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Aus: Ausgabe vom 10.03.2026, Seite 1 / Ansichten

Linke mit Rückenwind

Parlamentswahlen in Kolumbien
Von Frederic Schnatterer
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Kolumbien darf mit Zuversicht den Präsidentschaftswahlen im Mai entgegensehen (Bogotá, 8.3.2026)

Das Ergebnis der Parlamentswahlen in Kolumbien am Sonntag gibt der Linken Rückenwind. Mehr als vier Millionen Personen stimmten für die Regierungspartei Pacto Histórico. Das sind so viele wie nie zuvor und damit auch mehr als vor vier Jahren. Damals gelang es später Gustavo Petro als erstem linken Kandidaten der Geschichte, in den Präsidentenpalast einzuziehen. Ende Mai entscheiden die Wählerinnen und Wähler, wer Petro als Staatschef beerben soll.

Der Sonntag hat gezeigt, dass der Kandidat des Pacto Histórico, Iván Cepeda, es Petro nachtun könnte. Einfach wird das nicht. Zwar ist der künftige Senat mehrheitlich progressiv zusammengesetzt. Doch auch der ultrarechte Centro Democrático von Expräsident Álvaro Uribe gewann Mandate hinzu. Die Vorwahl, die ebenfalls am Sonntag abgehalten wurde und aus der Paloma Valencia als deutliche Siegerin hervorging, wird dem Uribismus weiteren Aufschwung geben.

Damit tritt Valencia in direkte Konkurrenz zu Abelardo de la Espriella. Der Rechtsanwalt und Unternehmer, dessen Stil stark an den diktatorisch regierenden Präsidenten El Salvadors, Nayib Bukele, erinnert und der in Javier Milei aus Argentinien ein Vorbild sieht, war bislang als bedeutendster Widersacher von Cepeda gehandelt worden.

Die Spaltung der Rechten nutzt Cepeda, der praktisch alle Umfragen deutlich anführt. Jetzt muss es darum gehen, bereits in der ersten Wahlrunde zu gewinnen. Angesichts der rechten Mobilmachung gegen das linke Regierungsprojekt von Petro muss davon ausgegangen werden, dass sich die Rechte spätestens in einer Stichwahl gegen Cepeda vereinen wird. Sie wird alles dafür tun, einen erneuten Sieg der Linken zu verhindern – zumal in einem historisch rechtsregierten Land wie Kolumbien.

Im Rücken wird die Rechte dabei die US-Regierung unter Donald Trump haben. Wahlen der vergangenen Monate in Lateinamerika haben gezeigt, dass Washington in der Lage ist, entscheidend in Wahlkämpfe einzugreifen, um so Kandidaten durchzusetzen, die dem US-Präsidenten wohlgesinnt sind. Sollte es Cepeda gelingen, diesem Druck standzuhalten, wäre das nicht nur für Kolumbien eine gute Nachricht, sondern für die gesamte Region.

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