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Aus: Ausgabe vom 19.02.2026, Seite 10 / Feuilleton
Comic

Die verliebte Sekretärin

»Rififi in Ménilmontant« – Jacques Tardis jüngste Comicadaption aus der Krimireihe »Nestor Burma« von Leo Malet
Von Marc Hieronimus
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Schnüffler Nestor Burma und die Mörderin

Jacques Tardi (*1946) zeichnet seit gut fünfzig Jahren in seinem unverkennbaren Stil von groben Gesichtszügen und feinen Hintergründen. Dem deutschen Comicpublikum muss man ihn nicht mehr vorstellen. Es macht aber Spaß! Die von ihm selbst entworfene Kolportagecomicserie »Adèle Blanc-Sec« wurde hier anlässlich einer Neuausgabe bereits besprochen.

Meist arbeitet Tardi mit historischen oder Romanvorlagen, hat etwa Jean Vautrins Darstellung der Pariser Kommune zum Comic gemacht (»Die Macht des Volkes«), zwei von Didier Daneinckx’ Romanen umgesetzt (»Den letzten beißen die Hunde«, »Soldat Varlot«), mit Hilfe des Historikers Jean-Pierre Verney die Grauen des Ersten Weltkriegs detailgetreu dargestellt (»Grabenkrieg«) und sich in »Stalag IIb« auch dem Zweiten Weltkrieg gewidmet – lauter Lehrmaterial für Kriegsgegner, das leider nicht veraltet.

Tardis Blick und seine Sympathie gelten nie den Befehlshabern und Vertretern der Staatsmacht, immer den »kleinen« Menschen und nicht zuletzt den Tieren. Von Léo Malets klassischer Krimiserie »Nestor Burma« (1943–1983) hat er bislang 13 Romane adaptiert. Der nun erschienene Band »Rififi in Ménilmontant« ist in Frankreich als (bereits sechster) Sonderband gelistet, weil Tardi mit Malets Figuren – der Privatdetektiv, die in ihn verliebte Sekretärin Hélène, Kommissar Faroux usw. – eine eigene, etwas verworrene Geschichte um illegale Machenschaften in der Pharmaindustrie erzählt, die vom französischen Publikum trotz vieler schöner Stadtansichten und versteckter Promiportraits auch weniger gut angenommen wurde.

Schauplatz ist wie immer ein Pariser Arrondissement, hier das 20. im Jahre 1957. Eine wohlhabende hübsche Frau erwartet den Schnüffler in seinem Büro. Der bekämpft eine schwere Grippe mit Medikamenten der Firma Manchol. Überraschenderweise ist die Dame die Industriellengattin Manchol, Witwe, um genau zu sein, denn sie hat gerade ihren Mann erschossen. Sie gibt Burma Geld und den Auftrag, dessen schmutzige Geschäfte aufzudecken, dann bringt sie sich um.

Tardi: »Nestor Burma – Rififi in Ménilmontant«. Aus dem Französischen von ­Resel Rebirsch. Verlag Schreiber & Leser, Hamburg 2025, 200 Seiten, 29,80 Euro

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