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Aus: Ausgabe vom 11.06.2024, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Chinas Außenhandel

Süden gewinnt an Gewicht

Exporte der Volksrepublik China steigen. Auch nach Lateinamerika, Afrika und in die ASEAN-Staaten. Westen weiterhin wichtig
Von Wolfgang Pomrehn
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Der Handel mit Afrika, Lateinamerika, der ASEAN, Indien und Südkorea umfasste ein Volumen von 916 Milliarden US-Dollar

Trotz wachsender Spannungen sind Chinas Ausfuhren im Mai weiter gestiegen. Das geht aus am Freitag veröffentlichten Daten der chinesischen Zollbehörde hervor, über die unter anderem die in Hongkong erscheinende South China Morning Post berichtete. Demnach wurden Waren im Wert von 302,4 Milliarden US-Dollar (281,3 Milliarden Euro) verschifft beziehungsweise auf die Gleise Richtung Zentralasien und Europa gesetzt. Gegenüber dem Vorjahresmonat war das eine Steigerung um 7,6 Prozent. Beobachter hatten zuvor ein Wachstum von gut sechs Prozent erwartet. Zum Teil handelt es sich zunächst um einen statistischen Effekt, da der Mai 2023 ein vergleichsweise schlechter Monat für chinesische Außenhändler gewesen war.

Zuwachs Richtung ASEAN

Großen Anteil an dem Wachstum haben auch die Ausfuhren in die Länder der südostasiatischen Staatenallianz ASEAN, die um 22,5 Prozent zulegten. Die Exporte in die Russische Föderation sind hingegen wie schon im Vormonat, wenn auch nicht mehr so stark, gesunken. Die Ausfuhren in die USA zeigten etwas Wachstum, aber insgesamt fielen die Exporte dorthin wie auch nach Japan und in die EU deutlich geringer als noch vor einigen Jahren aus. Der historische Höhepunkt der dortigen Nachfrage nach chinesischen Waren wurde jeweils während der Covid-19-Pandemie erreicht.

Der Handel mit Südostasien wie insgesamt mit den Staaten des globalen Südens gewinnt derweil zunehmend an Gewicht sowohl für diese, als auch für Beijing. Für die zehn Mitglieder umfassende ASEAN, darunter Indonesien, Thailand, Malaysia und Singapur, ist China bereits seit 2009 der wichtigste Handelspartner. Auch für die Volksrepublik ist das Bündnis in seiner Nachbarschaft inzwischen die Nummer eins, noch vor der EU und den USA. In den ersten fünf Monaten hatte der Warenaustausch zwischen China und den USA, der EU und Japan einen Umfang von zusammen 701 Milliarden US-Dollar. Mit Afrika, Lateinamerika, der ASEAN, Indien und Südkorea waren es 916 Milliarden US-Dollar.

Vielfältiges Handelsgeflecht

Im Vergleich zur Struktur, die der Welthandel noch zu Beginn des Jahrtausends hatte, ist das ein Umbruch. Seinerzeit war die chinesische Exportwirtschaft wie auch die Südkoreas und der südostasiatischen Länder vollkommen auf die Märkte in der EU und in Nordamerika ausgerichtet. Der Handel mit den Nachbarländern oder auch mit Afrika und Lateinamerika spielte hingegen kaum eine Rolle. Mittlerweile sind die Handelsgeflechte erheblich vielfältiger, wovon auch Afrika zunehmend profitiert.

Allerdings sind die Daten nicht als Entkoppelung Chinas vom Westen zu verstehen. Zum einen, weil chinesische Waren inzwischen mitunter den Umweg über Länder wie Vietnam nehmen, um von dort weiter exportiert zu werden. Zum anderen, weil andere Länder inzwischen Chinas Rolle als Billigproduzent von Verbraucherwaren übernommen haben und stark wachsende Ausfuhren nach Nordamerika und die EU-Staaten verzeichnen, aber zugleich auch immer mehr Importe aus der Volksrepublik aufnehmen.

Derweil scheint die EU-Kommission entschlossen, die Zölle auf chinesische Elektroautos zu erhöhen. Derzeit betragen sie zehn Prozent. Wie es heißt, soll mit dem Anheben der Einfuhrzölle die hiesige Automobilindustrie vor der günstiger produzierenden chinesischen Konkurrenz geschützt werden. Betroffen sind allerdings auch Unternehmen wie BMW (Reingewinn 2023 12,2 Milliarden Euro) und Tesla, die bisher Elektroautos aus ihren chinesischen Werken in der EU verkaufen. Während die EU-Kommission chinesischen Herstellern unterstellt, ihre Produkte unter den Gestehungskosten anzubieten, sprach Chinas stellvertretender Handelsminister Ling Ji letzte Woche bei einem Besuch in Warschau von »Protektionismus«. Wie die Zeitung China Daily schreibt, warf Ling der EU vor, sich nicht an die »multilateralen Regeln« zu halten, womit die Abkommen der Welthandelsorganisation gemeint sein dürften. Und weiter: China werde die »Interessen seiner Unternehmen mit konkreten Maßnahmen schützen«.

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