Krieg und Ölpreise
Von Knut Mellenthin
Vor dem Hintergrund des gemeinsamen Angriffs der USA und Israels gegen Iran reagierten die Börsen am Montag weltweit mit einem Anstieg der Ölpreise. Die frühesten Notierungen wurden aufgrund der Zeitverschiebung aus Ostasien bekannt. Die international wichtigste Marke Brent Nordsee, die am Freitag durchschnittlich bei 73 US-Dollar pro Barrel gelegen hatte, notierte kurzzeitig bei über 82 Dollar pro Barrel, was einem Anstieg um maximal 13 Prozent entsprach, bevor der Kurs ruhiger wurde und mittags europäischer Zeit leicht über 78 Dollar lag.
Noch stärker, um anfangs 17 Prozent, erhöhten sich die Dieselpreise. Die Branche sieht die wichtigsten Gründe für den Unterschied in der besonders großen Bedeutung von Dieselöl für die militärische Logistik und darin, dass Diesel das am schwersten durch Alternativen zu ersetzende Erdölprodukt ist.
Auf die Preisentwicklung wirkt sich im gegenwärtigen Anfangsstadium des Krieges deutlich aus, dass Iran die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman – und weiter zum Arabischen Meer und zum Pazifik – für »geschlossen« erklärt hat. Auf diesem Seeweg wird ungefähr ein Fünftel des Welthandels mit Erdöl und Erdgas abgewickelt. Für zwei der größten Importländer dieser Rohstoffe, Indien und China, ist der Anteil sogar noch weit höher. Eine effektive, längere Zeit dauernde Schließung der Straße von Hormus würde sie daher besonders schwer treffen. Aus Indien kommen in diesem Zusammenhang Meldungen, dass über eine Aufstockung der Erdölimporte aus Russland diskutiert werde. Die indische Regierung hatte sich erst vor wenigen Monaten von der Trump-Administration zu einer signifikanten Reduzierung dieser Lieferungen drängen und locken lassen.
Seit Gründung der Islamischen Republik 1979, der Verstetigung und Ausweitung der westlichen Sanktionen und der ständigen Geräuschkulisse von Kriegsdrohungen der USA und Israels wird im Iran bei jeder größeren Krise eine Schließung der Straße von Hormus ins Spiel gebracht. Ernsthaft praktiziert wurde sie aber seit Beendigung des irakischen Aggressionskrieges 1988 kein einziges Mal.
Im technischen Sinn, also durch Verminung und eine große Präsenz von Kriegsschiffen, ist die Meerenge auch jetzt nicht geschlossen. Doch die iranische Aufforderung an die internationale Seefahrt, die Straße von Hormus nicht zu durchfahren, zeigt Wirkung. Es gab auch schon mehrere iranische Angriffe auf Schiffe. Die Durchfahrt ist – nach nur drei Kriegstagen – zwar (noch) nicht vollständig zum Erliegen gekommen, aber stark reduziert. Am Sonntag hieß es, der Schiffsverkehr sei um 40 bis 50 Prozent gesunken. Bei großen Öltankern ist der Rückgang aber als erheblich einschneidender anzunehmen. An den Zugängen zur Meeresstraße haben sich große Ansammlungen von Tankern und Frachtschiffen gebildet.
In diesem Zusammenhang kann eine Maßnahme der acht wichtigsten Staaten der Arbeitsgemeinschaft »OPEC plus« gesehen werden: Saudi-Arabien, Russland, Irak, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Kasachstan, Algerien und Oman vereinbarten am Sonntag in einer Videokonferenz, ihre Fördermenge im April um 206.000 Barrel pro Tag zu steigern. Das ist, gemessen an einer globalen Erdölproduktion zwischen 106 und 108 Millionen Barrel pro Tag, zwar keine relevante Menge, aber ein politisches Signal. Der am Sonnabend begonnene Aggressionskrieg der USA und Israels gegen Iran wird in der Presseerklärung der acht Staaten zu ihrer Entscheidung allerdings nicht erwähnt.
Noch lässt sich nicht voraussagen, wie lange dieser Krieg dauern wird. Donald Trump sprach am Sonntag von vier Wochen. Kommerzielle Beobachter von Firmen wie Goldman Sachs, Wood Mackenzie und Citigroup rechnen mit einem Anstieg der Ölpreise auf mehr als 100 Dollar pro Barrel, wenn der Handelsschiffsverkehr durch die Meerenge von Hormus nicht rasch wiederaufgenommen wird.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (3. März 2026 um 13:28 Uhr)Ist es nicht verblüffend, dass die Tankstellenpreise steigen, obwohl die Konzerne noch immer das vor Monaten billig eingekaufte Öl vermarkten? Manch einer sitzt weitab vom Schuss und wird dennoch zum Gewinner des Krieges.
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Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (3. März 2026 um 21:08 Uhr)Ölhändler erhöhen die Preise sofort, nicht weil ihr aktueller Bestand teurer war, sondern weil sie sich das künftig teurere Öl leisten müssen. Der Marktpreis richtet sich nach den erwarteten Wiederbeschaffungskosten – nicht nach dem historischen Einkaufspreis.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld (3. März 2026 um 08:50 Uhr)Und was macht Deutschland? Bundeswirtschaftsministerin Reiche zuckt mit den Schultern und sagt (sinngemäß): Dann kaufen wir eben mehr Öl aus den USA. Öl, welches dem Machthaber in Washington, diesem Regime, die Kriegskasse füllt. Und dazu vielleicht auch noch aus Venezuela stammt, also dort »geklaut« wurde. Und dabei hätten wir günstiges Öl nahezu vor der Haustür. Aber das ist den Herrschaften in der Bundesregierung egal – sie bezahlen den Sprit nicht, den sie verbrauchen. Das alles bezahlt der deutsche Michel mit den Steuern, die er abdrückt. Und dazu kommen dann noch unbezahlbare Preise an den Tankstellen. Dann kommen die steigenden Transportkosten, die sich mit Sicherheit auf die Preise des täglichen Bedarfs niederschlagen. »Spitzenökonomen« sprechen von einer steigenden Inflationsrate auf über drei Prozent! Leute – merkt ihr noch was? Es gibt nur eine Chance – weg mit dieser Regierung, die uns und unser Leben verkauft! Und wir brauchen vernünftige Beziehungen zu allen Ländern und keinen erneuten Kolonialismus, wir brauchen keine schmutzige Außenpolitik – wir brauchen endlich wieder Diplomaten, die auch wissen, was Diplomatie bedeutet.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (3. März 2026 um 12:29 Uhr)Ein Regime Change wird wohl nicht reichen, oder soll es Wandel durch Handel sein?
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