Krise der britischen Konservativen verschärft sich: Parteichefin schasst Konkurrenten
London. Eine innerparteiliche Auseinandersetzung stürzt die britischen Konservativen in die nächste Krise. Parteichefin und Oppositionsführerin Kemi Badenoch hat am Donnerstag überraschend ihren langjährigen Konkurrenten Robert Jenrick aus dem sogenannten Schattenkabinett und der Fraktion geworfen. Zudem setzte sie seine Parteimitgliedschaft aus. Parteilos blieb Jenrick allerdings nur für wenige Stunden.
Jenrick, der Badenoch in einer Stichwahl um die Parteiführung im Herbst 2024 unterlegen war, habe geplant, »auf eine möglichst schädliche Weise« zu einer anderen Partei überzulaufen, sagte Badenoch in einer Videobotschaft. Dafür habe es »klare und unwiderlegbare Beweise« gegeben. Inzwischen ist klar: Jenrick tritt der weiter rechts stehenden Partei Reform UK bei, die in Umfragen seit längerer Zeit vor den Konservativen liegt. Das bestätigte Farage bei einer Pressekonferenz am Nachmittag in London, bei der auch Jenrick auftrat. »Es ist Zeit für die Wahrheit«, schrieb der geschasste Abgeordnete zuvor in einem kryptischen X-Beitrag.
Jenrick hatte sich schon zuvor am rechten Rand seiner Partei positioniert und wurde als aussichtsreichster Nachfolger Badenochs gehandelt, sollten sich die Umfragewerte der Partei nicht verbessern. Er liebäugelte auch bereits öffentlich mit einem Pakt zwischen Tories und Reform. Berichten zufolge sollen herumliegende Dokumente die Pläne Jenricks preigegeben haben.
Das Überlaufen Jenricks zu Reform gilt als schwerer Schlag für die Tories. Farage bestritt zunächst, dass Jenrick bereits heute als neues Parteimitglied präsentiert werden sollte. Er gab jedoch zu, Gespräche mit ihm geführt zu haben. Erst kürzlich war der frühere Finanzminister und Tory-Politiker Nadhim Zahawi öffentlichkeitswirksam zu Reform UK übergetreten. (dpa/jW)
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Ausland
-
Ohne Kommentar
vom 16.01.2026 -
Israel nimmt Angehörige als Geiseln
vom 16.01.2026 -
Es brennt wieder in Patagonien
vom 16.01.2026 -
Terror in Minnesota
vom 16.01.2026 -
Abschied von der Neutralität
vom 16.01.2026