P. Schneider tot
Der Schriftsteller Peter Schneider ist tot. Er starb bereits am Dienstag im Alter von 85 Jahren, wie der Verlag Kiepenheuer & Witsch am Mittwoch mitteilte. Schneider wurde in Lübeck geboren und wuchs in Freiburg im Breisgau auf. Während des Studiums zog er nach Westberlin. 1965 Redenschreiber im Wahlkampfteam Willy Brandts, radikalisierte sich Schneider politisch und war eine wichtige Figur der Berliner Studentenbewegung. Als Schriftsteller wurde er mit seiner Erzählung »Lenz« (1973) bekannt, die für die Generation der 68er zur identitätsstiftenden Lektüre wurde. Sie handelt nicht zuletzt von den Illusionen der Intellektuellen und Künstler über ihre Bedeutung in der Gesellschaft. Zwei Jahre später folgte »… schon bist du ein Verfassungsfeind«, nachdem er wegen des berüchtigten »Radikalenerlasses« nicht Lehrer werden durfte.
Statt im Schuldienst fand Schneider seinen Platz im Literaturbetrieb mit jeweils gefragten Themen. Als er längst arriviert war, erschien sein 68er-Erinnerungsbuch »Rebellion und Wahn« (2008), in dem er schrieb: »Es ist nötig (…), gegen selbsternannte Herren der Welt und eine feige oder übergeschnappte Obrigkeit zu rebellieren. Aber noch mehr Mut gehört dazu, gegen die Führer in der eigenen Gruppe aufzustehen und zu sagen: ›Ihr spinnt! Ihr seid verrückt geworden!‹ – wenn ebendies der Fall ist.« Verrückt war Schneider nicht geworden, nur weich. (pm)
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