Verkommene Idee des Tages: Ehe ab 14
Von Reinhard Lauterbach
Normalerweise gehört es ja zu den Prinzipien dieser Rubrik, Dinge aufzuspießen, die passiert sind. Heute einmal andersherum: Es geht um etwas, was mit Ach und Krach verhindert wurde. In der Ukraine. Dort arbeitet das Parlament an einer großen Reform des sogenannten Zivilgesetzbuches, darin eingeschlossen auch das Familienrecht. Es sollte unter anderem das Alter der Ehemündigkeit von den geltenden 16 auf 14 Jahre herabgesetzt werden, wenn die Mädchen schwanger sind. In praktisch allen EU-Staaten, an deren Vorbild sich die Ukraine bei ihren »Reformen« angeblich orientiert, ist die Ehemündigkeit an die rechtliche Volljährigkeit geknüpft und liegt damit bei 18 oder 19 Jahren. Der Plan löste in der ukrainischen Öffentlichkeit einen Sturm der Entrüstung aus und musste schließlich zurückgezogen werden. So weit, so gut.
Bleibt die Frage, welcher Teufel die Verfasser des ursprünglichen Entwurfes geritten hat, auf die Idee zu kommen, Kinderehen für zulässig zu erklären. Zwei Interessengruppen kommen in Frage. Die eine ist die in der Ukraine extrem staatstragende und den Krieg unterstützende Gruppe der Krimtataren, unter denen offenbar nicht wenige im Islamismus Trost über den Verlust ihrer Heimat gefunden haben. Sollte denen ein Türchen für Eheschließungen nach Scharia geöffnet werden? Denn im Islam beginnt die Ehefähigkeit eines Mädchens mit der ersten Menstruation. Oder, letztlich nicht so weit entfernt: Sollte da der nächsten Generation der Jeffrey Epsteins ein Reservoir an künftigen »Models« erschlossen werden? Wie auch immer: Es zeigt, auf welche Gedanken eine Staatsmacht kommt, der sonst nichts mehr geblieben ist: notfalls die Mädchen des »eigenen« Volkes auch in fremde Betten zu exportieren. Dann gebären sie zwar künftig nicht mehr unbedingt kleine Ukrainer, aber dafür fließen heute die Provisionen.
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