Feria 2009

Feria 2009

Berichte
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    Volksfest und Volksuni

    Peter Steiniger
    cuba
    Es gibt ein Leben nach dem Lesen

    Am Sonntag schloß die internationale Buchmesse Havanna ihre Tore. Das nächste Gastland heißt Rußland

    Die Linke weltweit träumt von Kuba, Kuba träumt von der Welt. Die literarische war vom 12. bis 22. Februar auf der 18. »Feria Internacional del libro« zu Gast und löste wieder eine Völkerwanderung zum Veranstaltungsort, der historischen Hafenfestung La Cabaña, aus. Eine halbe Million Besucherinnen und Besucher wurde gezählt. Für drei Peso der Moneda Nacional, der regulären Landeswährung im Schatten des Dollar-Äquivalents CUC, erhielt man Zutritt zu den Messeständen, Buchhandlungen, Lesungen, Filmvorführungen, Konzerten – und zu einem beachtlichen kulinarischen Angebot, das größtenteils ebenfalls für den alten Peso erhältlich war.

    Es war ein Volksfest der Literatur. Und gleichzeitig eine Volksuniversität mit massenhaft Symposien und Vorträgen zu einem breiten Spektrum an Themen aus Kunst, Politik und Wissenschaft. Die »Feria del libro« geht weiter. In fünfzehn anderen Städten wird sie bis zu ihrem Abschluß am 8. März in Santiago de Cuba mit ihren mehr als tausend Neuerscheinungen Station machen.

    In Havanna fiel der hohe Anteil chinesischer Gäste auf. Fast 2000 Chinesen lernen und studieren zur Zeit an kubanischen Bildungseinrichtungen. Angesichts ihrer starken Präsenz auf der Messe könnte man meinen, daß die zahlreichen gebrauchten Yutong-Busse aus dem Reich der Mitte, die im katastrophalen Nahverkehr auf Havannas Straßen röhren, vollbesetzt geliefert wurden.

    Auf der Messe wurde selbstverständlich das 50. Jubiläum der Revolution von 1959 herzlich gewürdigt. Geehrt wurde mit der Casa de las Américas ein echtes Kind dieses Epochenwechsels: Das literaturwissenschaftliche Forschungszentrum, das die lateinamerikanische Literatur und Philosophie ins­gesamt mitprägte, kann 2009 ebenfalls auf fünf Jahrzehnte seines Bestehens zurückblicken.

    Chile, Chile, Chile. An allen Ecken und Enden der Messe wurde das diesjährige Gastland der Buchmesse präsentiert. Die zentrale Ausstellung »Eine Umarmung zwischen zwei Völkern« erinnerte mit Fotos, Texten und historischen Film- und Fernsehaufzeichnungen an die gewachsene Verbundenheit Kubas mit dem Chile der Unidad Popular. Künstler dieser Epoche, wie der Dichter Pablo Neruda, die Sängerin Violeta Parra oder der Liedermacher der chilenischen Volksfront, Victor Jara, wurden vorgestellt. Erstmals seit dem sozialistischen Präsidenten Salvador Allende stattete mit Michelle Bachelet auch ein Staatsoberhaupt des Andenstaates Kuba wieder einen Besuch ab. Im kommenden Jahr wird Rußland das Ehrengastland der Buchmesse sein. Dies kann als ein konkreter Ausdruck der Wiederannäherung zwischen beiden Ländern gesehen werden.

    Die deutsche Beteiligung in diesem Jahr ruhte auf drei Säulen. Neben der offiziösen Präsenz der Frankfurter Buchmesse und der von ihr repräsentierten Verlage waren die profilierte Solidaritätsorganisation der Linkspartei, Cuba Sí, sowie das Berliner Büro Buchmesse Havanna hier vertreten. Letzteres war gegründet worden, um den zeitweiligen Boykott der Veranstaltung durch die Bundesregierung ins Leere laufen zu lassen. Nachdem dies geglückt war, wird der Messeauftritt nun stärker thematisch ausgerichtet. In diesem Jahr wurden die Integrationsprozesse in Lateinamerika und der EU unter die Lupe genommen. Unter dem Dach des Berliner Büros tritt auch die junge Welt in Havanna in Erscheinung. Während deutsche Botschaftsangehörige unter Kubas Intellektuellen nach Dissidenten Ausschau hielten, wurden 18000 Exemplare dissidenter Lektüre aus der Bundesrepublik an die Besucherinnen und Besucher gebracht: eine jW-Sonder­ausgabe in spanischer Sprache. Über weitere Aktivitäten und vor allem über Eindrücke der widersprüchlichen Realität des heutigen Kuba wurde in einem Internet-Blog direkt aus Havanna berichtet (http:www.jungewelt.de/feria2009).

    Die Krise der Neunziger liegt zurück, Errungenschaften konnten bewahrt werden, Bewundernswertes wird geleistet. Der Patriotismus der Kubaner scheint ungebrochen. Doch das Auseinanderklaffen von gesellschaftlichem Anspruch und Realität infolge der ökonomischen Implosion nach dem Zerfall des sozialistischen Lagers hält bereits eine Generation lang an. Die Hurrikans im vorigen Herbst mit ihren Milliardenschäden haben die wirtschaftliche Entwicklung zurückgeworfen. Trotz einer Grundversorgung über Bezugsscheine (libretas) reichen die Gehälter, die außerhalb des Tourismus und angrenzender Bereiche gezahlt werden, bei weitem nicht aus. Vor allem in Havanna bestimmt das CUC-Geld das Leben. Viel Notwendiges und fast alles Angenehme ist nur in den Devisenläden erhältlich. Kuba ist auf dieses System angewiesen, um dringend benötigte Waren zu importieren. Gut qualifizierte Leute verlassen weiterhin das Land, in erster Linie aus ökonomischen Gründen.

