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Italien

Führungswechsel bei Leonardo

Chef des größten italienischen Rüstungskonzerns abgesägt. Spekulationen über Hintergründe

Foto: IMAGO/ZUMA Press
Eigentlich ging es unter Roberto Cingolani bergauf. Warum wird er also nun gegangen? (Rom, 12.3.2026)

In Rom richtet sich die Aufmerksamkeit dieser Tage auf die von der Regierung Meloni angekündigte Entlassung von Roberto ­Cingolani, der bis Donnerstag vergangener Woche den italienischen Rüstungskonzern Leonardo führte. Einen klaren Grund dafür gibt es auf den ersten Blick nicht, denn unter Cingolani boomte das Geschäft: In den drei Jahren seiner Zeit als CEO verfünffachte sich der Aktienkurs und der Nettogewinn stieg um 91 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro.

Offiziell endet Cingolanis Amtszeit erst Anfang Mai. Statt ihn als Führungsperson des Konzerns zu bestätigen, sollten von der italienischen Regierung als Hauptaktionärin des Unternehmens Vorschläge für die Nachfolge präsentiert werden, wie zuerst die Financial Times (FT) berichtete. Der Schritt sorge für einige Verunsicherungen unter den Anlegern; schon die einige Tage zuvor erschienenen Berichte über den geplanten Schritt ließen den Aktienkurs um acht Prozent einbrechen. Am Freitag, nach der offiziellen Verkündung, sank er erneut um 2,7 Prozent.

Zwei anonyme Investoren fühlten sich brüskiert, wie sie gegenüber FT bekannten. Der Schritt sei »politisch« und habe »keine wirtschaftliche Grundlage«. Für den Rüstungskonzern, der zu den größten der EU zählt, kommt der Austausch an der Firmenspitze kurz nachdem Cingolani seinen Entwicklungsplan für die nächsten vier Jahre vorgestellt hatte. Kernstück dessen war der »Michelangelo Dome«, ein dem Namen nach an den israelischen »Iron Dome« angelehnter Raketenschutzschirm für NATO-Staaten. Dieser soll schon Ende des Jahres vom italienischen Militär vorgeführt werden. Das System soll die unterschiedlichen Sicherheitslösungen verschiedener Länder in den Bereichen Weltraum, Land, Luft und See mit Hilfe von künstlicher Intelligenz integrieren und koordinieren. Auch kooperierte Leonardo unter Cingolanis Führung mit Israel und lieferte Trainingsflugzeuge, Hubschrauber und elektronische Waffenkomponenten.

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Einige Beobachter bringen die Auswechslung der Leonardo-Führung mit den NATO-Austrittsdrohungen von US-Präsident Donald Trump in Verbindung. Cingolano galt als Vorreiter der Konsolidierung der zersplitterten europäischen Kriegsgüterbranche. Unter seiner Führung war Leonardo wichtige Kooperationen eingegangen, zum Beispiel mit Rheinmetall für den Bau deutsch-italienischer Panzer oder mit dem türkischen Drohnenhersteller Baykar. Hinzu kamen Kooperationsverträge mit Airbus und Thales über ein gemeinsames Satellitenunternehmen, das Elon Musks »Starlink« Konkurrenz machen soll. Nach dieser Lesart will die Regierung Meloni den launischen US-Präsidenten beruhigen und durch den Personalwechsel signalisieren, dass Italien sich weder ernsthaft von den USA unabhängig noch ihnen im Rüstungsbereich Konkurrenz machen will.

Die FT hingegen zitiert zwei Quellen aus Regierungskreisen, die als Grund für die jähe Absetzung Cingolanis dessen »proaktive« und »technokratische« Herangehensweise ausmachen. Demnach habe es Teile der Regierung in Rom irritiert, in welchem Maß der CEO die Lenkung der Firma in Eigenregie gestaltet habe. Die Politiker des Landes seien es gewohnt, deutlich mehr Einfluss auf staatlich kontrollierte Unternehmen ausüben zu können, als es unter dessen Führung bei Leonardo der Fall war.

Möglich ist auch, dass der Personalwechsel rüstungsstrategische Überlegungen der italienischen Regierung widerspiegelt. Favorisierter Nachfolger Cingolanis ist Lorenzo Mariani, der bei Leonardo bereits in einer hohen Position tätig war und zur Zeit Geschäftsführer des Raketensherstellers MBDA ist. MDBA ist ein europäischer Konzern, zu dessen Eigentümern neben Leonardo auch BAE Systems und Airbus gehören. Die Wahl Marianis könnte darauf hindeuten, dass Italien der Raketentechnik eine verstärkte strategische Bedeutung beimisst. Außerdem soll er die Integration von künstlicher Intelligenz in die Waffensysteme weiter vorantreiben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.04.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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