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Aus: Ausgabe vom 06.03.2026, Seite 1 / Ansichten

Doppelter Torpedotreffer

Indien und die ­Versenkung der ­»Dena«
Von Jörg Tiedjen
Sri Lanka Iran Warship.jpg
Nach dem SOS der »Dana« kam Sri Lankas Marine zu Hilfe. Viele Seeleute konnten nur noch tot geborgen werden (Galle, 4.3.2026)

Indiens Glaubwürdigkeit zeigt tiefe Risse. Neu-Delhi muss sich fragen lassen, warum es die Versenkung der iranischen Fregatte »Dena« am Mittwoch durch ein U-Boot der US-Marine nicht verhindert hat. »Washington mag die Torpedierung als legitime Kriegsmaßnahme gegen ein feindliches Schiff betrachten«, schreibt der indische Sicherheitsexperte Brahma Chellaney auf X. »Aber aus Sicht Neu-Delhis war es ein unfreundlicher Akt, der Indiens Diplomatie, den Einfluss des Landes und seinen Anspruch auf eine regionale maritime Führungsrolle untergräbt.« Vor dem Angriff hatte die »Dena« nämlich auf Einladung der indischen Navy an deren Manöver »Milan 2026« teilgenommen. Die USA wiederum hatten ihre Beteiligung in letzter Minute zurückgezogen – »wahrscheinlich in der Absicht, die ›Dena‹ später zu versenken«, wie Indiens Exaußenminister Kanwal Sibal auf X vermutet.

Der iranische Außenamtschef Abbas Araghtschi verzichtete auf Vorwürfe an Neu-Delhi, als er am Donnerstag ankündigte, dass die USA »ihre Greueltat bitter bereuen« würden. Schließlich geschah der Angriff nicht nur ohne Vorwarnung 2.500 Kilometer vom Iran entfernt und traf ein Schiff, das laut Protokoll der Marineübung und entsprechenden Medienberichten keine Munition mit sich führte, also schutzlos war. Auch hat das US-U-Boot keinerlei Anstrengungen zur Rettung der Schiffbrüchigen unternommen, wozu es nach internationalem Recht verpflichtet gewesen wäre. Es war die Marine Sri Lankas, die den Überlebenden zu Hilfe kam und 37 von circa 180 Besatzungsmitgliedern barg.

Allerdings hat Indiens hindunationalistischer Premierminister Narendra Modi dieses Jahr schon mehrfach die traditionell »blockfreie« Politik seines Landes konterkariert. So protestieren seit dem im Januar mit den USA geschlossenen, für Indien bei näherer Betrachtung nachteiligen Handelsvertrag die Bauern, da sie um ihre Existenz fürchten. Nicht zuletzt hat Modi mit seinem Freundschaftsbesuch bei seinem israelischen Amtskollegen Benjamin Netanjahu im Februar Indiens Ansehen im globalen Süden beschädigt, in dem es doch neben China eine Führungsrolle beansprucht. Was bleibt, ist statt dessen der Eindruck eines hilflosen Büttels der imperialistischen Kräfte.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (6. März 2026 um 10:10 Uhr)
    Der Artikel von Jörg Tiedjen offenbart für mich vor allem eines: die zunehmende Instrumentalisierung internationaler Zwischenfälle für geopolitische Narrative. Indien wird dabei wahlweise als gescheiterte Regionalmacht oder als willfähriger Erfüllungsgehilfe fremder Interessen dargestellt – Deutungen, die weniger auf gesicherten Fakten als auf politischen Vorannahmen beruhen. Solche Zuschreibungen mögen ideologisch befriedigend sein, tragen jedoch kaum zu einer nüchternen Analyse der tatsächlichen Machtverhältnisse und Verantwortlichkeiten bei. Gerade deshalb wäre Zurückhaltung im Urteil angebracht. Wer aus einem unübersichtlichen militärischen Zwischenfall sofort eine moralische Abrechnung mit der Außenpolitik eines ganzen Staates konstruiert, ersetzt Analyse durch politische Polemik – und trägt damit eher zur Eskalation der Debatte bei als zu ihrer Aufklärung.

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