Gegründet 1947 Sa. / So., 07. / 8. Februar 2026, Nr. 32
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 06.02.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Rohstoffallianz

Trumps neues Bündnis

US-Präsident will Handelsblock gegen China schmieden. Ziel ist Förderung und Aufbereitung seltener Erden – und die Kostenverlagerung
Von Jörg Kronauer
USA wollen Handelsallianz für wichtige Mineralien gründen.jpg

Findet die Trump-Regierung, ansonsten für ihre Alleingänge bekannt, plötzlich Geschmack an Bündnissen? Die Frage stellte sich so mancher, als Washington für Mittwoch (Ortszeit) zu einem Treffen mit Repräsentanten von 55 Staaten einlud, um eine neue Rohstoffallianz zu schmieden. Im Mittelpunkt standen die Beschaffung und insbesondere die Aufbereitung der seltenen Erden – jener Metalle also, ohne die kein Elektroautomotor läuft, kein Windrad sich dreht und kein Kampfjet fliegt, auf die sich aber China ein Beinahemonopol erarbeitet hat, das es inzwischen nutzt, um sich in den aktuellen Wirtschaftskriegen gegen Angriffe aus dem Westen zu verteidigen. In den USA und in Europa haben mittlerweile hektische Bemühungen eingesetzt, sich einen eigenständigen Zugriff auf die seltenen Erden zu verschaffen und vor allem auch in die Aufbereitung einzusteigen. Insbesondere letzteres gilt als aufwendig; zudem fehlt im Westen nach jahrzehntelanger Untätigkeit das Know-how.

Vor allem die Vereinigten Staaten machen, während in Europa alles etwas schleppend im Deutschland-Tempo anläuft, in Sachen seltene Erden energisch Druck. Das Pentagon hat, die Versorgung der Rüstungsindustrie im Blick, 400 Millionen US-Dollar in MP Materials investiert, das einzige relevante US-Unternehmen, das mehrere Jahrzehnte lang Erfahrung mit seltenen Erden sammeln konnte. In Texas werden Lagerstätten erschlossen; in Oklahoma wird eine Fabrik zur Weiterverarbeitung gebaut. Am Montag wurde berichtet, die Trump-Administration plane den Aufbau eines strategischen Vorrats nicht nur, aber auch an seltenen Erden – für zwölf Milliarden US-Dollar. Washington hat zudem Deals mit Rohstoffländern zu schließen begonnen, etwa mit Malaysia. Kuala Lumpur will eigentlich keine unverarbeiteten Rohstoffe mehr exportieren; China hat angeboten, eine Fabrik zur Weiterverarbeitung im Land zu errichten. Dass die USA sich im Oktober von Malaysias Regierung trotzdem die Lieferung nichtaufbereiteter seltener Erden zusagen ließen, hat dort einigen Ärger ausgelöst.

Nun allerdings zeigt sich: Der wilde Aktivismus kostet viel Geld; längst nicht alle Projekte, die bislang angestoßen wurden, sind rentabel, um so weniger, als China die seltenen Erden zu sehr günstigen Preisen anbietet. Will Washington nicht auf den hohen Kosten sitzenbleiben, muss es sie auch auf andere umlegen. Die Trump-Regierung wünsche, »dass die Partner die Rechnung bezahlen«, ließ sich ein EU-Diplomat im Handelsblatt zitieren. Um das zu erreichen, lud sie am Mittwoch Repräsentanten von 55 Staaten nach Washington ein, darunter zahlreiche Länder der EU, Japan, Südkorea, Australien und Indien. Man müsse sich gegen die chinesische Übermacht zusammentun und die Förderung sowie die Aufbereitung der seltenen Erden gemeinsam angehen, hieß es zur Begründung. Es gelte, einen Handelsblock zu schmieden und vor allem Mindestpreise einzuführen, tönte Vizepräsident J. D. ­Vance – denn man wolle verhindern, dass China »unsere Märkte mit billigen kritischen Mineralien« flute, »um unsere heimischen Hersteller zu unterbieten«.

Konkret vereinbart wurde am Mittwoch lediglich, in der Sache innerhalb von 30 Tagen eine Absichtserklärung zwischen den USA und der EU zu schließen. In Brüssel wird dies in gleich doppelter Hinsicht als ein Erfolg gewertet. Zum einen habe die Trump-Regierung erheblich Druck auf einzelne Mitgliedstaaten ausgeübt, bilaterale Übereinkünfte zu schließen, um die EU zu spalten, berichtete das Handelsblatt. Zum anderen habe sie auf verpflichtende Zusagen gehofft. Jetzt müsse sie mit der EU statt mit – sagen wir – Polen und Ungarn verhandeln, und das Ergebnis solle kein verpflichtendes Abkommen, sondern nur eine letztlich unverbindliche Absichtserklärung sein. Ob es dabei bleibt – und was am Ende im Kleingedruckten steht –, wird man sehen. Klar ist: Mindestpreisen wären auch Berlin und Brüssel nicht abgeneigt; auch ihre Projekte werden zu Preisen für seltene Erden führen, die deutlich über denjenigen in China liegen. Teurer werden Produkte, die seltene Erden enthalten, hierzulande also auf jeden Fall.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

Mehr aus: Kapital & Arbeit