Das bejubelte Inferno
Von Jörg Tiedjen
Das sind ganz erstaunliche Erkenntnisse, mit denen die FAZ am Montag auf ihrer Internetseite aufwartete. Denn laut Aufmacherartikel sind viele Iraner »glücklich über diesen Krieg«. Das hat Reporterin Friederike Böge bei einem Besuch im Grenzgebiet herausgefunden. Dort befragte sie Iraner, die in die Türkei einreisen. Seltsam nur, dass auch Al-Dschasira auf die Idee kam, dort Stimmen zu sammeln. Die waren vergangene Woche ganz anders ausgefallen. Auf den Nenner gebracht, berichteten schockierte Iraner dem Sender aus Katar, dass die USA und Israel soeben dabei seien, ihre Heimat in Schutt und Asche zu legen.
Das bekümmert prominente Exiliraner wenig. Am Sonntag kommentierte die Journalistin Masih Alinejad auf X die US-amerikanisch-israelischen Angriffe auf Teheran, bei denen ein Öllager in Brand geschossen wurde und die Kanalisation in Flammen aufging, mit den Worten: »Überall Explosionen, und die Menschen sind verängstigt. Gleichzeitig hat die Islamische Republik das Internet abgeschaltet und Millionen Menschen im Dunkeln gelassen. Familien weltweit bangen um ihre Angehörigen. Stille, Angst und Leid – das erleben die einfachen Iraner heute Abend.« Es ist aber genau dieses Inferno, das iranische Oppositionelle wie Alinejad oder Schahsohn Reza Palavi seit Jahren herbeigebetet haben.
Apropos Pahlavi. Iran füllt die Medien, doch eine Perle wie der Streich zweier russischer Spaßvögel wird dem deutschen Publikum vorenthalten. So haben sich die beiden »Prankster« Vovan und Lexus gegenüber Pahlavi bei einem Videoanruf als Mitarbeiter von Bundeskanzler Friedrich Merz ausgegeben, wobei einer von ihnen als Hitler verkleidet war. Beide verkündeten die frohe Botschaft: »Unser Geheimdienst ist bereit, mit den Bombenangriffen zu beginnen, darunter auch Angriffe auf Ziele in Teheran und zur Unterstützung von Schlägen gegen das Regime in Teheran.« Pahlavi war zufrieden. Das stand jedenfalls in der spanischen Onlinezeitung El Independiente.
Das US-Portal The Grayzone legt derweil eine ganz eigene Fährte. Danach wurde Donald Trump vom FBI und Israel vorgegaukelt, dass hinter den im Wahlkampf und dann nochmals kurz nach Amtsantritt auf ihn verübten Attentaten oder Anschlagsversuchen angeblich der Iran stand und er immer noch im Fadenkreuz Teherans stehe. Deswegen sagte Trump nach der Tötung Ali Khameneis Reportern: »Wir haben ihn erledigt, bevor er uns erledigen konnte!«
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