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Sackgasse

Der Krieg gegen Iran ist ins Stocken geraten

Foto: SOCIAL MEDIA/via REUTERS
Straßen in Flammen in Teheran nach Bombardierung von Öldepots (8.3.2026)

Nein, in der Rue de la Caque sitzen die Iran-Kriegshelden aus Washington und Jerusalem noch nicht, kommen aber auch nicht voran. Völlig ungeplant wehrt sich der Iran, bestimmt ohne zu fragen ein Oberhaupt, feuert trotz angeblicher Kopflosigkeit koordiniert Raketen und Drohnen, und dann macht auch noch der Ölpreis Mätzchen.

Die Aggressoren haben die Minimaldevise »rückwärts nimmer«, blasen daher die Backen auf. US-Kriegsminister Pete Hegseth am Dienstag: »Heute wird der intensivste Tag unserer Angriffe im Iran sein.« Also mehr Mädchenschulen, mehr Entsalzungsanlagen, mehr Treibstofflager bombardieren. Und Völkermörder Benjamin Netanjahu feiert, »dass wir ihnen mit den bisherigen Maßnahmen die Knochen brechen – und wir sind noch nicht fertig.« Die Weltöffentlichkeit wird das zur Kenntnis nehmen.

Nur der Oberkommandierende schwankt. Erst piesacken Trump am Montag Rekordölpreis und Börsenflattern, danach ruft er Wladimir Putin an, der ihm erzählt: Die Golfstaaten haben diesen Krieg satt. Das nötigt Mr. President, am späten Abend auf einem seiner Golfplätze zu erscheinen: »Es wird ziemlich schnell vorbei sein«, der Krieg sei nur »ein kurzer Ausflug«. Militärisch gesehen habe der Iran »nichts mehr übrig«. Heißt wohl: Der Goldliebhaber war kurz davor, den Sieg zu erklären. Irgendwas hielt ihn aber »wach«, also postete er mitten in der Nacht, der Iran solle die Straße von Hormus freigeben, und: »Das ist ein Geschenk der Vereinigten Staaten an China und an alle Staaten, die die Straße von Hormus stark nutzen.« In der Antike sagte Laokoon übers Trojanische Pferd: »Ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen.«

Zusammengefasst: Trump (und sein Vize) wollen nicht mehr so wie Netanjahu. Denn in selbstgewählten Sackgassen und Labyrinthen gibt es öfter Streit: Welcher Trottel ist falsch abgebogen? Aber da ist zum Glück noch Durchhaltestratege Friedrich Merz: »Je schneller das Mullah-Regime aufhört, desto schneller ist dieser Krieg beendet.« Und: »Die Amerikaner und die Israelis tun das auf ihre Weise.« Wenn bloß die Iraner nicht wären oder die Russen oder die Chinesen. Es ist fast wie 1945. Woher kommen die bloß alle?

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.03.2026, Seite 1, Ansichten

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→Leserbriefe
  • Reinhold Schramm aus Berlin 11. März 2026 um 20:00 Uhr
    Dienen die islamischen Revolutionsgarden des Irans auch als ein antiimperialistisches Vorbild für die fehlende Arbeiterklasse im kapitalfaschistischen Westen im 21. Jahrhundert? Es ist schon bemerkenswert, die aktuelle militärische Entschlossenheit und Widerstandsfähigkeit der Revolutionsgarden des schiitischen Islams des Irans. Vergleichbares hat es bisher beim Untergang und der relativ friedlichen Implosion des europäischen Realsozialismus nicht gegeben. Allenfalls beim rassistisch-ethnischen Bürgerkrieg und der nationalen Zerstörung Jugoslawiens und beim geheimdienstlichen Widerstand bei der Zerschlagung und der nationalen Zerstörung Rumäniens. Auch beim nationalen Folkloreverein der 200 000 Angehörigen der Kampfgruppen der Arbeiterklasse und des Ministeriums für Staatssicherheit der implodierten DDR rührte sich keinerlei Widerstand gegen den Anschluss ans westdeutsche Konsumparadies und das Quandtsche Schlaraffenland der deutschen Bourgeoisie.
  • Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus Berlin 11. März 2026 um 17:08 Uhr
    Aber die Weltöffentlichkeit kann was genau zur Kenntnis nehmen? Das ihr Präsentierte? Wobei erforderlich ist, dass ein maulfauler Wackelkasper überraschend und warum/wozu ins Flugzeug steigt, weil dort was genau Überraschendes verkündet werden musste, was hier nicht genauso unwichtig verkündet werden konnte? Da dachten viele: Herr Merz sollte mehrere Bundesvizekanzler haben! Und Vizebundeskanzlerinnen! Denn zwar trat Frau Prien vom zukünftigen Bundesmännerministerium dreieinhalb Wochen zu früh ans Tageslicht, doch: Warum auch nicht? (War noch zu lang hin bis zum 31. 3., oder?)
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