    Mit einem pragmatischen Heran­gehen an die Probleme versucht die Regierung von Raúl Castro, die Wirtschaft weiter zu stabilisieren und ihre Produktivität zu erhöhen. Eine Schlüsselrolle für die Entwicklung vorhandener Potentiale kommt der Integration in den lateinamerikanischen Handel zu.
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    Integrale Medizin

    Peter Steiniger
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    Ying und Yang mit Dr. Alfredo Albuin

    Sonnabend nachmittag am Stand von Cuba Sí. Der Arzt und Biochemiker Alfredo Albuin von der Universität Matanzas hält einen Vortrag über die Anwendung von Alternativmedizin. Bio-energetisch ausgerichtet, werden in seinem Projekt »Behique« (indianisch für Heiler) die fünf Elemente der traditionellen chinesischen Medizin, einheimische Naturmedizin und moderne Forschungsansätze miteinander verknüpft. Dabei wird eng mit landwirtschaftlichen Produzenten, Pharmazeuten und Patienten zusammengearbeitet. In Kombination mit konventionellen Behandlungsmethoden kommen die Methoden Menschen mit Krankheitsbildern wie Diabetis, Übergewicht, Allergien, Gicht, Asthma und auch Krebs zugute.
    In einem anschließenden Gespräch mit jW geht es um die neue Generation von Medizinern in Kuba, die Zwangsrückkehr zur ökologischen Landwirtschaft infolge der Krise und die Suche nach wissenschaftlichen Kontakten in Deutschland. Mehr dazu lesen Sie demnächst in junge Welt.

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    Auf die Bohnen kommt es an

    Peter Steiniger
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    Guillermo Soto züchtet verschiedenste Bohnensorten zur Saatgutgewinnung

    In Santa Cruz del Norte, im Nordosten der Provinz Havanna gelegen, besuche ich die Kooperative CSS José Castellanos. Knapp hundert Mitglieder haben sich in ihr zusammengeschlossen. Der Kontrast zur nahen Hauptstadt könnte kaum größer sein. Hier fährt der Bürgermeister mit der Pferdekutsche vor. Neben dem Verwaltungsgebäude mit herausgeputzter Plaza Martiana, einem kleinen Ehrenhain für José Marti, hier in Kombination  mit den »fünf Helden« und einer Miniatur-Moncada, wird fleißig an neuen Lagerhäusern gebaut.

    Die Genossenschaft ist beteiligt an einem Programm für lokale landwirtschaftliche Innovation. Neben der Fleisch- und Milcherzeugung für 30.000 Menschen im Distrikt hat man sich ganz besonders der Bohnenfrage angenommen. Während die meisten Bauern kaum mehr als drei, vier Sorten kennen, werden hier auf Versuchsfeldern 58 Arten gezogen, um Resistenzen, Ertrag und die Anpassung an verschiedene Umweltbedingungen wie Trockenheit und Überschwemmungen.

    Damit soll besseres Saatgut gewonnen werden, um die Campesinos in die Lage zu versetzen, auf ihren Feldern die jeweils geeignetsten Sorten anzubauen. Der Erfolg aller hier unternommenen Mühen hängt auch davon ab, ob es gelingt, die Mittel für eine Pumpe zur Bewässerung zusammenzubekommen. Damit könnte endlich auch das Flüßchen, das sich hinter einem Abhang neben den Ackerreihen schlängelt, dazu genutzt werden.

    Mehr über die Begegnungen in Santa Cruz del Norte, die Kooperative und ihre Ziele erfahren Sie demnächst in einer Reportage in junge Welt.

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    Rufer auf der Piste

    Die erste Auslandsreise des Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela nach dem Sieg des »Ja« im Referendum über eine Verfassungsreform führt nach Kuba. Am Freitagabend traf Hugo Chávez auf dem Flughafen von Havanna ein, wo er von Kubas Präsident Raúl Castro Ruz empfangen wurde. Mit Hochrufen auf Kuba, Fidel und Rául betrat der Gast kubanischen Boden, berichtet die Zeitung Juventud Rebelde. Die anschließende Umarmung der beiden Staatsführer sieht sie als ein Symbol der Einheit der beiden Bruderländer. (pst)

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    Schule der Produzenten

    Peter Steiniger
    Feldarbeit

    Ein Besuch bei der städtischen Landwirtschaft in Havanna

    Organopónico Vivero Alamar ist eine Vorzeigekooperative. Während mich Sandra Miranda Lorigados vom Nationalen Institut für Agrarwissenschaften und Jürgen Roth von der Deutschen Welthungerhilfe/Agro Acción Alemana durch das Projekt führen, ist auch eine kanadische Reisegruppe vor Ort.

    Hier in der Unidad Básica de Producción Cooperativa (UBPC) wird verbrauchernah produziert. Die Neubauten der Vorstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern umrahmen die Ackerflächen und Gewächshäuser. Seit zehn Jahren ist die DWHH mit ihren kubanischen Partner-NGO ACPA (Kubanische Vereinigung für Tierproduktion) und ACTAF ( Kubanische Vereinigung für Agrar- und Forsttechnik) daran beteiligt, hier eine kleinflächige, effiziente und ökologisch ausgerichtete Produktion, vorrangig von Gemüse, zu entwickeln. Gewächshäuser wurden gebaut, Pumpen installiert, Materialien zur Verfügung gestellt. Vermarktet wird direkt, was bedeutend zur Ernährungssicherung der Bevölkerung in Alamar beiträgt. Viele administrative Hürden galt und gilt es dabei zu überschreiten.

    Seit 1994 ist die DWHH bereits in Kuba tätig. Während in den Jahren seit der Spezialperiode bis 2006 vor allem die direkte Unterstützung von Produzenten im Mittelpunkt stand, geht es nun vor allem darum, Dienstleistungszentren für Genossenschaften und kleine Produzenten, wie z. B. Kleintierhalter zu entwickeln. Eine Million Euro setzt die Welthungerhilfe in den nächsten vier Jahren insgesamt hierfür ein.

