Iran erwägt Ende der Waffenruhe
Teheran. Iran erwägt nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars, aus der vereinbarten zweiwöchige Feuerpause mit den USA auszusteigen. Grund seien die anhaltenden israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon, berichtet Fars unter Berufung auf eine informierte Quelle.
Ungeachtet der Iran-Waffenruhe hat Israel nach Angaben seines Verteidigungsministers Israel Katz am Mittwoch Hunderte Mitglieder der Hisbollah im gesamten Libanon mit einem großangelegten Angriff überrascht. »Dies ist der schwerste Schlag, den die Hisbollah seit der Operation ›Beepers‹ erlitten hat«, sagte Katz dazu, wobei er sich auf von Israel organisierte Angriffe im Jahr 2024 bezog, bei denen Pager und Walkie-Talkies Hunderter Hisbollah-Mitglieder im Libanon per Fernzündung zur Explosion gebracht worden waren.
Die Hisbollah gilt als wichtigster Verbündeter Irans in der Region. Ein anonymer iranischer Militärvertreter drohte Israel mit weiteren Angriffen, sollte die Offensive gegen die Hisbollah weitergehen. Außerdem werde Öltankern die Fahrt durch die Straße von Hormus verweigert. Das widerspricht der vereinbarten Waffenruhe mit den USA.
Nach Einschätzung der iranischen Führung verstößt Israel mit seinen andauernden Angriffen auf die Hisbollah gegen die mit den USA abgestimmte Waffenruhe. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif hatte auf X geschrieben, dass die Feuerpause ausdrücklich auch für Libanon gelte. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu widersprach dem jedoch und meinte, der Waffenstillstand beziehe sich nur auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran – nicht aber auf Israels Einsatz gegen die Hisbollah.
Der zitierte iranische Militärvertreter deutet die Lage so, dass Teheran sich in seiner Vermutung bestätigt sieht: Entweder habe Washington keinen Einfluss auf Israels Regierung – oder das US-Zentralkommando Centcom dulde die israelischen Angriffe stillschweigend.
Nach pakistanischen Angaben von Mittwoch nachmittag sollen allerdings Delegationen der USA und des Irans bereits am Donnerstag zu Verhandlungen in Islamabad eintreffen. Die US-Delegation werde demnach von Vizepräsident J. D. Vance geleitet, die iranische von Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi, wie Reuters mitteilte. (dpa/AFP/Reuters/jW)
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