Experte des Tages: Hudhaifa Al-Mashhadani
Von Nick Brauns
Ein Mann mit roter Kufiya habe versucht, ihn mit Gewalt vor eine einfahrende U-Bahn zu schubsen. Das behauptete Hudhaifa Al-Mashhadani, von der Berliner Politik mit Preisen ausgezeichneter Leiter der deutsch-arabischen Ibn-Khaldun-Sprachschule in Neukölln, im vergangenen November. Die Schule sei »ins Visier von radikalen Israel-Hassern« geraten, meldete die BZ damals, während Al-Mashhadani von einer geheimen »Armee der Gefährten Mohammeds« aus Islamisten, radikalen Linken und Grünen fabulierte. Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sicherte dem Schulleiter seine Solidarität zu.
Wie jetzt dem Tagesspiegel vorliegende Aufnahmen einer Überwachungskamera aus dem U-Bahnhof Rathaus Neukölln nahelegen, war der vermeintliche »Mordanschlag auf Islamismuskritiker« (FAZ) offenbar von selbigem erfunden. Zu sehen ist lediglich ein Mann, der Al-Mashhadani beim Einsteigen in einen Zug kurz auf die Schulter tippt. Die Polizei ermittelt laut dpa-Meldung vom Montag gegen den Schulleiter wegen falscher Verdächtigung, der sich nicht dazu äußern wolle.
Auch Al-Mashhadanis inzwischen gelöschte, doch ziemlich beeindruckende Vita auf der Website der Schule, die irakische und US-Studienabschlüsse, staatliche Tätigkeiten in der Terrorbekämpfung im Irak sowie für das US-Außenministerium in Afghanistan aufführt, scheint in Teilen erfunden zu sein, wie Recherchen der Taz nahelegen.
Ein Amt hat Al-Mashhadani nachweislich: Er gehört dem »Expertenbeirat« des Zera Institute an. Also jenes Vereins, der vergangenes Jahr bereits kurz nach Gründung vom Berliner Senat ohne erkennbare Expertise mal eben 390.000 Euro an Fördermitteln für Antisemitismusbekämpfung absahnte – vermittelt durch CDU-Parteifreunde von Zera-Leiterin Maral Salmassi. Und als Experte darin, die deutsche Staatsräson zum eigenen Vorteil auszunutzen, kann Al-Mashhadani in der Tat dienen.
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