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Kolonialerbe

1.200 geraubte Schädel

Die menschlichen Überreste hätten »nie hierhergebracht werden dürfen«, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, nach Erforschung der Herkunft von knapp 1.200 Schädeln, die um 1900 herum aus Afrika nach Deutschland geschafft worden waren, wo sie 2011 mit den anthropologischen Sammlungen der Berliner Unikliniken in den Besitz der Stiftung gelangten. »Sie waren davor absolut unangemessen, sogar feucht, gelagert, teilweise mit Schimmel befallen«, erklärte Parzinger gegenüber dpa. Die Schädel seien gereinigt und konservatorisch behandelt worden. Anschließend habe man in einem Pilotprojekt ihre Herkunft erforscht – »mit dem klaren Ziel der Repatriierung, also der Rückgabe«.

Drei Viertel der 1.200 Schädel wurden nach Erkenntnis der beteiligten Wissenschaftler aus dem heutigen Ruanda geraubt, um die 250 aus Tansania und gut 30 aus Kenia. »Also stammen etwa 98 Prozent aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika«, so Parzinger. Es sei aber eben auch über deren Grenzen hinaus gesammelt worden. »Man hat Friedhöfe, Grabfelder der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert lebenden Gemeinschaften geöffnet oder öffnen lassen und die Überreste einfach entnommen – ­natürlich ohne Genehmigung«.

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In einer der erforschten Regionen seien Verstorbene nicht begraben, sondern in Höhlen gelegt worden. Parzinger: »Wenn ein Sammler so einen Ort, wo über Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte Tote abgelegt wurden, geplündert hat, hatte er natürlich in kurzer Zeit einen großen Bestand. Das erklärt Schwerpunkte in der Sammlung.«

Über die Modalitäten der Rückgabe sei man im Gespräch mit den Botschaften aller drei betroffenen Länder. Sie erfolge in Absprache mit der Bundesregierung. Vom Stiftungsrat hat Parzinger freie Hand bekommen. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.02.2020, Seite 11, Feuilleton

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