Vorbildlicher Kanzler
Der deutsche Kanzler hat den Mann im Weißen Haus besucht, und als die Rede auf den Krieg gegen Iran kam, lederte der Präsident gegen Staaten, die nicht sofort Beifall klatschten und ausriefen: »Tolle Idee, Donald!«. Die Volte richtete sich gegen Großbritannien und vor allem Spanien. Die dortige Regierung fand gar nicht gut, dass Merz schwieg, als Trump Drohungen aussprach.
Die in Barcelona erscheinende La Vanguardia beklagt, wo Einigkeit der Staaten der EU beschworen werde, stünden in Wahrheit Positionen einander diametral gegenüber. »Die Rhetorik von Bundeskanzler Friedrich Merz, der sich von Anfang an auf die Seite Donald Trumps gestellt hat, hat nichts mit der Haltung von Pedro Sánchez gemein, der die Operation nicht nur kritisiert, sondern die Nutzung von US-Basen in Spanien für diese Angriffe abgelehnt hat.« In Barcelona macht man eine erschütternde Entdeckung: »Letztlich stellt jedes Land seine eigenen Interessen und Vorteile über eine gemeinsame Haltung.«
El Mundo aus Madrid erforscht ähnliche Abgründe, indes etwas anders nuanciert: »Dass Friedrich Merz unser Land bei Trump nicht verteidigte, sondern statt dessen betonte, es sei das einzige Land, das nicht am NATO-Ausgabenplan teilnehme, ist von großer Bedeutung. Spanien hat sich nicht nur von den USA, sondern auch von seinen europäischen Verbündeten distanziert.« Der Schuldige ist demnach die spanische Regierung.
Unter gar keinen Umständen aber der deutsche Kanzler, das weiß man bei der Rheinpfalz, bei der Ludwigsburger Kreiszeitung und selbstverständlich bei der FAZ. Das Blatt aus Ludwigshafen: »Merz schwieg. Und das war strategisch richtig (…) In vielen Familien gilt die goldene Regel ›Gestritten wird zu Hause‹ – also hinter verschlossenen Türen. Dieses Prinzip lässt sich auf Konflikte zwischen befreundeten Staaten übertragen.« Vielleicht sollte man den Rheinpfälzern mal hinterbringen, dass Staaten keine Freundschaften pflegen. Die Zeitung aus dem Schwabenland fährt fort: »Gewiss muss Merz deutlich machen, dass er an der Seite seiner Partner steht. Doch nicht unbedingt auf der großen Bühne des Oval Office. Zumal Spanien sich seit geraumer Zeit nicht als Inbegriff gelebter Solidarität präsentiert, wenn es etwa um die kollektive Sicherheit geht.«
Sorry Spanier, aber so geht’s nicht, dafür aber so: Der Kanzler ist nämlich einer, »dem Trump zuhört. Dieses Privileg hat Merz sich erarbeitet, nicht nur mit Bauchpinselei, sondern auch mit« – Kriecherei? – ach Quatsch: »Standfestigkeit«. Davon sollte sich Sánchez mal eine Scheibe abschneiden. (brat)
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