    Vivero Alamar kann sich sehen lassen, auch in sozialer Hinsicht. Die 170 Mitarbeiter, die meisten davon sind auch Genossenschaftsmitglieder, haben abgesicherte, reguläre Arbeitsplätze mit überdurchschnittlichen Einkommen. 50 Prozent des erzielten Gewinns werden reinvestiert, die andere Hälfte wird nach einem Prämiensystem, welches die Zugehörigkeitsdauer zum Betrieb berücksichtigt, verteilt. Das Erfolgsmodell auf der Basis von gut ausgebildeten Mitarbeitern, die stetig weiter geschult werden, ist für die Welthungerhilfe auch ein wichtiges Laboratorium, um kreative landwirtschaftliche Methoden zu erproben. Davon profitieren Projekte in anderen, weitaus mehr Not leidenen Ländern der Region wie Haiti. Natürlich werden auch innerhalb Kubas die hier gewonnenen Erfahrungen weitergegeben und genutzt. Doch sehen Sie selbst, wie diese »Schule der Produzenten« gedeiht (Fotostrecke: Stadt-Land).
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    »Sie haben das Richtige getan«

    Interview: Ruben Wesenberg
    Laura
    Laura Labañino

    Ein Gespräch mit Laura Labañino. Die 16jährige Laura ist Tochter von Ramón Labañino, einem der fünf Kubaner, die seit zehn Jahren in den USA inhaftiert sind
    Vor zehn Jahren wurde Ihr Vater in den USA festgenommen und sitzt seitdem in Haft. Wie geht Ihre Familie mit dieser Situation um?

    Die größte Last liegt sicherlich bei meiner Mutter. Ich gehe wie alle anderen in meinem Alter in die Schule. Ich lerne an einer Oberschule und bereite mich auf ein Kriminalistikstudium vor. Dazu kommt allerdings, daß ich – wie die anderen Angehörigen der Inhaftierten – seit vielen Jahren als »Reisende« unterwegs bin. Meine Schwester Lisbeth und ich begleiten unsere Mutter bei der Solidaritätsarbeit. Wir halten Vorträge, besuchen Konferenzen und informieren über das, was unseren Vätern angetan wird. Eine große Hilfe ist uns dabei das Solidaritätskomitee »International Commitee for the freedom of the cuban 5« von Graciela Ramirez.

    Wie stark ist die Bewegung für die Freilassung der fünf?

    Die Unterstützung ist groß, Solidaritätsgruppen für »The Cuban 5« gibt es überall auf der Welt. Fünf lateinamerikanische Präsidenten haben sich solidarisch erklärt. Ebenso Tausende Künstler, Schriftsteller und andere Intellektuelle, darunter Leute wie Noam Chomsky, Frei Beto oder Jostein Gaarder. Zahlreiche britische Parlamentarier sowie der mexikanische Senat fordern die Freilassung unserer Väter.

    Ihr Vater zahlt einen hohen Preis für seinen Einsatz gegen den Terrorismus. Ist er nicht zu hoch?

    Die zuständige UN-Kommission hat das Verfahren, so wie es stattgefunden hat, als unrechtmäßig und willkürlich beschrieben. Bei meinem Vater wäre eine Strafe von höchstens sechs Monaten angemessen gewesen. Dabei wäre es lediglich um kleinere Einreisevergehen und den Vorwurf der »Identitätsfälschung« gegangen. Auch die anderen Väter müßten längst wieder zu Hause bei ihren Familien sein. Der Vorwurf des Terrorismus an sie ist falsch und ihre lange Haft nicht gerechtfertigt. Sie haben das Richtige und Notwendige für unser Land getan.

    Die USA haben mit Barack Obama einen neuen Präsidenten. Was erwarten Sie von ihm?

    Hoffnung gibt es immer. Ich halte eine positive Veränderung schon für möglich. Etwa in dem Sinne, daß sich die öffentliche Meinung in den USA verändert und damit wieder Bewegung in den Fall kommt.

    Wie bleiben Sie mit Ihrem Vater in Kontakt?

    Wir können ihm schreiben – wenn auch eingeschränkt. Alle paar Tage darf ich auch mit ihm telefonieren. Normalerweise dürfen Strafgefangene nach US-Recht einmal im Monat Besuch empfangen. Den Kindern der Inhaftierten wird jedoch höchstens einmal im Jahr ein Besuch im Gefängnis genehmigt. Dennoch durfte ich meinen Vater in den letzten zehn Jahren insgesamt nur sechs mal sehen.

    Das alles ist sehr willkürlich, ein Besuch ist auch immer sehr aufwendig. Für meine Mutter und die anderen Ehefrauen der fünf ist die Situation noch unerträglicher als für uns Kinder. Sie wurden 2000 ausgewiesen, gelten als »Gefahr für die USA« und erhalten kein Visum. Wir kämpfen für das volle Besuchsrecht unserer Mütter.

    Was gibt Ihnen die Kraft, mit dieser Situation umzugehen?

    Manchmal ist es schwer, in Fernsehserien lauter glückliche Familien zu sehen. Dann schmerzt es mich, daß wir so ein Leben nicht haben können. Ich weiß nicht, woher mein Vater die Kraft nimmt, aber er bleibt in seinen Briefen und Telefonaten hoffnungsvoll. Also bleibe ich es auch.

    Info: http: www.miami5.de

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    Für eine andere Sicht auf die Welt

    Katja Klüßendorf und Ruben Wesenberg
    Prensa
    Mit Herz und Verstand Nachrichtenmann: Frank González

    Ein Besuch bei Prensa Latina

    Frank González García, Präsident von Prensa Latina, empfing uns sehr herzlich im historischen Gründungsgebäude von Kubas Nachrichtenagentur. Dieses teilt es sich heute mit dem Gesundheitsministerium. Die Agentur wurde im Juni 1959, sechs Monate nach dem Triumph der kubanischen Revolution, unter Beteiligung Che Guevaras gegründet.

