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Aus: Ausgabe vom 30.06.2020, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Keine Bedeutung

Weltzeit | Mo., 18.30 Uhr, DLF Kultur
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Eine Chefin, die Familie und Politik ohne großes Aufsehen vereint, bedeutet gar nichts. Die Sendung Weltzeit von Deutschlandfunk Kultur fühlte sich dennoch bemüßigt, im Titel Erwartungen, die (zumindest) Frauen ohnehin nicht haben, zu dämpfen: »Der Kampf um Gleichberechtigung ist noch nicht zu Ende.« Es geht um Neuseeland, wo Labour-Ministerpräsidentin Jacinda Ardern vor allem international als Paradebeispiel einer »erfolgreichen Frau« fungiert. Selbst wenn Neuseeland ein Gleichstellungsparadies wäre, wäre nichts erreicht, wenn das nicht für jeden Ort der Welt gelten würde. Und nichts ist erreicht, wenn frau sich »ständig rechtfertigen« muss, wie die Grünen-Abgeordnete Golriz Ghahraman erklärt. Sie betont zwar die formale Progressivität ihres Landes, so die gesetzlich verankerte Gleichbezahlung von Frauen und Männern, aber wie die Exabgeordnete Marilyn Waring anmerkt: »Sind die meisten Armen in diesem Land Frauen? Ja. Sind die meisten Opfer von Gewalttaten Frauen? Ja. Sind die meisten Obdachlosen Frauen? Ja. Noch Fragen?« (si)

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