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Aus: Ausgabe vom 05.03.2026, Seite 3 / Ansichten

Retter des Tages: Sebastian Czaja

Von Max Ongsiek
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Prophetie auf dem Plakat: Trotz Wahlwerbung verpasste die FDP bei der vergangenen Berliner Abgeordnetenhauswahl den Einzug ins Landesparlament (Berlin, 9.2.2023)

Ein beliebtes Stilmittel mittelmäßiger B-Movie-Regisseure in Westernfilmen: die Kavallerie, die stets am Ende des Streifens als letzte Rettung den Siedlern zur Hilfe kommt, nachdem diese von sich zur Wehr setzenden Indianern umzingelt worden sind. Als eine solche Rettung in letzter Minute sieht sich wohl auch Sebastian Czaja. Der stellvertretende FDP-Landeschef ist aus seiner Partei ausgetreten, um für das »bürgerliche Lager« Kai Wegners (CDU) im anstehenden Berliner Abgeordnetenhaus-Wahlkampf die Werbetrommel zu rühren. Denn: Ein »Linksblock« stünde kurz vor der Machtübernahme, ließ er sich vom Revolverblatt Bild am Dienstag abend zitieren. Das gefährde den »Wirtschaftsstandort« Berlin und führe zu »antisemitischer Politik«, warnte Czaja. Dem Kavallerie-Colonel ist klar: Die »Roten« bedrohen die Wagenburg.

Der Bruder des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Mario Czaja ist hauptsächlich bekannt als der Spitzenkandidat der FDP, der bei den letzten Abgeordnetenhauswahlen mit seiner damaligen Partei ein blamables Ergebnis von 4,6 Prozent einfuhr und aus dem Landesparlament flog. Anschließend versuchte er sich als Kapitalist und gründete eine Firma.

Angesichts des plötzlichen Parteiaustritts steht die Frage im Raum, was wohl für Czaja herausspringt, wenn er für Wegner Wahlkampf macht. Schließlich hatte er den Regierenden Bürgermeister im November 2025 in Springers B. Z. noch einen »Linken« geschimpft. Vielleicht schluckt er die Wegner-Kröte für ein Pöstchen?

Scheitern würde die FDP sowieso wieder an der Fünfprozenthürde. Eine jüngst veröffentlichte Wahlumfrage des Instituts prognostizierte erneut vier Prozent. Da bietet es sich an, ins CDU-Lager zu wechseln. Das kennt Czaja nicht nur wegen seiner verwandtschaftlichen Beziehungen gut. Schließlich war er als politischer Jungspund selbst CDU-Mitglied, ehe er in die FDP eintrat.

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