    Mit seinem argentinischen Landsmann, dem Radiojournalisten Jorge Ricardo Mazetti an der Spitze, lieferte Prensa Latina schon in den Flitterwochen des kubanischen Sozialismus Informationen über das, was tatsächlich in Kuba geschah.

    Nach dem Ende des sozialistischen Lagers in Europa stürzte Prensa, wie Kuba insgesamt, in eine schwere Krise. Die 90er Jahre waren vom Überlebenskampf der Agentur geprägt, die Mehrzahl der Auslandsbüros mußte geschlossen werden. Not macht erfinderisch, auch Genossen: Außer mit Nachrichten wurden Immobilien gehandelt, Büros vermietet, eine Handelskette vertrieb Büromaterialien. Um flüssig zu bleiben, brachte man sogar Bier und Hotdogs unters Volk.

    Um 2000 stabilisierte sich die Situation, seit fünf Jahren macht Prensa Latina wieder ausschließlich das, wozu es gegründet wurde. Bis heute folgen die mehr als 600 Mitarbeiter und Journalisten in 25 Ländern dem Anspruch, eine Anschauung von der Welt zu bieten, die sich von den Abziehbildern, die durch die großen Medienimperien weltweit produziert werden, absetzt.

    Der Schwerpunkt in der Berichterstattung liegt auf Lateinamerika, daneben verfügt die Agentur aber auch über eigene Korrospondenten in Europa, Afrika, Asien und den USA.

    http://www.prensa-latina.cu


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    Friedensfreunde auf vier Pfoten

    Peter Steiniger
    Für Tiere nicht zu bremsen: Nora García
    Für Tiere nicht zu bremsen: Nora García

    Den Termin habe ich dem kubanischen Presseamt zu verdanken. Dort weiß man, daß ich ein Freund der belebten Natur bin und verabredet mich mit Nora García Pérez. Die frühere Theaterschauspielerin ist Präsidentin von ANIPLANT, der Kubanischen Vereinigung für Tiere und Pflanzen. Sie empfängt mich und meine zweibeinige Begleiterin in einem gut erhaltenen Häuschen in Havannas Altstadt. Bei unserem Gespräch steht ihr der Tierdoktor Dr. Ramon Arias vom kubanischen Landwirtschaftsministerium zur Seite, welches die Arbeit dieser NGO kontrolliert, unterstützt und fachlich begleitet.

    Die ANIPLANT ist Mitglied der World Association for the Protection of Animals (WSPA). Ihr gehören rund zweihundert Mitstreiter an, die in Zusammenarbeit mit Veterinären, lokalen Behörden und den Medien Informationvermittlung an Züchter und Bevölkerung zu Umweltschutz, Tierhaltung und Tierrechten betreiben.

    Im Mittelpunkt der praktischen Arbeit stehen Hunde und Katzen. Vor allem die Bellos sind auch der beste Freund des kubanischen Menschen. Passend zur Insel scheint es sich ganz überwiegend um friedfertige Kreaturen zu handeln. Die trolligen kleinen Pinscher auf den Straßen gehen ohne Aufsehen zu erregen ihren Geschäften nach, an keinem Gartenzaun schoß mir hier je ein zähnefletschender, blutgieriger Familienhund entgegen.

    Nora Garcia berichtet von den Folgen der Hurrikans für Umwelt und Natur sowie verschiedenen Problemen beim Umgang mit Tieren in Kuba. Gemeinsam mit den Behörden arbeitet man gegen Hunde- oder Hahnenkämpfe, mit denen sich illegale Veranstalter bereichern wollen. Die Gladiatorenspiele mit den Gockeln gibt es auch noch vereinzelt in ländlichen Regionen. Doch auch durch Traditionen seien sie nicht zu rechtfertigen, betont Dr. Arias. Die Übernahme einer anderen Unsitte aus dem Ursprungsland der Kolonisatoren, des Stierkampfes, konnte erfolgreich unterbunden werden. Obwohl hier starke finanzielle Interessen, diesen als Touristenattraktion zu nutzen, im Spiel gewesen sind. Das Spektakel mit den Gehörnten hatte sich in Kuba auch früher nie richtig festsetzen können und verschwand bereits im 19. Jahrhundert völlig. Testesteron bildet sich hier eben ganz natürlich.

    Am Sitz von ANIPLANT wird ein kleines Hundeasyl entstehen, die ersten schwanzwedelnden Bewohner sind schon da. Tierärztliche Dienste, vor allem Behandlungen bei Parasitenbefall, sollen hier ebenfalls angeboten werden.

    Die Finanzierung der Arbeit erfolgt ganz überwiegend über Spenden. Und hier liegt das Problem. Im Unterschied zu unseren Breiten fehlt es in Kuba an Erblassern, die ihre Nächsten in den Teppich beißen und ihr angehäuftes Vermögen Susi und Strolch angedeihen lassen. Deshalb sucht ANIPLANT international nach Partnern für eine Zusammenarbeit. Tierfreunde, hört die Signale!

