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Aus: Ausgabe vom 26.01.2026, Seite 2 / Inland
Warnstreik in Plauen

Wie steht die Brauerei im Tarifvergleich da?

In Ost und West wird gleiche Arbeit ungleich bezahlt. Es liegt an den Brauern selbst, dagegen zu kämpfen, meint Thomas Lißner
Interview: Luca von Ludwig
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Fahne der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten

Am vergangenen Mittwoch rief die Gewerkschaft NGG die Beschäftigten der Sternquell-Brauerei in Plauen zu einem mehrstündigen Warnstreik auf. Worum geht es in dem aktuellen Konflikt zwischen Gewerkschaft und Unternehmen?

Im vergangenen Jahr, Ende Oktober, ist unser Tarifvertrag ausgelaufen. Im November hatten wir die erste Verhandlungsrunde für einen neuen Vertrag, die war gescheitert. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber entspricht nicht unserer Forderung. Wir hatten wenigstens 280 Euro mehr gefordert – das Angebot der Geschäftsführung betrug gerade mal hundert Euro. Mit dem Warnstreik wollen wir auch ein Zeichen setzen, bevor die nächste Verhandlungsrunde anläuft.

Sie hatten das Angebot der Gegenseite als »untragbar« bezeichnet. Ist es so drastisch?

Das Angebot ist untragbar. Selbst mit den hundert Euro mehr wären wir noch 180 Euro vom Lohnniveau viel kleinerer Brauereien der Gruppe entfernt, die weder die gleiche Produktivität liefern noch auf dem gleichen Modernisierungsstand sind. Die Beschäftigten in Plauen haben keinerlei Verständnis mehr dafür, dass es so große Lohnunterschiede zwischen den einzelnen Betrieben gibt.

Wie steht die Sternquell-Brauerei im Tarifvergleich da?

Die Sternquell-Brauerei gehört zur Kulmbacher Gruppe. In Kulmbach beim Mutterkonzern verdienen die beschäftigten Brauer derselben Lohngruppe über 800 Euro mehr, bei dem Betrieb in Hof 280 Euro mehr. Unser Ziel ist es, zumindest die Angleichung an Hof zu erreichen.

Wieso ist man in Plauen nicht bereit, wenigstens etwas höhere Löhne zu zahlen, wenn es andernorts doch geht?

Es kommt einmal immer darauf an, wo die jeweilige Geschäftsführung sitzt, und dann auch darauf, wo der Sitz der Muttergesellschaft ist. Beide sitzen in diesem Fall in den alten Bundesländern – sind dort sozusagen sozialisiert. Vor 35 Jahren stand dort mal eine Grenze, und bei manchen steht sie im Kopf immer noch. Das Lohngefälle wird mit der »Unternehmensstruktur« oder den »Absatzmärkten« begründet. Aber ein Unterschied von 800 Euro – das ist einfach nicht mehr zu rechtfertigen.

Haben Sie Forderungen an die Politik, wie sie Lohn- oder Tarifgleichheit gerade auch zwischen Ost und West zusichern könnte?

Ich finde, die Politik kann da nicht viel machen. Was soll der Ostbeauftragte zum Beispiel schon tun? Die Tarifpolitik müssen die Gewerkschaften und die Beschäftigten gemeinsam stemmen. Das ist in den Jahren nach der Wende nicht passiert, aber spätestens jetzt haben wir uns als NGG zum Ziel gesetzt, die unsägliche »Lohnmauer« einzureißen. Und in vielen Branchen ist uns das auch schon geglückt.

Wo zum Beispiel?

Bei Frosta ist es uns im letzten Jahr gelungen, nicht nur beim Entgelt, sondern auch bei der Arbeitszeit eine Angleichung zu erreichen. Seit wir unsere Kampagne »Lohnmauer einreißen« fahren, haben wir bei Frosta innerhalb von zehn Jahren die Stundenlöhne um 95 Prozent steigern können. Ich glaube, das darf man als Erfolg bezeichnen. Das war aber nur möglich, weil der Impuls aus der Mitte der Belegschaft kam.

Wie steht es allgemein um die Brauereibranche?

Die Branchensituation in Deutschland ist generell nicht gut. Der Absatz geht zurück, Konsumgewohnheiten haben sich geändert. Aber es liegt auch an strukturellen Problemen. Das Produkt wird regelrecht verramscht, es gibt eine hohe Angebotsquote, und die Brauereien sind auf große Handelsketten angewiesen. Der unnötige Leerguttransfer drückt auch auf die Kosten. Durch »Flaschenbranding«, bei dem jede Brauerei eigene Flaschen verwendet, die dann in genau diese Brauerei zurückkommen sollen, fallen sinnlose Logistikkosten an.

Wie gehen Sie nach dem Warnstreik in die anstehenden Verhandlungen? Sind Sie zuversichtlich, dieses Mal mehr zu erreichen?

Wir gehen erst einmal optimistisch in die zweite Verhandlung. Aber wir sind uns jetzt auch sicher, dass die Beschäftigten zu weiteren Streiks entschlossen sind, wenn es keinen Abschluss oder wenigstens ein gutes Angebot gibt. Die sächsischen Brauer haben bereits gezeigt, dass sie für ihre Interessen einstehen können.

Thomas Lißner ist bei den Tarifverhandlungen bei Sternquell Verhandlungsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG)

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