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Archäologie

Babylons Hymne

Forscher aus München und Bagdad haben eine jahrtausendealte Hymne aus der antiken Stadt Babylon entdeckt. Das bislang unbekannte Loblied stamme aus der Zeit um 1.000 vor unserer Zeit und umfasse 250 Zeilen, teilte die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) mit. Der in der Fachpublikation Irak (Cambridge University Press) veröffentlichte Fund sei in einer Kooperation mit der Uni Bagdad gelungen. »Es handelt sich um einen faszinierenden Hymnus, der Babylon in seiner größten Blütezeit beschreibt und Einblicke in das Leben seiner Einwohner und auch seiner Einwohnerinnen gibt«, sagt der LMU-Altorientalist Enrique Jiménez, einer der Hauptautoren. Babylon wurde etwa 2.000 vor unserer Zeit im damaligen Mesopotamien gegründet. Die einst größte Stadt der Welt war eine kulturelle Metropole, in der Werke verfasst wurden, die heute zur Weltliteratur zählen, wie das Gilgamesch-Epos. Der Text sei von einem Babylonier in babylonischer Sprache geschrieben, der seine Stadt loben wollte. »Der Autor beschreibt die Gebäude in der Stadt, aber auch, wie der Euphrat den Frühling bringt und die Felder grün werden. Das ist spektakulär. Denn aus Mesopotamien sind nur wenige Beschreibungen der Natur überliefert«, sagt Jiménez. Auch die Informationen über die Frauen aus Babylonien, ihre Rolle als Priesterinnen und die damit verbundenen Aufgaben erstaunten die Fachwelt, da darüber bislang keine Texte bekannt waren. Die Hymne gebe zudem Einblicke in das Miteinander der Stadtgesellschaft. So werden die Bewohnerinnen und Bewohner als respektvoll gegenüber Ausländern beschrieben. Texte wurden damals in Keilschrift auf Tontafeln geschrieben, die nur in Bruchstücken erhalten sind. Ziel der Kooperation mit der Universität Bagdad sei es unter anderem, Hunderte Keilschrifttafeln aus der Bibliothek Sippar zu entschlüsseln und der Nachwelt zu erhalten. Dort soll Noah sie als Schutz vor der Sintflut versteckt haben, bevor er in die Arche stieg. Enrique Jiménez digitalisiert in dem Projekt »Electronic Babylonian Literature« alle Keilschrifttextfragmente, die weltweit bislang entdeckt wurden. Er nutzt dabei künstliche Intelligenz, um zusammengehörige Fragmente zu entziffern. Die weiteren zahlreichen Fundstellen lassen darauf schließen, dass der Text damals sehr verbreitet war. »Die Hymne wurde von Kindern in der Schule kopiert. Es ist außergewöhnlich, dass ein damals so beliebter Text bis heute unbekannt war.« Die Ruinen der antiken Stadt Babylon liegen etwa 85 Kilometer südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad. Sie zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.07.2025, Seite 11, Feuilleton

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