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11.02.2026, 18:16:14 / Ausland

NATO startet Einsatz in Grönland

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Sollen zukünftig von NATO-Soldaten unterstützt werden – Dänische Soldaten gemeinsam mit Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt und dem dänischen Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen (31.1.2026)

Brüssel. Die NATO erhöht ihre Militärpräsenz in Grönland. Wie Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich ankündigte, hat die Kriegsallianz dazu ihren Einsatz namens »Arctic Sentry« (deutsch etwa: Wächter der Arktis) gestartet. Verbessert werden soll demnach die Überwachung der riesigen Eisinsel und die Abschreckung Russlands und Chinas. Ziel sei die Absicherung eines der strategisch bedeutendsten und zugleich klimatisch herausforderndsten Gebiete, erklärte der US-General.

Deutschland wird sich nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius im ersten Schritt mit vier Kampfjets vom Typ »Eurofighter« an dem neuen NATO-Einsatz beteiligen. Zudem sollten Kapazitäten zur Luftbetankung zur Verfügung gestellt werden, sagte der SPD-Politiker am Rande eines EU-Verteidigungsministertreffens in Brüssel. Dies könnten etwa Flugzeuge vom Typ A400M sein.

Die Arktis und der hohe Norden spielten für die Sicherheit Europas und Nordamerikas eine große Rolle, sagte Pistorius. Vor allem die sogenannte Giuk-Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien habe eine zentrale Bedeutung für die Schifffahrtswege in den Nordatlantik und darüber hinaus – auch für russische U-Boote.

Die verstärkte Präsenz von NATO-Truppen im hohen Norden war von Alliierten wie Großbritannien angeregt worden, um den Streit um Grönland zu entschärfen. In diesem hatte US-Präsident Donald Trump zeitweise mit Strafzolldrohungen einen Verkauf der riesigen Insel an sein Land erzwingen wollen. Sein Vorgehen begründete er mit der Behauptung, dass das zu Dänemark gehörende Territorium sonst nicht vor Russland und China sicher sei. Grönland ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.

Zuletzt teilte Trump dann nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, dass ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktis-Region entworfen worden sei. Dieser sehe unter anderem vor, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der NATO-Mitglieder zu gewährleisten, insbesondere durch das der sieben arktischen Mitgliedstaaten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.

Angaben aus NATO-Kreisen zufolge sollen die USA zudem ihre Militärpräsenz auf Grönland ausweiten dürfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht über bestimmte Investitionen auf der rohstoffreichen Arktisinsel bekommen.

»Arctic Sentry« soll vom operativen Hauptquartier Norfolk im US-Bundesstaat Virginia geführt werden. Dieses ist unter anderem für den Atlantik, die Arktis, Grönland, Island, Norwegen und Großbritannien sowie seit Kurzem auch Dänemark, Schweden und Finnland zuständig. (dpa/jW)

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