    ANIPLANT (Asociación Cubana de Animales y Plantas) Calle Príncipe No. 128 e/c Espada y Hospital Centro Habana, Ciudad Habana

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    »Das Richtige getan«

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    Verbrechensbekämpfung liegt in der Familie: Laura Labañino möchte Kriminalistik studieren

    Am Wochenende in der Printausgabe: Über ein Leben als »Reisende«, das väterliche Vorbild und Optimismus, der aus Solidarität wächst. Ein Gespräch mit Laura, der Tochter von Ramón Labañino, einem der »Cuban five«. Ein Interview von Ruben Wesenberg

    Antonio Guerrero Rodríguez, Fernando Gonzáles Llort, René Gonzáles Sehwerert, Ramón Labañino und Gerardo Hernández sind seit nunmehr zehn Jahren in den USA inhaftiert. Die fünf gehörten zu einer Gruppe von kubanischen Aufklärern, die in Miami (USA) Strukturen und Aktivitäten militanter Exilkubaner ausforschten. Die kubanische Regierung wollte die US-Behörden auf Grundlage dieser Erkenntnisse dazu bewegen, gegen terroristische Aktivitäten dieser dieser rechtsextremen Gruppierungen gegen Kuba vorzugehen. Von den US-Behörden wurden sie mit konstruierten Anschuldigungen und in unfairen Verfahren wegen Verschwörung zur Spionage zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Elementare Rechte werden ihnen und ihren Familien vorenthalten. Am Sonntagabend besuchten uns besuchen die Geschwister Laura und Lizbeth Labañino (16 und 12 Jahre) und und die 11jährige Ivette Gonzáles. Sie engagieren sich mit ihren Familien in einem kubanischen Solidaritäts-Komitee für die Freilassung ihrer Väter.

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    Marktwirtschaft wagen

    Peter Steiniger
    Markt
    Da sind wir aber immer noch: Kuba-Orangen

    Erkundungen im kubanischen Alltag am Rande der 18. Internationalen Buchmesse von Havanna

    Die schweren Hurrikans vom letzten Herbst, die quer über die Insel pflügten, hatten vor allem die kubanische Landwirtschaft verwüstet. Eine Tragödie angesichts der ohnehin angespannten Versorgungslage. Kuba muß den größten Teil der benötigten Nahrungsmittel gegen knappe Devisen auf dem Weltmarkt kaufen. Umso wichtiger ist es, die Erzeugung im Land selbst anzukurbeln.

    Nach diesen Naturkatastrophen gab es auf den Bauernmärkten der Hauptstadt Havanna lange nichts zu holen. Abgesehen von Zwiebeln, Knoblauch und Malanga-Wurzeln war das Sortiment bis in den Dezember hinein wie leergefegt. Von einer »Bananenrepublik« konnte schon gar keine Rede mehr sein: Die langsam wachsenden Stauden waren an kaum einem Ort verschont geblieben.

    Verschiedene Mangelwaren wurden noch knapper. Die orkangestreßten Hühner wollten keine Eier mehr legen. Der schwarze und graue Markt, auf dem Milch, Fleisch, Meeresfrüchte und alles andere angeboten wird, was Werktätige zur Aufbesserung unzulänglicher Gehälter aus den Betrieben herausholen, tauchte ab. Die Händler wußten, daß in diesen Zeiten hart durchgegriffen wird.

    Die Versorgung über Bezugskarten, die libretas, mit einem Teil des Grundbedarfs zu stark subventionierten Preisen funktionierte auch in den schweren Monaten. Die Bäckereien arbeiteten. Der Staat hatte für einen solchen Notfall Reserven angelegt.

    Gemeinsam mit Mónica, die uns während der Messetage als Sprachmittlerin und Führerin durch den kubanischen Alltag unterstützt, teste ich den aktuellen Stand der kubanischen Marktwirtschaft. In Cojimar, einer Ansiedlung am östlichen Stadtrand von Havanna, wo sich einst Hemingway die Kante gab und mit dem alten Mann das Meer bereiste, reihen wir uns in die Warteschlangen an der örtlichen Verkaufsstelle »El Delfin« ein. Geöffnet ist an allen Wochentagen von 9 bis 17.30 Uhr, am Sonntag nur am Vormittag. »El último?« – »Wer ist der Letzte?« Da stehen wir.

    Auf den Kiepen vor uns türmen sich Berge von Vegetarischem, auch die fahlgelben »Kuba-Orangen« fehlen nicht. Es sind gute Saftlieferanten, während ihr strohiges Fruchtfleisch eher als Füllmaterial für Kissen oder Puppen taugt. Die DDR tauschte etliche Jahresproduktionen an MZ-Motorrädern gegen Schiffsladungen karibischer China-Äpfel. Mónica bestaunt mehr die krepligen, noch tiefgrünen Fruchtbananen. Diese hat sie in Havanna lange nicht zu sehen bekommen.

    Hier ist ganz sicher alles öko: Die Früchte sehen noch pflanzlich aus, mal dick, mal dünn, mal groß, mal klein. Es fehlt ihnen das edle Gleichmaß, welches wir vom Genfood unserer Discounter gewöhnt sind.

    Vor uns in der Schlange wartet bereits ein Dutzend Leute darauf, bedient zu werden. Der Händler arbeitet mit Ruhe. Die Sonne brütet an diesem Februarmorgen. Die älteren Wartenden hocken sich auf die schattigen Plätze am Rand. Nach einer Stunde muß ich passen. Ich eile zur Buchmesse, die Pflicht ruft, die Kollegen warten.

    Während mich der 58er Bus durchschaukelt, ersteht Mónica je zwei Pfund Reis, Bohnen, Mohrrüben, Tomaten, Paprika und Zwiebeln, dazu einen riesigen Salatkopf, ein paar Knoblauchzehen sowie Honig, abgefüllt in einer Flasche mit Rum-Etikett. Und, nicht zu vergessen, mindestens drei Pfund der seltenen Fruchtbananen. Die Preise liegen etwa wieder auf dem Niveau von vor den Wirbelstürmen. Für ihren großen Einkauf zahlt sie 80 alte Pesos, das entspricht etwa vier Dollar – oder einem Fünftel des monatlichen Durchschnittseinkommens in Kuba.

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    Fotostrecke: Cuba-Chile

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    Die Republik Chile ist Ehrengastland der diesjährigen Buchmesse Havanna. Zahlreiche Verlage, Künstler und Autoren aus dem Andenland sind präsent. Besonders wird an die solidarische Verbundenheit mit dem Chile Allendes und der Unidad Popular erinnert. Doch sehen Sie selbst.

