US-Präsident unter Zeitdruck
Von Knut Mellenthin
Donald Trump scheint immer lauter über den Einsatz von Bodentruppen gegen Iran nachzudenken. Die Washington Post tut so, als wisse sie es genauer als andere, und sprach am Sonnabend von »wochenlangen Bodenoperationen«, deren Ziele aber noch nicht feststünden. Es werde sich jedenfalls – den legendären namenlosen »Offiziellen« zufolge – nicht um eine großflächige Invasion handeln, sondern statt dessen über einzelne Vorstöße einer »Mischung aus Kräften für Spezialoperationen und konventionellen Infanterietruppen«.
Das reicht zwar für aktuell wirkende Schlagzeilen, aber ist trotzdem nicht mehr, als die englischsprachige Tageszeitung Times of Israel schon am Donnerstag berichtet hatte. Sie berief sich dabei ebenfalls auf zwei anonyme »Offizielle«, die aber immerhin als Vertreter von vermittelnden Ländern etwas genauer bezeichnet wurden. Beide sprachen davon, dass Trump dazu neige, eine Bodenoperation anzuordnen, und erwähnten in diesem Zusammenhang die Insel Kharg im Persischen Golf, die knapp 30 Kilometer vom Festland entfernt ist. Auf der 20 Quadratkilometer großen Insel befinden sich nach vorherrschenden Angaben ungefähr 90 Prozent der iranischen Erdölindustrie und -exportanlagen.
Trump verstand schon vor dem Krieg nicht, warum Iran nicht längst »kapituliert« hatte, obwohl er doch mehrmals mit Militärschlägen gedroht hatte, wie sein Chefunterhändler Steve Witkoff am 22. März an die Öffentlichkeit trug. Das Wechselspiel zwischen unberechenbaren Wahnsinn ausstrahlenden Vernichtungsankündigungen und scheinbar rationalen Äußerungen ist das, was Trump unter dem Erzwingen eines »Deals« versteht. Würden Bodenoperationen gegen die Islamische Republik nicht das Risiko hoher Verluste unter den US-Soldaten beinhalten, die Trump im eigenen Land noch schlechter aussehen ließen, hätte er sie längst angeordnet. So aber wirkt es, als stünde der Präsident unter Zeitdruck, weil die Produktion von modernen Luftabwehrsystemen mit dem Verbrauch nicht mithalten kann.
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Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (29. März 2026 um 21:23 Uhr)Man sollte zunächst festhalten, dass Donald Trump selbst keine militärische Erfahrung besitzt. Sein beruflicher Hintergrund liegt in der Immobilienbranche, nicht in strategischer oder militärischer Planung. Das bedeutet nicht automatisch, dass er keine Entscheidungen treffen kann – wohl aber, dass er in hohem Maße auf Berater angewiesen ist. Gerade deshalb wirkt die im Artikel angedeutete Dynamik problematisch: Militärische Entscheidungen unter Zeitdruck zu treffen, birgt erhebliche Risiken. Geschichte und Beispiele wie Vietnam zeigen, dass selbst militärisch überlegene Staaten in komplexen regionalen Konflikten scheitern können, wenn sie die Lage vor Ort unterschätzen. Im Fall Iran kommt hinzu, dass das Land geografisch, strategisch und möglicherweise auch asymmetrisch klar im Vorteil wäre. Eine begrenzte Bodenoperation – selbst wenn sie nicht als großflächige Invasion geplant ist – könnte schnell eskalieren und hohe Verluste nach sich ziehen. Die Vorstellung, politischen Druck oder Verhandlungen durch militärische Drohkulissen oder begrenzte Einsätze erzwingen zu können, erscheint daher fragwürdig. Gerade in einer so angespannten Region sollte Besonnenheit Vorrang vor kurzfristigem Handlungsdruck haben.
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