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Aus: Ausgabe vom 26.08.2025, Seite 9 / Kapital & Arbeit
China-Pakistan Economic Corridor

Mehr Schutz für Chinas Investitionen

Beijings Außenminister zu Besuch in Pakistan: Projekt Neue Seidenstraße soll weiterentwickelt werden
Von Thomas Berger
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China baut seine Kontrolle über Handelswege aus – auch in Pakistan (Islamabad, 21.8.2025)

Ministerielle Besuche sind in der Regel kürzer. Die Tatsache, dass sich Chinas Außenminister Wang Ji vorige Woche gleich drei Tage Zeit für verschiedene Gesprächspartner in Islamabad nahm, zeugt von der engen Verbindung zwischen Pakistan und seinem großen Nachbarn. Obwohl bisher nur wenig über die Details der Treffen an die Öffentlichkeit drang, so ist doch klar, dass Wirtschaftsfragen im Mittelpunkt standen – es geht um die Weiterentwicklung des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC), der ein besonders wichtiges und sensibles Teilstück des Mammutprojektes Belt and Road Initiative (BRI) ist, auch unter dem Namen Neue Seidenstraße bekannt.

Für China steht beim CPEC im Fokus, seine Region Xinjiang über den pakistanischen Hafen Gwadar mit dem Indischen Ozean zu verbinden. Das autonome Gebiet Xinjiang ist mit mehr als 1,6 Millionen Quadratkilometern die größte Verwaltungseinheit der Volksrepublik – sie nimmt etwa ein Sechstel der Gesamtfläche des Landes ein. Während dort laut der Volkszählung 2020 »nur« 25 Millionen Menschen leben – neben Hanchinesen, Mongolen und Kasachen mehrheitlich die politisch teils unbequemen muslimischen Uiguren –, ist die Region für Warenströme eine sehr wichtige Zwischenstation auf dem Weg von den Industriemetropolen an der chinesischen Ostküste in Richtung Naher Osten, Afrika und Europa.

Bei seinen Gesprächen unter anderem mit seinem pakistanischen Amtskollegen Ishaq Dar, Premier Shehbaz Sharif, Präsident Asif Ali Zardari und Armeechef Asim Munir wurde von Wang Ji und seinen Gastgebern die »strategische Allwetterpartnerschaft« unterstrichen, die beide Länder verbinde. Und selbst Einzelthemen wie der verstärkte Kampf gegen Terrorismus haben direkten Bezug zu CPEC. Geht es doch dabei unmittelbar um den Schutz chinesischer Investitionen, Experten und temporärer Arbeitskräfte vor Angriffen durch die pakistanischen Taliban und Einheiten des IS-Ablegers IS-K. Ebenso gelten separatistische Gruppierungen in der Provinz Belutschistan als Gefahr. Solche Risiken zu begrenzen war laut der in Hongkong erscheinenden South China Morning Post ein wichtiges Thema des Austausches. Auch die Nachrichtenagentur AP sprach davon, dass Wang nachdrücklich mehr Sicherheit für Chinas Ingenieure angemahnt habe.

Während die Partner längst in Phase zwei des CPEC eintreten, ruckelt es im Gesamtprojekt. Erst zehn Monate ist es her, dass sogar eine regierungsamtliche Bestandsaufnahme Pakistans große Schwachstellen offenlegte. »Das Juwel glänzt noch nicht«, fasste es seinerzeit die Express Tribune zusammen. Zwar sind schon unzählige Milliarden US-Dollar in moderne Autobahnen, Bahntrassen und Kraftwerke geflossen. Beim Lückenschluss der Verbindungswege hapert es aber. So war in dem Bericht davon die Rede, dass selbst der Hochseehafen und die daran angebundene Freihandelszone in Gwadar noch nicht einmal an das nationale Stromnetz Pakistans angeschlossen seien. Trotz der Probleme im Detail bedeuten die erheblichen Infrastrukturinvestitionen der Chinesen einen enormen Modernisierungsschub für das finanzklamme, erneut am Tropf des Internationalen Währungsfonds hängende Pakistan. Besonders dürfte seinen Gastgebern geschmeichelt haben, dass Beijings Außenminister Pakistan laut einem Beitrag auf der CPEC-Website sogar als »wichtigste Station« seiner gesamten Südasientour einschließlich Indien und Abstecher nach Kabul bezeichnet hat.

Daneben ging es auch um Technologie- und Wissenstransfer – einschließlich der für Pakistan noch immer bedeutsamen Landwirtschaft. Bei einer Veranstaltung vergangenen Freitag lobte Premier Shehbaz Sharif die Erfolge einer ersten Gruppe von 300 Studenten aus dem Agrarsektor, die mit innovativen Ansätzen von der Ausbildung an chinesischen Einrichtungen heimgekehrt sind, um die heimische Landwirtschaft zu modernisieren. Diese, so Sharif, stelle »das Rückgrat einer wirtschaftlichen Gesundung des ganzen Landes« dar.

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