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    Fotostrecke: Winterliches

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    Havanna ist eine Stadt der Gegensätze und der Überraschungen. Prächtige Kolonialpaläste, »realsozialistische« Moderne, Aufbau und Verfall liegen dicht beieinander. Neue Geschäfte und alte Parolen, amerikanische Straßenkreuzer und chinesische Busse. Doch sehen Sie selbst.

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    Fotostrecke: Stand-Punkte

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    An unserem Buchmesse-Stand präsentieren wir Bücher beteiligter Verlage, führen Gespräche mit Messebesuchern und schließen Kontakte, verteilen die spanisch-sprachige Sonderausgabe von junge Welt. In einer Nische hinter den Stellwänden entsteht dieser Blog. Doch sehen Sie selbst.

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    Fotostrecke: Lese-Lust

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    Die Buchmesse Havanna ist ein Ort der Begegnung mit dem Buch für alle Generationen. Sie ist ein Ausflugsort für Familien oder Paare und nicht zuletzt ein großes Kinderfest. Doch sehen Sie selbst.

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    Fotostrecke: Aus Topf und Pfanne

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    Das kulinarische Angebot auf der »Feria« ist in diesem Jahr deutlich größer und vielfältiger als in den Jahren zuvor. Besonders auffällig: Der größte Teil der Offerten ist gegen die normale Landeswährung, die »Moneda Nacional«, und nicht nur gegen Dollar-Pesos »CUC« erhältlich. Die Preise sind allerdings, gemessen an den Einkommen, auch ziemlich gepfeffert. Dennoch wird fleißig gezecht und gebechert. Doch sehen Sie selbst.

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    »Die Pyramide muß sich wieder drehen«

    Interview: Peter Steiniger
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    Ana Maria Galbán: Kuba öffnet sich zur Welt

    Über das Deutschstudium in Havanna, Lohn und Leistung sowie Gräten im Hals. Ein Gespräch mit Dr. Ana Maria Galbán Pozo, Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Havanna und Präsidentin des kubanischen Deutschlehrer- und Germanistenverbandes
    Wie attraktiv ist es heute für junge Kubanerinnen und Kubaner, die »schwere« deutsche Sprache an einer Hochschule zu studieren?

    Das Interesse an der germanistischen Fachrichtung ist groß und das hängt nicht zuletzt mit der stärkeren Öffnung unseres Landes zur Welt zusammen. Zum einen ist Lateinamerika unter voller Einbeziehung Kubas vereint wie nie zuvor, wir entwickeln unsere Beziehungen mit vielen weiteren Ländern. Ein wichtiger Faktor ist auch der zunehmende Tourismus. Unter den internationalen Gästen sind ja nicht wenige Deutsche. Etliche davon führt die Neugier, den »letzten Stützpunkt des Sozialismus« zu besichtigen, hierher.
    An unserem Fremdsprachlichen Institut lernen derzeit etwa 150 Studierende Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache. Ich selbst unterrichte das 2. und 3. Studienjahr. Das Germanistikstudium, das auch eine Ausbildung als Dolmetscher und Übersetzer einschließt, dauert insgesamt sechs Jahre. Das ist eine relativ lange Zeit, aber damit können wir eine gute Ausbildung garantieren. Diese Qualifizierung bietet später auch gute Chancen im Beruf.

    Wie hat sich dieser Hochschulbereich in den letzten Jahren entwickelt?

    Ich habe selbst in Havanna studiert und bin Absolventin des 1984er Jahrgangs. Damals spielte der Austausch mit den anderen sozialistischen Ländern noch eine große Rolle. Wir hatten eine eigene »Vorbereitungsfakultät« mit einem einjährigen Sprachlehrgang für diejenigen, die in der DDR studieren oder promovieren wollten. Von September 1987 bis Februar 1988 war ich selbst zu einer Weiterbildung am Herder-Institut in Leipzig.
    In den 1990er Jahren verließen viele Lehrkräfte unser Institut, ließen uns im Stich. DDR-Leute, die mit Kubanern verheiratet waren, und bei uns an der Universität arbeiteten, gingen nach Deutschland. Sie dachten, dass nun auch Kuba »zusammenstürzt«. In den letzten Jahren hat sich die Situation des Lehrkörpers wieder deutlich stabilisiert. Etwa im Jahr 2000 trat die Wende ein.

    Können Hochschullehrer von ihren Gehältern den Lebensunterhalt bestreiten?

    Nein, von dem Einkommen allein läßt sich das Leben in Havanna nicht finanzieren. Das geht nur mit Nebentätigkeiten – wie Übersetzungen – Improvisation und Überlebenskunst. Auch wenn die Gehälter etwas angehoben wurden und vorhandene Qualifikationen endlich auch materiell anerkannt werden. Langsam tritt eine positive Veränderung ein, denn die »Pyramide« muss sich wieder drehen. Damit meinen wir in Kuba das in den 1990er Jahren durch die ökonomische Notlage auf den Kopf gestellte Verhältnis von Qualifikation und Einkommen.

    Welche Aufgaben hat der Deutschlehrer und Germanistenverband, deren Präsidentin Sie sind?

    In unserem Verband wirken etwa 150 Lehrer, Dolmetscher und Übersetzer, aber auch andere Leute mit, die eine besondere Beziehung zur deutschen Sprache pflegen. Wir organisieren Workshops, Lehrertreffen und Vorträge, arbeiten mit ähnlichen Vereinen in anderen Ländern, z. B. Brasilien oder Mexiko, zusammen. Wir entwickeln auch Kontakte zu Verlagen und anderen Einrichtungen, die uns bei der Beschaffung von dringend benötigten Unterrichtsmaterialien behilflich sind. Besonders schwierig ist es, an Lehrbücher für die höheren Sprachniveaus, z. B. für Deutsch als Fremdsprache, Niveau C, zu kommen.

