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Aus: Ausgabe vom 22.02.2020, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Jetzt redet Mr. Vogelschiss

Phoenix vor Ort | Do., 16.45 Uhr, Phoenix
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Gauland mit Parteifreundin Alice Weidel auf einem AfD-Wahlplakat

Wen lässt man am besten ausführlich zu Wort kommen, wenn gerade ein durchgeknallter Neonazi in Hanau zehn Menschen ermordet hat? Öffentlich-rechtliche Sender fanden am Donnerstag, es sei eine gute Idee, AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland mehrere Minuten die Nase in die Kamera halten zu lassen, ihm Gelegenheit zur Entpolitisierung der Tat zu geben – und das dann auch noch zu senden. Als sei von dem Mann, dessen Partei jede Messerstecherei mit Beteiligten, deren Urgroßeltern nicht in Deutschland geboren wurden, gründlich politisch instrumentalisiert und den Holocaust für einen »Vogelschiss« in 1.000 Jahren deutscher Geschichte hält, etwas Neues zu erwarten gewesen und geliefert worden. Natürlich war das Massaker in Hanau für ihn lediglich die Tat eines Irren und weder links noch rechts einzuordnen. Bei der anfänglichen Beileidsbekundung erwies sich Gauland aber wenigstens als mittelmäßiger Laiendarsteller. (clw)

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