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Aus: Ausgabe vom 14.02.2026, Seite 7 / Ausland
»Unblock Cuba!«

Kontra gegen US-Blockade

Kuba im Würgegriff: Mexiko liefert humanitäre Güter, internationale Flottille startet Richtung Karibik. UN-Berichterstatter verurteilen Zwangsmaßnahmen
Von Volker Hermsdorf
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Solidarität am Horizont: Ein Schiff der mexikanischen Marine läuft am Donnerstag in Havanna ein

Während das Trump-Regime weiter versucht, Kubas Wirtschaft gnadenlos zu erdrosseln, um die Bevölkerung durch Mangel zu zermürben, wächst weltweit die politische und materielle Unterstützung für die Inselrepublik. Erste Hilfslieferungen aus Mexiko haben Havanna erreicht. Russland stellte Rohöl- und Treibstofflieferungen in Aussicht. Zudem kündigte eine internationale Flottille mit dem Namen »Nuestra América« an, Kurs auf Kuba zu nehmen, um humanitäre Hilfe zu bringen und die US-Blockade zu durchbrechen.

»Wir bereiten uns darauf vor, nach Kuba zu segeln – aus demselben Grund, aus dem wir mit einer Flottille nach Gaza gereist sind: die Blockade zu durchbrechen, Lebensmittel und Medikamente zu bringen und zu zeigen, dass Solidarität jede Grenze und jedes Meer überwinden kann«, erklärte David Adler, einer der Organisatoren. »Wenn Regierungen kollektive Bestrafungen verhängen, hat die einfache Bevölkerung die Verantwortung, zu handeln«, betonte der Aktivist, der sich als US-amerikanischer Jude bereits der Gazaflottille angeschlossen hatte.

Die für März geplante Seemission »Nuestra América« (Unser Amerika) – benannt nach dem Essay des kubanischen Nationalhelden José Martí – wird von einer Koalition sozialer Bewegungen, Gewerkschaften und Hilfsorganisationen getragen. Ihr Ziel ist es, dringend benötigte Versorgungsgüter in kubanische Gemeinden zu bringen, die unter akuter Knappheit leiden. Die Organisatoren verweisen auf die sich rasch zuspitzende Lage infolge der US-Zwangsmaßnahmen: Treibstoffimporte seien blockiert, Flugverbindungen lahmgelegt und das ganze Land zu Energiespar- und Notstandsmaßnahmen gezwungen worden. Die Folgen zeigten sich in leeren Apotheken, stillstehendem Verkehr und Haushalten ohne Strom. Die US-Sanktionen wirkten oft tödlich – für Neugeborene bis zu alten und kranken Menschen. Thiago Ávila, Initiator der Gazaflottille, betonte: »Indem wir die US-Blockade durchbrechen, senden wir auch die Botschaft, dass das kubanische Volk nicht allein ist.« Unterstützt wird die Initiative unter anderem vom britischen Politiker Jeremy Corbyn, der US-Abgeordneten Rashida Tlaib und der ehemaligen Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau.

Auch Staaten leisten Hilfe. Bereits am Donnerstag legten zwei Schiffe der mexikanischen Marine im Hafen von Havanna an. Die »Papaloapan« und die »Isla Holbox« transportierten insgesamt 814 Tonnen Hygieneprodukte und Lebensmittel, darunter Reis, Bohnen, Fleisch, Pflanzenöl und Milchpulver. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sagte weitere Lieferungen zu und bot an, als Vermittlerin zwischen Washington und Havanna zu fungieren. Zudem will ihre Regierung bessere Voraussetzungen schaffen, damit Bürger und Solidaritätsgruppen ihre Spenden unkompliziert auf den Weg bringen können. Soziale Organisationen starteten die Kampagne »Von Volk zu Volk – beenden wir die Blockade«, bei der von diesem Sonnabend an eine Woche lang auf dem Nationalplatz Zócalo in Mexiko-Stadt Hilfsgüter abgegeben werden können.

Russland stellt ebenfalls Unterstützung bereit. Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow erklärte am Freitag gegenüber der Agentur TASS: »Wir stehen natürlich solidarisch an der Seite Kubas und werden das Land unterstützen, unter anderem durch materielle Lieferungen. Diese Unterstützung ist bereits im Gange.« Auch wenn es keine unmittelbaren Aussichten auf koordinierte Maßnahmen innerhalb des BRICS-Bündnisses gebe, blieben verschiedene Optionen offen. »Vorerst setzen wir unsere Unterstützung auf individueller Basis fort«, erklärte Rjabkow und warnte: »Die USA werden nicht zögern, alle illegalen Mittel einzusetzen, um Kuba zu schaden.«

Scharfe Kritik kam von den Vereinten Nationen. In Genf bezeichneten mehrere UN-Sonderberichterstatter das Vorgehen der Trump-Regierung am Donnerstag als »schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht«. Kuba erlebe aufgrund der einseitigen Zwangsmaßnahmen »Stromausfälle von mehr als 20 Stunden, was die Kühlung von Lebensmitteln beeinträchtigt und zu Gesundheitskrisen führt«, prangerten sie an. Treibstoff sei »unverzichtbar für die Stromerzeugung, die Wasser- und Abwassersysteme, Krankenhäuser, den Verkehr und die Lebensmittelproduktion, um nur einige Bereiche zu nennen«.

Bundesweiter Aktionstag an diesem Sonnabend: Infos unter kurzlinks.de/UnblockCuba

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