    Zeichnete sich für Sie während ihres Aufenthaltes in der »späten« DDR deren nahendes Ende bereits ab?

    Nein, dass habe ich mir nicht vorstellen können. Allerdings hatte ich bereits 1984 mit einer Delegation des kommunistischen Jugendverband Kubas, UJC, die Sowjetunion bereist. Dort konnte man allerdings ahnen, daß es zuende geht.

    Warum ist Kuba nicht »eingestürzt« - liegt es eher an seiner Insellage oder der Verbundenheit der Menschen mit der Revolution?

    Der Grund dafür ist die Würde der Kubaner. Wir bleiben die Gräte im Hals des US-Imperialismus.


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    Die Festung steht offen

    Peter Steiniger
    Prieto
    »Recht aller auf Kultur«: Abel Prieto (mit bewegter Krawatte)

    Mit einem Festakt wurde die 18. Internationale Buchmesse in Havanna am Donnerstag abend eröffnet. Das bedeutendste kubanische Kulturfestival findet in der historischen Festung Fortaleza de San Carlos de La Cabaña statt. Der Schwerpunkt ist Chile, dessen Präsidentin Michelle Bachelet gemeinsam mit dem kubanischen Staatschef Raúl Castro an der Zeremonie teilnahm.

    In ihrer Rede unterstrich Bachelet die engen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die Ausstellungen, Ehrungen und Lesungen chilenischer Künstler und Autoren auf der Messe seien hierzu ein Beitrag. Die Werke von Pablo Neruda, Gabriela Mistral oder Victor Jara stünden für Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen im Kampf um eine gerechtere Gesellschaft sowie für das »intellektuelle Überleben« während der Pinochet-Diktatur. Der kulturelle Austausch zwischen Chile und Kuba solle einer besseren und humaneren Zukunft dienen.

    Bei der Eröffnung wurden auch die beiden »Ehrenautoren« vorgestellt, die in diesem Jahr für ihr Lebenswerk gewürdigt werden. In einer Botschaft beschrieb die kubanische Poetin Fina Garcia Marruz das Lesen als Schlüssel für Herz und Verstand, um »gehen zu lernen«.

    Der Historiker Jorge Ibarra – einer der wichtigsten kubanischen Zeitgeschichtler – schilderte die Bedeutung der Unabhängigkeitskämpfe gegen das spanische Kolonialimperium für das gemeinsame historische Gedächnis und den fortwährenden Widerstandsgeist der Völker südlich des Rio Grande. Diese stünden heute vor der Aufgabe, gegen die Machenschaften des internationalen Finanzkapitals enger zusammenzustehen.

    Während der Messe wird auch die Casa de las Américas, das literaturwissenschaftliche Forschungszentrum für lateinamerikanische Literatur und Philosophie, besonders gewürdigt. Es war unmittelbar nach der Revolution 1959 gegründet worden.

    Kubas Kulturminister Abel Prieto sieht in der Messe einen Beleg dafür, daß die Revolution das fundamentale »Recht aller auf Kultur« verwirklicht habe. Die »Feria« sei ein einzigartiger Platz für die Begegnung zwischen Autoren und Publikum, für intellektuelle Bereicherung. Trotz der Einschränkungen nach der Hurrikankatastrophe werde die Messe wie auch schon in den Vorjahren in den 14 Provinzen des Landes eine Fortsetzung finden, hob Prieto hervor.

    Unter den Gästen auf der Plaza San Francisco befanden sich neben Vertretern der Aussteller aus mehr als fünfzig Ländern, führenden kubanischen Künstlern und zahlreichen Diplomaten auch die Kulturminister von Bolivien, Ecuador, Mexiko, Chile und Polen. An die Eröffnungsfeier schloß sich ein Rundgang durch den chilenischen Pavillon an, der unter dem Motto »Eine Umarmung zwischen zwei Völkern« steht. Am Freitag öffnete die Buchmesse ihre Tore für das breite Publikum. Sie geht bis zum 22. Februar. Es werden mehrere Zehntausend Besucher erwartet.

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    Bachelet: Schluß mit US-Blockade

    Vor einem Zusammentreffen mit Fidel Castro am Donnerstag abend nahe Havanna forderte Chiles Präsidentin Michelle Bachelet die USA auf, ihr 1962 verhängtes Handelsembargo gegen Kuba aufzuheben.

    Bachelet nannte dies während eines chilenisch-kubanischen Wirtschaftsforums als besonders dringlich angesichts der durch die Finanzkrise ausgelösten weltweiten Rezession. Zugleich forderte sie die Unternehmer ihres Landes zu verstärkten Investitionen in Kuba und einer Intensivierung der Handelsbeziehungen auf. Im Rahmen ihres Staatsbesuches, es war die erste Reise eines chilenischen Regierungschefs auf die Karibikinsel seit dem Besuch des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende 1972, wurden mehrere Abkommen über Kooperationen zwischen beiden Ländern in den Bereichen Kultur und Wirtschaft geschlossen. (jW)

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    Kultur für alle

    Peter Steiniger
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    Heute beginnt die 18. Internationale Buchmesse von Havanna. Diesjähriges Schwerpunktland ist Chile

    Mit einem festlichen Akt in der Fortaleza de San Carlos de La Cabaña fällt am heutigen Donnerstag der Startschuß für Kubas große Literaturmesse. Für zwei Wochen verwandelt sich die historische Festungsanlage, welche Havannas Hafeneinfahrt überragt, in einen Ausstellungs- und Festplatz. Unter ihrem traditionellen Motto »Leer es crecer« (Lesen heißt wachsen) wird die »Feria del libro« zum Anziehungspunkt für Zehntausende Besucherinnen und Besucher, bietet sie Bildung und Kultur für alle. Erneut werden Hunderte Verlage und Kulturinstitutionen aus Lateinamerika und aller Welt mit ihren Angeboten vertreten sein. Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler stellen sich auf Lesungen, Workshops oder in Seminaren dem Publikum. Außer dem geschriebenen Wort kommen Buchgrafik und Comics sowie Film und Fotografie zur Geltung. Neben inländischen Größen verleihen namhafte Intellektuelle wie der auch in Kuba populäre mexikanische Romancier Paco Ignacio Taibo II diesem Event seine besondere Ausstrahlung.

