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Aus: Ausgabe vom 02.02.2026, Seite 3 / Ansichten

Der Weg zur Weltwährung

Finanzpolitik im Ringen der Großmächte
Von Jörg Kronauer
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Wie man internationale Geschäfte in zehn Jahren begleichen wird, ist weniger klar, als mancher denken mag

Für China ist es nur der nächste logische Schritt auf dem Weg der ökonomischen Entwicklung, für die Vereinigten Staaten von Amerika ist es eine Kampfansage: Die Volksrepublik soll, so ließ sich Präsident Xi Jinping am Wochenende zitieren, den ­Renminbi Yuan in eine »starke Währung« transformieren, die in der Weltwirtschaft im großen Stil verwendet wird. Dabei geht es nicht bloß darum, den Anteil des internationalen Handels zu vergrößern, der in Yuan abgewickelt wird. Das Zahlungsmittel soll auch mehr als bisher als Reservewährung genutzt werden.

In einer Rede, die wohl aus dem Jahr 2024 stammt, doch erst jetzt von Qiushi, dem Theorieorgan der Kommunistischen Partei Chinas, veröffentlicht wurde, erläutert Xi, eine globale Finanzmacht müsse über starke ökonomische Fundamente sowie über Spitzentechnologien verfügen. Dies ist in der Volksrepublik mittlerweile zweifelsohne der Fall. Xi mahnt nun zudem die weitere Stärkung des Finanzsektors an. Der nächste logische Schritt wäre in der Tat eine starke Währung.

Für die Vereinigten Staaten kommt der Vorstoß zu ungünstiger Zeit. Der US-Dollar lässt, wenngleich er weiterhin weltweit mit großem Abstand vor dem Euro dominiert, Zeichen des Niedergangs erkennen – sein Anteil an den globalen Währungsreserven etwa schrumpft. Und das aus gutem Grund: Wer ungehemmt mit Finanzsanktionen operiert; wer nicht nur Feinde, sondern auch Verbündete mit brutalen Wirtschaftskriegen überzieht, der muss damit rechnen, dass potenzielle Opfer (und das sind nach Lage der Dinge so ziemlich alle Staaten dieser Welt) nicht mehr auf US-Dollarreserven setzen wollen.

Auch im Handel ist Diversifizierung der Währung das Motto für alle, die sich gegen einen Ausschluss vom SWIFT-Bankensystem absichern wollen. Die Tatsache, dass der US-Dollar die Weltleitwährung ist, gilt seit vielen Jahrzehnten – neben der Macht der US-Army – als eine tragende Säule US-amerikanischer Macht. Sie könnte, wenn der Yuan auf-, der US-Dollar also absteigt, ins Wanken geraten.

Das kann noch dauern. In China wird seit dem Herbst auch öffentlich zunehmend über eine Stärkung des Yuan diskutiert. Dabei wird gelegentlich auf den nächsten Fünfjahresplan verwiesen. Dass Beijing die besagte Rede Xis jetzt offiziell vorgelegt hat, deutet aber an, dass Nägel mit Köpfen gemacht werden sollen. Durchaus möglich, dass sich die Dinge beschleunigen. Zumal die USA unter Donald Trump nicht nur ihre willkürliche Gewalt – militärisch wie ökonomisch – nach außen walten lassen, sondern auch im Innern in der Instabilität zu versinken drohen. Wer lässt sich schon ohne weiteres ein auf eine Finanzweltmacht, von der keiner weiß, ob sie nicht allzu bald in bürgerkriegsähnliche Zustände verfällt? Die Ungewissheit, wie es mit dem US-Dollar weitergeht, könnte die Weltpolitik künftig noch stärker prägen als bisher.

Anlass zum Aufatmen bietet das nicht: Bröckelt die Währungssäule der schwindenden US-Dominanz, dann bleibt den Vereinigten Staaten vor allem das Militär. Und das nutzen sie bekanntermaßen auch.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (2. Februar 2026 um 11:03 Uhr)
    Eine neue Leitwährung entsteht nicht allein dadurch, dass eine bestehende Schwächen zeigt. Wer den US-Dollar ernsthaft herausfordern möchte, muss mehrere zentrale Voraussetzungen erfüllen: vollständige internationale Handelbarkeit der Währung offene Kapitalmärkte, damit Investoren ihr Geld frei hinein- und herausbewegen können ein hohes Maß an rechtlicher Berechenbarkeit politisches Vertrauen, das über Jahrzehnte gewachsen ist Gerade in diesen Punkten sehen viele Analysten weiterhin Grenzen beim chinesischen Yuan, etwa aufgrund von Kapitalverkehrskontrollen oder möglicher staatlicher Eingriffe. Das ist keine Wertung, sondern beschreibt häufig genannte ökonomische Bedingungen für Reservewährungen. Realistisch betrachtet deutet vieles eher auf ein zunehmend multipolares Währungssystem hin. Der Dollar könnte dabei langfristig etwas an Gewicht verlieren, ohne jedoch zu verschwinden. Dafür sprechen unter anderem die Größe der US-Wirtschaft sowie die weiterhin umfangreiche Abwicklung internationaler Handelsströme in Dollar. Gleichzeitig dürften andere Währungen schrittweise an Bedeutung gewinnen. Historisch verlaufen solche Verschiebungen langsam — oft über mehrere Jahrzehnte — und selten als abrupter Machtwechsel.

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