Arundhati Roy sagt Teilnahme an Berlinale ab
Die indische Schriftstellerin und Drehbuchautorin Arundhati Roy sagte ihre Teilnahme an der Berlinale mit folgender, am Freitag im indischen Newsportal The Wire veröffentlichten Begründung ab:
»In Which Annie Gives It Those Ones«, ein skurriler Film, den ich vor 38 Jahren geschrieben habe, wurde ausgewählt, um im Rahmen der Sektion »Klassiker« bei der Berlinale 2026 gezeigt zu werden. Das hatte für mich etwas Schönes und Wunderbares.
Obwohl mich die Haltung der deutschen Regierung und verschiedener deutscher Kulturinstitutionen zu Palästina zutiefst beunruhigt hat, habe ich immer politische Solidarität erfahren, wenn ich vor deutschem Publikum über meine Ansichten zum Völkermord in Gaza gesprochen habe. Das hat es mir ermöglicht, über einen Besuch der Vorführung von »Annie« auf der Berlinale nachzudenken.
Heute morgen habe ich, wie Millionen Menschen auf der ganzen Welt, die unverschämten Äußerungen der Mitglieder der Jury der Berliner Filmfestspiele gehört, als sie gebeten wurden, sich zum Völkermord in Gaza zu äußern. Zu hören, dass Kunst nicht politisch sein sollte, ist schockierend. Damit wird eine Diskussion über ein Verbrechen gegen die Menschheit unterbunden, obwohl es sich gerade in Echtzeit vor unseren Augen abspielt – in einer Zeit, in der Künstler, Schriftsteller und Filmemacher alles in ihrer Macht Stehende tun sollten, um es zu stoppen.
Lassen Sie mich das klar sagen: Was in Gaza geschehen ist und weiterhin geschieht, ist ein Völkermord an den Palästinensern durch den Staat Israel. Er wird von den Regierungen der Vereinigten Staaten und Deutschlands sowie mehreren anderen Ländern in Europa unterstützt und finanziert, was sie zu Mittätern dieses Verbrechens macht.
Wenn die größten Filmemacher und Künstler unserer Zeit nicht aufstehen und dies sagen können, sollten sie wissen, dass die Geschichte über sie richten wird. Ich bin schockiert und empört.
Mit tiefem Bedauern muss ich sagen, dass ich nicht an der Berlinale teilnehmen werde.
Arundhati Roy
13. Februar 2026
Die Kampagne »NS-Verherrlichung stoppen« erklärte am Sonnabend zum »Tag der Ehre« in Budapest:
Am 14. Februar 2026 haben sich erneut Neonazis aus ganz Europa in Budapest versammelt, um am sogenannten Tag der Ehre an die in der Budapester Burg eingeschlossenen Wehrmachtssoldaten, Angehörigen der Waffen-SS und Pfeilkreuzler zu erinnern. Diese hatten im März 1944 versucht, den Belagerungsring der Roten Armee zu durchbrechen und zu entkommen. Dieses NS-Event wird seit 1997 alljährlich begangen, früher mit Fahnenappell und Fackelmarsch, heute mit einer geschichtsrevisionistischen internationalen Konferenz, Blood-&-Honour-Konzerten sowie der »Ausbruchs«-Wanderveranstaltung. Auch dieses Jahr marschierten Tausende Teilnehmende entlang der Strecke dieses Ausbruchsversuchs (…). Dazu Jona Gessner, Sprecherin der Kampagne »NS-Verherrlichung stoppen«:
»Die Analogie Antifaschismus gleich Terrorismus kennen wir schon, von Trump, von der AfD, aus rechten Medien bis hin zu bürgerlichen Parteien. Aber Antifaschismus ist kein Verbrechen. Antifa ist notwendige Gegenwehr und aufrechte Haltung gegenüber menschenverachtender faschistischer Ideologie, gegenüber bewaffneten Faschisten und gegenüber NS-Verherrlichung. (…)«
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