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Aus: Ausgabe vom 17.11.2025, Seite 3 / Ansichten

Knüller des Tages: Butter

Von Daniel Bratanovic
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Geht runter wie Öl: Die Butter und ihr Preis

An einem trüben Novembertag endlich eine gute und günstige, eine stimmungsaufhellende Nachricht für die Nation und deren Insassen: Der Butterpreis sinkt! Das Einzelhandelsmonopol mimt kurz nach dem Tag des barmherzigen Sankt Martin die Wohltäterrolle und läutet eine Preissenkungsrunde für Butter, Sahne und Milch ein. Die Discounter Lidl, Aldi Nord, Aldi Süd und Netto werden von Montag an die Verkaufspreise für Molkereiprodukte in ihren Filialen herabsetzen.

Doch bevor gleich alle aus dem Häuschen in den Supermarkt rennen, ein paar ernüchternde Zusatzinformationen, die solche Mitteilung schnell ranzig werden lassen: Der durchschnittliche Preis für ein halbes Pfund Butter liegt immer noch rund 50 Prozent über dem des Jahres 2020. Unbekannt, dass die Löhne in den vergangenen fünf Jahren um den gleichen Satz erhöht worden sind. Der Butterpreis folgt einem Schweinezyklus, wird also bald wieder steigen. Die Einzelhandelsmonopolisten führen einen Preiskampf gegeneinander und diktieren dabei den Milchbauern aufgrund ihrer marktbeherrschenden Stellung nicht selten ruinöse Preise. Müssen Landwirte aufgeben, sinkt das Angebot, der Preis, Sie ahnen es, steigt wieder.

Nach Maßgabe der Volksgesundheit, also der staatlichen Sorge um eine möglichst fitte nationale Arbeitsmannschaft, ist es ohnehin keine gute Idee, sich das tierische Fett regelmäßig und daumendick auf die Stulle zu schmieren. Als echter Cholesterinbooster steht das Streichfett in Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen. Einer Nation mit Herz kann aber daran nicht gelegen sein und der Preis für den Volksschädling Butter gar nicht hoch genug.

Das Ideal des bescheidenen Wohlstands, den nach dem Krieg auch die Butter symbolisierte, ist in Zeitenwendejahren eh passé. Man setzt hierzulande wieder mehr auf Eisen. Und möchte ausrufen: »Hurra, die Butter ist alle!«

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (17. November 2025 um 10:42 Uhr)
    Um einen besseren Überblick zu gewinnen: Nach dem Zweiten Weltkrieg musste ein durchschnittlicher Arbeiter mehrere Stunden arbeiten, um sich 250 g Butter leisten zu können – das war eine erhebliche Investition an Arbeitszeit. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung in den 1960er Jahren sank dieser Aufwand deutlich auf etwas über 2 Stunden. Im Jahr 2019 war Butter im Verhältnis zu den Löhnen so günstig geworden, dass man nur etwa 4 Minuten arbeiten musste, um ein 250-g-Päckchen zu kaufen. Im Jahr 2025, bei einem Preis von rund 3,40 € und einem geschätzten durchschnittlichen Stundenlohn von 25,94 €/h, entspricht das etwa 8 Minuten Arbeitszeit, um 250 g Butter zu finanzieren.

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