    An der Eröffnung der bereits 18.»Feria del libro« wird neben Kubas Präsident Raúl Castro die Staatschefin Chiles, Michelle Bachelet, teilnehmen. Bachelet hält sich zu einer offiziellen Visite auf der Karibikinsel auf. Die Republik Chile ist in diesem Jahr als »Ehrenland« der Veranstaltung geladen, was sich auch im Messeprogramm deutlich widerspiegelt. Neben der Vorstellung von aktueller Literatur des Andenstaates und Veranstaltungen zu den bereits in Kuba verlegten Werken chilenischer Autoren steht dabei der 1973 von General Pinochet niedergeputschte demokratisch-sozialistische Aufbruch unter Präsident Salvador Allende im Mittelpunkt. Die zentrale Exposi­tion steht unter dem Titel »Eine Hommage an das Volk Chiles«, weitere Ausstellungen sind dem Dichter Pablo Neruda und politischen Wandmalereien aus Chile gewidmet. Lesungen und Konzerte ehren und erinnern an die Sängerin Violeta Parra und den Liedermacher der Unidad Popular, Victor Jara.

    Neben dem Gastland Chile wird in diesem Jahr der Casa de las Américas besondere Ehrung zuteil. Unmittelbar nach der Revolution 1959 ins Leben gerufen, hat dieses literaturwissenschaftliche Forschungszentrum die lateinamerikanische Literatur und Philosophie insgesamt entscheidend mitgeprägt und gefördert. Es trug kräftig dazu bei, die von den USA betriebene Isolierung der »roten Insel« auf kulturpolitischem Gebiet ins Leere laufen zu lassen. Als Ehrenautoren werden die Poetin und Essayistin Fina Garcia Marruz und Jorge Ibarra als einer der bedeutendsten Zeitgeschichtler Kubas für ihr Lebenswerk gewürdigt.

    Mit seiner Buchmesse weist sich Kuba zum einen selbstbewußt als kulturell fortgeschritten und als echtes Leseland aus. Literatur und Film bieten, oft mit den Mitteln eines kritisch-ironischen Realismus, wichtige Anregungen für unverbrauchte gesellschaftliche Diskurse. In einer weltoffenen und lebensfrohen Atmosphäre bietet die »Feria« zudem ein Forum für öffentliche kulturpolitische Debatten über das Kuba im 51. Jahr nach der Revolution. Über ihren Zweck als Messeplatz hinaus erfüllt sie die Funktion eines multidisziplinären Kongresses. In Symposien werden etwa die neuere kubanische Geschichtsschreibung betrachtet oder die Entwicklung der Sozialwissenschaften bilanziert. Ein internationales Seminar widmet sich der globalen Finanzkrise und ihren Folgen für die Reform der Vereinten Nationen und den Auswirkungen auf die Entwicklungszusammenarbeit.

    Nach Havanna (bis zum 22. Februar) macht das Bücherfest noch bis zum 8. März in den anderen Provinzen Kubas Station. Aufgrund der durch die verheerenden Hurrikans im vorigen Sommer verursachten Schäden mußte die Anzahl der beteiligten Städte allerdings von 42 auf 16 deutlich reduziert werden.

    Die Tageszeitung junge Welt ist in Havanna im Rahmen einer Delegation des Berliner Büros Buchmesse Havanna vertreten. Thematischer Schwerpunkt dieser alternativen deutschen Präsenz ist eine Gegenüberstellung von Integrationsprozessen in Europa und Lateinamerika. Neben der Präsentation von Büchern linker Verlage und Informationen über die internationalistische Arbeit in Deutschland wird eine Extraausgabe der jungen Welt in spanischer Sprache an die Messebesucher verteilt. In einem speziellen Internettagebuch wird über die Höhepunkte und Erlebnisse während der »Feria« und Eindrücke aus dem kubanischen Alltag berichtet.
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    Chile im Mittelpunkt

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    Als offizielles Gastland der kubanischen Buchmesse ist in diesem Jahr die Republik Chile eingeladen. Zur Eröffnung in Havannas historischer Festung Fortaleza de San Carlos de La Cabaña wird Chiles Präsidentin, Michelle Bachelet, die Kuba vom 10. bis 13. Februar einen Staatsbesuch abstattet, erwartet.
    Namhafte Künstler und Intellektuelle aus dem Andenstaat werden auf der Buchmesse vertreten sein. Zwei Ausstellungen widmen sich dessen Geschichte und Kultur: «Eine Hommage an das Volk Chiles» sowie «100 Jahre El Peneca», welche diese traditionsreiche Kinderzeitschrift mit Verbreitung in ganz Lateinamerika würdigt.
    Auf der Messe werden verschiedene in Kuba verlegte Werke chilenischer Autoren präsentiert werden, darunter »Neruda und Kuba« von Vladimir Ferro, Volodia Teltelboims Arbeit über die Literaturnobelpreisträgerin Gabriela Mistral (»Gabriel Mistral, pública y secreta«) sowie »Víctor, un canto inconcluso« (Victor. Ein unvollendetes Lied) von Joan Jara über ihren von den Pinochet-Schergen 1973 ermordeten Mann, den Sänger der Unidad Popular, Victor Jara. Isabell Parra wird eine Biographie über ihre Mutter, der Folkloristin und bildenden Künsterlin Violeta Parra (1917-1967) vorstellen (»El libro mayor de Violeta Parra«).

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