-
19.09.2025
- → Feminismus
Gaza: Embryonen für immer verloren
Doha. Nadschwa Abu Hamada empfand kein Gefühl der Gerechtigkeit, als eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen am Dienstag die Zerstörung einer Fertilitätsklinik als einen der Gründe anführte, warum Israel in Gaza Völkermord begeht. Statt dessen wurden bei Abu Hamada schmerzhafte Erinnerungen wach, wie sie der Agentur Reuters berichtete. Sie hatte Embryonen im Al-Basma-IVF-Zentrum gelagert, als es Ende 2023 von israelischen Streitkräften angegriffen wurde.
»Der Völkermord richtet sich nicht nur gegen Männer, Kinder und Frauen, sondern auch gegen eingefrorene Eizellen – meine einzige Hoffnung«, erzählte Abu Hamada in Katar, wo sie heute lebt. »Was kann mich dafür entschädigen?« Abu Hamada hat bereits ein Kind durch eine Fruchtbarkeitsbehandlung in Gaza bekommen und fragt sich immer noch, ob sie im Alter von 49 Jahren noch ein weiteres Kind bekommen kann. Am Dienstag sprachen sie und ihr Ehemann Ejad Abu Hamada mit ihrem Arzt Bahaeldin Ghalajini, einem Geburtshelfer und Gynäkologen, der das Al-Basma-IVF-Zentrum gegründet hat, über die Möglichkeit weiterer Fruchtbarkeitsbehandlungen. »Der Arzt hat uns gesagt, wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben«, wie ihr Mann berichtete. Reuters konnte die Einzelheiten ihrer Geschichte nicht unabhängig überprüfen. Ghalajini bestätigte jedoch gegenüber der Agentur, dass Abu Hamada Embryonen hatte, die in der Klinik in Gaza gelagert waren, bevor sie angegriffen wurde. Demnach wurden 4.000 Embryonen sowie 1.000 weitere Proben von Sperma und unbefruchteten Eizellen zerstört.
Die UN-Kommission kam zu dem Schluss, dass die Zerstörung des Al-Basma-IVF-Zentrums »eine Maßnahme zur Verhinderung von Geburten unter Palästinensern im Gazastreifen« war – eine von fünf Handlungen oder Verstößen, die gemäß der Konvention von 1948 als Völkermord gelten. »Die israelischen Sicherheitskräfte feuerten eine Panzergranate ab, die die Klinik direkt traf und die Explosion von fünf Flüssigstickstofftanks verursachte, wodurch das gesamte darin gelagerte Reproduktionsmaterial für die zukünftige Zeugung von Palästinensern zerstört wurde«, hieß es.
Israel hat den Angriff auf die Klinik nicht bestätigt. »Im krassen Gegensatz zu den gezielten Angriffen der Hamas auf israelische Männer, Frauen und Kinder halten sich die IDF an das Völkerrecht und treffen alle möglichen Vorkehrungen, um Schäden für die Zivilbevölkerung zu minimieren«, hieß es von seiten der israelischen Armee am Mittwoch. (Reuters/jW)
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!