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04.02.2026, 18:57:16 / Ausland

Israels Armee tötet 23 Palästinenser in Gaza

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Nicht enden wollende Trauer: Raid Al-Khabba hat seine drei Monate alte Tochter Mira verloren (Gaza-Stadt, 2.2.2026)

Gaza. Mindestens 23 Palästinenser wurden am Mittwoch durch Angriffe der israelischen Armee getötet, wie das Gesundheitsministerium im Küstenstreifen meldete. Mindestens 38 Menschen wurden demnach verletzt. Unter den Toten sollen fünf Kinder, sieben Frauen und ein Rettungssanitäter sein, so die Nachrichtenagentur AP. Die israelische Armee bestätigte die Bombardements und behauptete, sie habe damit auf einen Angriff auf einen Soldaten im Norden der abgeriegelten Enklave reagiert. »Terroristen eröffneten das Feuer auf israelische Soldaten, die östlich der gelben Linie im Einsatz waren«, hieß es in einer Stellungnahme. Ein Soldat sei schwer verletzt worden. Die Hamas wies die Anschuldigungen zurück und sprach von einem Vorwand Israels, die Angriffe im Gazastreifen fortzusetzen. Auch ohne Gründe zu nennen, hatte Israels Militär seit Inkrafttreten des »Waffenstillstandsabkommens« mit der Hamas im Oktober 2025 fast täglich den Küstenstreifen bombardiert. Dabei hat die Armee nach Angaben der lokalen Gesundheitsbehörde mindestens 556 Menschen getötet.

Nachdem Tel Aviv nach monatelanger Verzögerung ihrer Verpflichtung im Rahmen des »Waffenstillstandsabkommens« nachkam und den Grenzübergang zu Ägypten bei Rafah im Süden des Küstenstreifens eingeschränkt öffnete, konnten am Montag zum ersten Mal wieder Menschen über Rafah ein- und ausreisen. Israel hatte die Grenze seit Mai 2024 nahezu vollständig geschlossen gehalten. Doch im Widerspruch zu den Vereinbarungen des Abkommens lässt das Militär nur eine geringe Anzahl an Ein- und Ausreisen zu. Während der Gesundheitsbehörde Gazas zufolge mehr als 20.000 Menschen auf lebensrettende medizinische Versorgung im Ausland warten, durften seit Montag demnach lediglich 21 Kranke die Grenze passieren. Der 7jährige Junge Anwar Al-Aschi starb am Dienstag dem katarischen Sender Al-Dschasira zufolge an Leberversagen, während er auf seine Ausreise wartete. Seit Beginn von Israels Krieg gegen die Palästinenser in Gaza sollen der Gesundheitsbehörde zufolge mehr als 1.200 Patienten gestorben sein, weil ihnen medizinische Versorgung im Ausland verwehrt wurde.

Derweil berichteten Personen, die in den Gazastreifen einreisten, dass sie beim Grenzübertritt gewalttätiger Übergriffe israelischer Einsatzkräfte und von Tel Aviv bewaffneter palästinensischer Milizen ausgeliefert waren. Die Rückkehrer sollen gefesselt, geschlagen, bestohlen und stundenlang verhört worden sein, berichtete das Investigativportal Drop Site News am Mittwoch unter Berufung auf Augenzeugenberichte. Einige sollen demnach gezwungen worden sein, sich auszuziehen. Die Betroffenen berichten außerdem von Demütigungen und Todesdrohungen. Die israelische Armee dementierte die Vorwürfe. (dpa/jW)

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