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Ausstellung

Musealisierte Mittelschicht

»Und hier in dieser Vitrine sehen Sie eine Replik des I-Phone 4. Das Original befindet sich aktuell in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang in der Ausstellung ›Fetische des Kapitalismus‹«. Humorig führt die Österreicherin Lisl Ponger durch ihr »Museum für fremde und vertraute Kulturen«, das seit Donnerstag das Kunsthaus Dresden in Beschlag genommen hat. Der untergehenden Mittelschicht widmen sich die Ausstellungsmacher um Ponger mit der Methode der »Rettungsethnologie«. Sie stellen sich damit in die Tradition von Ethnologen, die ausschwärmten, um etwa indianische Kulturen zu bewahren. In der Schau werden durchaus auch härtere Fakten präsentiert, etwa zur Verschuldung der Privathaushalte. Erläuternd heißt es dazu: »Darlehen wurden aufgenommen, um Häuser, private Ausbildung, Konsum und Luxusgüter (insbesondere jene mit Markennamen) sowie Reisen bezahlen zu können.« Ponger berichtet von Prozessionen, die in Italien für den »Heiligen Prekarius« abgehalten werden, und präsentiert den Kopfabguss eines portugiesischen Ingenieurs, der in seiner Heimat keine Arbeit mehr fand und deshalb nach Angola auswanderte. So wurde die Mittelschicht des Westens selten musealisiert.

Noch bis 12. Januar im Kunsthaus Dresden, Rähnitzgasse 8, Führung jeden Freitag, 16.30 Uhr

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.09.2019, Seite 10, Feuilleton

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