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Hengameh Yaghoobifarah

Focus-Fake News

Die Taz-Autorin Hengameh Yaghoobifarah hat nach ihrer vielbeachteten Kolumne »All cops are berufsunfähig« – anders, als es das Nachrichtenmagazin Focus »aus Berliner Polizeikreisen« erfahren haben will – nicht um Polizeischutz gebeten. Am Sonntag hatte Focus in seiner Onlineausgabe berichtet, der Justiziar und die Chefredaktion der Taz hätten nach erheblichen Anfeindungen gegen die Autorin in deren Auftrag beim Polizeipräsidium um Hilfe gebeten. Yaghoobifarah sei in zahlreichen Telefonaten und E-Mails auch körperlich bedroht worden. Nun sollten Beamte des Polizeiabschnitts 35 für die Sicherheit der Redaktion sorgen. Diese Angaben wurden am Montag auch von der Polizei nicht bestätigt. Dafür beantwortete Yaghoobifarah auf Twitter die Frage, warum es nicht völlig egal sei, was da so an »Focus-Fake News« kursiere: »Weil mein Ruf kaputt geht, ned deiner.«

In ihrer am 15. Juni erschienenen Kolumne hatte Yaghoobifarah überlegt, wo Polizisten am besten aufgehoben wären, und war auf »Mülldeponie« gekommen: »Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.« Seither wurden zahlreiche Anzeigen gegen sie gestellt, überflüssigerweise drohte zwischenzeitlich auch Innenminister Horst Seehofer damit, den vielen Anzeigen eine weitere hinzuzufügen. Davon hat er dann aber doch Abstand genommen. Und im Laufe des Montags wies die stellvertretende Chefredakteurin der Taz, Katrin Gottschalk, dann gegenüber der Welt auch die Angaben des Focus zurück. Die Bitte um ein Beratungs- und Sicherheitsgespräch bei der Berliner Polizei sei von der Redaktion ausgegangen, nicht von Yaghoobifarah, wurde Gottschalk in der Onlinausgabe des Springer-Blattes zitiert. Dass sich die Polizisten des benachbarten Reviers um die Sicherheit der Redaktion kümmerten, sei völlig üblich und habe nichts mit den aktuellen Drohungen zu tun. (jW)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.06.2020, Seite 11, Feuilleton

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