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Aus: Ausgabe vom 18.02.2026, Seite 2 / Inland
Monopolist Microsoft

Wieso sind diese Lizenzen ein Sicherheitsrisiko?

Kommunen sollten nach Alternativen zu Microsoft-Produkten suchen, empfehlen Samuel Rothberger und Sebastian Heck
Interview: Kristian Stemmler
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Die partei Die Linke wirft der Stadt Rendsburg mangelnde Transparenz beim Thema Microsoft-Lizenzen vor. Worum geht es in diesem Fall?

Samuel Rothberger: Ich habe in der Rendsburger Ratsversammlung am 11. Dezember 2025 eine Anfrage gestellt, in der ich nach den Kosten für Microsoft-Lizenzen gefragt habe. Diese sollten nach MS Office und MS Windows sowie nach deren Einsatzbereichen – Verwaltung und Schulen – aufgeschlüsselt werden. Die Verwaltung erklärte, dass sie hierfür Zeit benötige – dafür habe ich Verständnis – und dass die Antwort am 5. Februar 2026 gegeben werde, allerdings nur nichtöffentlich im Senat, dem Hauptausschuss der Stadt Rendsburg.

Können Sie den Hinweis der Stadt auf Sicherheitsbedenken nachvollziehen?

S. R.: Das kann ich nicht nachvollziehen. Es wurden ausschließlich Gesamtsummen für die Lizenzen abgefragt. Es ist bekannt, dass Microsoft verschiedene Preismodelle für diese Lizenzen anbietet. Die Preise hängen unter anderem von Mengenrabatten und dem Serviceniveau ab. Ein Rückschluss auf die Anzahl der Lizenzen oder weitergehende Erkenntnisse über die IT-Infrastruktur sind daraus nicht möglich. Sicherheitsrelevante Informationen wie Versionsnummern oder der serverseitige Einsatz weiterer Software waren nicht Gegenstand der Anfrage.

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist eine vergleichbare Anfrage beantwortet worden. Wieso ging das dort?

Sebastian Heck: Bei der Anfrage an die Kreisverwaltung hatte ich mich spezifisch auf Microsoft Office konzentriert, da zu diesem Zeitpunkt der Chefankläger des Internationalen Gerichtshofs, Karim Khan, durch politisch motivierte Sanktionen der USA von der Nutzung von Produkten der Firma Microsoft ausgeschlossen wurde. Ansonsten war die Frage die gleiche: Was gibt die Verwaltung für Microsoft-Produkte aus? Einen inhaltlichen Unterschied erkenne ich nicht.

Sie haben auf Alternativen zu Microsoft verwiesen. Wie sehen diese aus, und wieviel Geld kann damit eingespart werden?

S. R.: Der Kreis gab im Jahr 2025 mehr als eine halbe Million Euro für Microsoft-Lizenzen aus. Bei der Stadt Rendsburg dürften die Kosten ähnlich hoch, möglicherweise sogar noch höher sein, da die Stadt mehr Schulen in ihrer Trägerschaft hat. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt Rendsburg ist es wichtig, nach Einsparpotentialen zu suchen. Es ist sinnvoller, hier Einsparungen vorzunehmen, als im sozialen Bereich zu kürzen. Zwar entstehen bei einem Umstieg zunächst auch Kosten, zum Beispiel für Schulungen oder die Entwicklung neuer Schnittstellen. Mittelfristig dürften sich diese Kosten jedoch amortisieren.

Warum können Microsoft-Lizenzen für Kommunen zum Problem werden?

S. R.: Es gibt zahlreiche geopolitische Risiken – nicht erst seit der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump sind diese erkennbar. So wurden bereits E-Mail-Konten, die auf Microsoft Exchange basieren, beim Internationalen Gerichtshof abgeschaltet. Solche Abschaltungen sind auch für Kommunen in Deutschland denkbar. Ich halte es daher für wichtig, dass sich Kommunen so weit wie möglich von großen internationalen IT-Konzernen unabhängig machen.

Schleswig-Holstein gilt als führend beim Umstieg von Microsoft-Produkten auf Open-Source-Software.

S. H.: Das Land gilt bundesweit zu Recht als Vorreiter in diesem Bereich. Es hat hier zum Beispiel die entsprechenden Vorarbeiten übernommen und führt diese im Open-Desk-Projekt weiter. Wie bei jedem Wechsel von IT-Systemen gab es auch hier Probleme, die die Beschäftigten besonders belastet haben. Diese Belastungen einzuplanen, aufzufangen und bei Problemen schnell Abhilfe zu schaffen – dafür trägt die Politik die Verantwortung.

Der Weg ist der richtige. Man muss ihn jedoch mutiger beschreiten: Auch Kommunen müssen hier in die Planung und Umsetzung gehen. Das Land seinerseits muss Hilfestellung leisten – sei es, indem chronisch unterfinanzierten Kommunen Mittel bereitgestellt werden oder indem das Land auch EfA-Lösungen, »Einer für alle«, unentgeltlich zur Verfügung stellt.

Samuel Rothberger ist Webentwickler und für die Partei Die Linke Mitglied in der Rendsburger Ratsversammlung

Sebastian Heck ist IT-Berater und Sprecher des Kreisverbandes von Die Linke in Rendsburg-Eckernförde

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