch«) beginnen. Eine politische Sackgasse. Die schiere Existenz der Johanneburger Deklaration ist eine Bestätigung der multipolaren Weltordnung. Die abgewirtschaftete ehemalige Supermacht USA wird sich daran gewöhnen müssen, als »pares inter parem« zu agieren, oder den Zug in die Zukunft zu verpassen.

Detlev Reichel, Tshwane (Südafrika)

Seitdem die Taxifahrer in China gute Übersetzungs-Apps auf ihren Handys haben, sind die Zeiten ruhiger Fahrten vorbei. Man wird während der ganzen Fahrt ausgefragt und kann aber auch selbst ausfragen

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

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