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Aus: Ausgabe vom 05.03.2026, Seite 2 / Ansichten

Das Recht auf Urlaub

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Urlaubsdestination unter Beschuss. Thunder in Paradise. Seitdem die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran losgetreten haben, stehen die Golfdespotien vor Problemen, denn die angegriffenen Mullahs gehen all in und attackieren diese Länder mit Raketen. Geht das noch lange so, könnte damit deren bisheriges Geschäftsmodell ruiniert werden. Dazu gehört nach der Förderung von Erdöl und Erdgas seit einiger Zeit auch der Tourismus.

Womit die Probleme so mancher deutscher Staatsbürger aufgerufen sind. 30.000 deutsche Urlauber stecken in der Region fest, und schwer vorstellbar, dass ein größerer Teil von ihnen ein paar aufregende Tage in Bagdad verbringen wollte. Eine zahlungskräftige Klientel, die mal eben fürs verlängerte Wochenende rübergejettet ist, als der Krieg wie eine Naturkatastrophe völlig unvorhersehbar über sie hinweggebrochen ist, kommt jetzt nicht raus aus Dubai und Abu Dhabi. Da soll jetzt der deutsche Staat helfen.

Gossengoethes Nachfolger bei Bild erinnert den Außenminister, der zunächst nicht evakuieren wollte, an eine simple, weltweit gültige Wahrheit: »Even german lives matter.« Zumindest solche mit dem dickeren Portemonnaie.

Arbeitet sich Harald Martenstein noch an Johann Wadephul ab, bleibt Monika Maier-Albang in der Süddeutschen Zeitung nüchterner: »Soll die Bundesregierung die Gestrandeten zurückholen? Ja, das sollte sie (…). Die Urlauber haben sich nicht fahrlässig in diese Situation begeben. Sie sind nicht in ein Bürgerkriegsgebiet gereist, nicht in ein Land, für das das Auswärtige Amt bereits eine Reisewarnung ausgegeben hatte.«

Das sieht man bei der FAZ aber ein bisschen anders. Der Krieg habe sich wochenlang abgezeichnet, der Iran seine Reaktionen angekündigt. »Wie weltfremd, ja blauäugig muss man sein, dass man trotz allem an einer Pauschalreise in diese Region festhält?« Wer über »gesunden Menschenverstand« verfüge, benötige keine Reisewarnung. Oder anders gesagt: »Wer meint, in einer Krisenregion Urlaub machen zu müssen, und sich dabei vom Dubailuxus blenden lässt, der muss dann auch mit dem Risiko leben, dass ihn die Realität einholt.«

Philip Eppelsheim dürfte sich mit dieser Meinung unter jenen Deutschen, und derer sind sehr viele, die nicht mehr mit dem Panzer, sondern mit dem Urlaubsjet in andere Länder einfallen, kaum Freunde machen. Worum es wirklich geht, hat Hans Zippert in der Welt aufgeschrieben: Die Vereinigten Staaten sind »eindeutig zu weit gegangen, Krieg darf niemals dazu führen, dass Menschen in der Ausübung ihrer Urlaubsrechte eingeschränkt werden«. (brat)

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