AfD-Jammer
Abseits des großen Bahnhofs am Bayerischen Hof beschäftigte Medien das Blubbern und Zischen in der Jauchegrube namens AfD, die zuletzt dadurch auffiel, dass sie die Vergabe von Posten im parlamentarischen Betrieb nach Art von Familienunternehmen oder wie im feudalen Lehnswesen be-, nämlich die eigene Verwandtschafts- und Blutsbande mit derlei gut dotierten Stellen versorgte. Das nährt auch in den eigenen Reihen den Verdacht, hier werden öffentliche Gelder in private Taschen umgeleitet, was das Image der Partei als saubere und integre Alternative zur Verkommenheit und Selbstbedienungsmentalität der »Altparteien« ganz schön ramponieren dürfte.
Stephan Löwenstein in der FAZ ist allerdings im Urteil eher milde, weiß, dass nichts Illegales vorliegt, und ahnt vielleicht, dass es andere Parteien ja tatsächlich kaum anders handhaben. Verständnisvoll heißt es da: »Die AfD ist in Wahlen schnell gewachsen. Aber jetzt hat sie die größten Schwierigkeiten, die Stellen zu besetzen, die sich daraus ergeben. Zumal mit Leuten, denen man vertraut. (…) Von außen Leute zu bekommen, ist schwer.« Soll wohl heißen, die arme Partei hatte einfach keine andere Wahl. Schuld ist sie indes selbst: »Es sind das eigene extreme Programm und das radikale Auftreten«, das Leute davon abhalten soll, sich auf entsprechende Stellen zu bewerben. Das mag glauben, wer will, angezeigt ist damit ein verstecktes Kooperationsangebot. Rüstet ein bisschen ab, dann habt ihr nicht nur kein Personalproblem mehr, sondern macht euch auch anständig genug, um die Bürgerkoalition mit den Unionsparteien eingehen zu können.
Ganz anders, beinahe antifaschistisch, Robin Alexander in der Welt. Den Nepotismus in der AfD nennt er treffend »eine geschlossene Wertschöpfungskette auf Staatskosten«. Im Mittelpunkt stehen aber Analyse und Kritik des vom sehr volksdeutschen Rumänen Hans-Thomas Tillschneider verfassten Wahlprogrammentwurfs der AfD in Sachsen-Anhalt. Der völkische Beobachter Tillschneider verlangt, was denn sonst: Remigration. Alexander empfiehlt zur Lektüre Brecht: »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui«.
Zuletzt beklagt Ronen Steinke in der Süddeutschen Zeitung die falschen Mittel im Einsatz gegen die AfD. Verbieten, Geldhahn zudrehen, Grundrechte einschränken. Hätte alles längst auf den Weg gebracht werden können. Dann würde die AfD nicht zu den bayerischen Kommunalwahlen antreten können und Björn Höcke keinen Wahlkampf für sie machen. Aber dann »aus Verzweiflung auf Um- und Schleichwege auszuweichen« und AfD-Veranstaltungen in öffentlichen Hallen zu untersagen, sei keine gute Idee. Denn Gerichte urteilen: Höcke darf reden. (brat)
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