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Aus: Ausgabe vom 11.02.2019, Seite 10 / Feuilleton
Droste

Im Modus

Von Wiglaf Droste

Wenn der junge Mensch in der zweiten Hälfte der Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts nicht sprechen will oder kann oder einfach nur blöde maulfaul ist, dann sagt er nicht eben genau das, sondern lässt in herablassendem, demonstrativ genervten Ton ein verbales Legebatterieei fallen: »Ich bin gerade nicht im Sprechmodus.« Zwar weiß er nicht, was ein Modus ist, geschweige denn ein Modus vivendi oder bibendi, aber es klingt so schön abfällig cool: »Ich bin gerade nicht im Sprechmodus.« Und weil man gerade nicht im Du-kriegst-gleich-einen-an den-Ballon-Modus ist, sagt man, was man zu allen Vierjährigen jeden Alters sagt: »Ganz tolle Wurst.« Da kuckt er dann stulle.

Freund Friedrich schreibt über die »Verselbstcomputerung des Menschen«: »Der Modusdenker eifert seinem Arbeitsgerät nach, das ›im abgesicherten Modus läuft‹, was man als Durchschnittshirnverwender von seinem offenbar nicht immer behaupten kann.«

In den aktuellen Charts der Schaum- und Blähsprache – Stand Februar 2019 – hat das »Im Modus sein« einen festen Platz erobert. Die Nichtszusagenhaber aller Fraktionen verstecken sich gern hinter sprachlichen Hämorrhoiden, bis sie platzen. Dann stehen sie begossen und besudelt da, und niemand zeigt Mitgefühl. Warum auch? Die nächste Phrase ist längst in der Umlaufbahn.

Selbstverständlich kann man auch die »Im Modus«-Floskel ironisiert verwenden und damit den Spieß umdrehen. Lügnern sagt man »Ich bin gerade nicht nicht im Ich-glaube-dir-Modus«, und wenn man dumm angebaggert wird, kann man zuckersüß sagen: »Tut mir leid, ich bin gerade nicht im Fickmodus.« Für alle, die noch immer die Stasi als Gottseibeiuns kultivieren, während sie sämtliche private Daten in die asozialen Medien einspeisen, gibt es den IM Modus, aber der spricht traditionell ohnehin nicht, der mauert.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Wolfgang Richel, Wuppertal: Weiter so Immer noch im Vorweihnachtsmodus, kann ich bei diesen »Euren« Nachrichten auch im Februar keine Ruhe finden. Der himmelweite Unterschied zwischen der jW und der Lokalpresse oder auch dem WDR gerade be...

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