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Aus: Ausgabe vom 22.01.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Traurig und respektlos

Zu jW vom 15.1.: »Oma weint«

Lieber Andreas Müller, da haben Sie mir aber aus vollem Herzen gesprochen. Seit den 60er Jahren verfolge ich den Eiskunstlauf. Wenn eine Eissporthalle in der Nähe ist, muss man mich nur absetzen und natürlich wieder abholen. Es wird von Jahr zu Jahr immer unregelmäßiger übertragen und in diesem Jahr die Europameisterschaft gar nicht. Das finde ich nicht nur traurig, sondern auch respektlos den Eiskunstsportlern gegenüber. Sie trainieren das ganze Jahr für zwei große Auftritte und finden null statt in den Medien. Nun kommt Olympia dazu, und ich hoffe sehr, dass die Eiskunstläufer nicht vergessen werden. In der Vergangenheit wandte ich mich mehrmals an einen Sportsender zu diesem Thema, aber leider kam nie eine Antwort.

Angelika Teuchert, per E-Mail

Gesicht des Kapitals

Zu jW vom 19.1.: »Trump treibt Europa vor sich her«

Trump ist das Gesicht der USA. Trump ist der gewählte Repräsentant eines Staates, der sich als Erfinder der Demokratie versteht. Trump ist die Person, die sich die Mächtigen des Landes erwählt haben. Trump ist das derzeitige Gesicht und Aushängeschild, Vollstrecker einer Politik, die nicht allein und einzig von ihm, seiner Person, getragen und befördert wird. Bei aller modernen Trumperei der Medien dürfen wir nicht vergessen, was die bürgerliche Demokratie ihrem Wesen nach ist, wessen Machtverhältnisse sie zu sichern hat, welche Personen zur jeweiligen Zeit dafür geeignet scheinen und erkoren werden. Vor diesem realen gesellschaftlichen Hintergrund kann das stattfinden, was wir fälschlicherweise als Irrsinn eines angeblichen Irrsinnigen deuten.

Der dahinterstehende Irrsinn ist der Kapitalismus; Imperialismus in einer Welt, die sich in Neuaufteilung befindet, in der neue Weltmächte hervortreten, in ernsthafte Konkurrenz mit den gegenwärtigen Herren der Welt treten. Folgerichtig und nach den Gesetzen des Kapitals tritt die Frage Krieg und Frieden auf allen Gebieten – von der Wirtschaft bis zum Militärischen – in den Vordergrund der Beziehungen zwischen den Staaten und Machtblöcken. Auch in einer solchen Welt, die größte Bedrohungen für die Menschheit in sich trägt, in einer Welt, in der es an der Kraft und dem Einfluss antikapitalistischer, antiimperialistischer Bewegungen schmerzhaft fehlt, entbindet uns nichts davon, die Kräfte zu analysieren, zu beurteilen, die heute diese Welt verändern. Welche Kräfte sind die aggressivsten, militantesten und bereit, den Weltkrieg auszulösen? Welche Kräfte haben daran kein Interesse, haben keine Motive für aggressivste Politik nach außen, sind an friedlicher Auseinandersetzung interessiert? Ist der »Irrsinn« eines Trump wirklich gefährlicher als der eines Merz und Co. und deren Wahn zum Krieg?

Roland Winkler, Aue

Dringend geboten

Zu jW vom 14.1.: »Kapital feudal«

Eine reformierte Erbschaftsteuer: Bei schlechtesten Umfragewerten blinkt die SPD wieder links. Mit wem eigentlich will die SPD eine »gerechte« Erbschaftsteuer gegen die wirklich Reichen umsetzen? Die SPD liefert nicht mal in Ansätzen eine Umsetzungsstrategie mit. Sie bräuchte die Sozialverbände, die Gewerkschaften und alle Parteien links der Mitte. Gibt es überhaupt Tuchfühlungen? Es sieht tatsächlich nach einem billigen Wahlkampfmanöver aus. Vor allem die Landtagswahlen in Ostdeutschland sehen für die SPD düster aus.

Ich befürchte eher, dass das Bundesverfassungsgericht das Erbschaftsteuergesetz in Teilen als verfassungswidrig qualifiziert und die Erbschaftsteuer in der Folge in ihrer Erhebung ausgesetzt wird. Damit würde die Erbschaftsteuer den Weg der Vermögensteuer gehen, die nach jetzt über 30 Jahren (!) immer noch nicht verfassungsgemäß ausgestaltet ist und deshalb seit 1997 nicht erhoben wird. Das ist eine stille Subvention in zig Milliardenhöhe für die wirklich Reichen und ein verfassungsrechtlicher Skandal. Deren Beendigung ist sozialstaatlich gesehen dringend geboten!

Thomas Ewald, Nidderau

Wohlduftender Unrat

Zu jW vom 14.1.: »Unwort des Jahres«

Wenn Unwörter Politik machen. Wörter machen Leute. Und was machen Unwörter? Unwörter können Misthaufen parfümieren. Wie das »Sondervermögen«, das Unwort des Jahres 2025, in Recht und Gesetz gesetzt von einer Zweidrittelmehrheit im Bundestag, im Nebel des Übergangs von Olaf von Doppelwumms zu Friedrich dem Täuscher. Eine Sprachverhunzung, die der Irreführung dient und damit demokratische Debatten unterminiert, sollte aber nicht mit einer Auszeichnung dekoriert werden. Die Wortsinnverdreher verdienen für ihr hinterlistiges Wortspiel ein Bußgeld in einer Höhe, die den Schulden des Sondervermögens angemessen ist. Das wird dann ausschließlich zum Wohle der Bürger eingesetzt, exakt in diesem Wortsinn. So viel Konsequenz darf sein.

Joachim Fröhlich, Kirchseeon

In Vergessenheit

Zu jW vom 30.12.2025: »Das Projekt bleibt«

Leider stimme ich Christoph Heins Aussagen aus dem eingangs zitierten Interview zu – denn auch die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der Mord an den jüdischen Gläubigen usw. stehen zwar im Geschichtsbuch, haben aber keine realen Auswirkungen auf Verantwortliche und deren Wähler. Viele »Ossis« jammern heute, haben aber 1990 mit voller Kraft und vollem Bewusstsein (Staatsbürgerkundeunterricht) ihr Heimatland DDR verraten und verkauft. Und wenn nun Nachgeborene über die DDR reden, stört das die Herrschenden nicht, denn dadurch entsteht keine Wirkmächtigkeit, sondern die DDR bleibt dank Entpolitisierung eine nette Episode auf dem Niveau der Zeitschrift Super-Illu, deren systemstabilisierende Funktion für die BRD Thema einer Doktorarbeit sein sollte.

Marian Rose, per E-Mail

Die Vermögensteuer ist immer noch nicht verfassungsgemäß ausgestaltet und wird deshalb seit 1997 nicht erhoben. Das ist eine stille Subvention in zig Milliardenhöhe für die wirklich Reichen und ein verfassungsrechtlicher Skandal.

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