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Aus: Ausgabe vom 19.01.2026, Seite 1 / Ansichten

Trump treibt Europa vor sich her

Grönland: USA erhöhen Zölle
Von Jörg Kronauer
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Werden die europäischen NATO-Staaten wieder nach Trumps Pfeife tanzen?

Seit Sonnabend geht es für die Staaten Europas ums Ganze. US-Präsident Donald Trump hat weitere Zölle angekündigt: Auf die im September 2025 beschlossenen 15 Prozent auf EU-Produkte sollen noch mal 10 Prozent ab Februar und 25 Prozent ab Juni hinzukommen – und zwar für alle acht Staaten, die auch nur einen einzigen Soldaten nach Grönland geschickt haben, um sich damit wenigstens symbolisch gegen eine Annexion der Insel durch die USA zu wehren. Wenn die europäischen Staaten wieder nachgeben – ganz so, wie sie es im Sommer im Zollkonflikt mit Washington taten –, dann beweisen sie damit nicht bloß, dass sie, wenn es ernst wird, sogar bereit sind, die eigene territoriale Integrität umstandslos preiszugeben. Sie laden Trump zudem dazu ein, bei nächster Gelegenheit erneut nach Lust und Laune mit Zöllen Zugeständnisse zu erpressen. Für Europas Bourgeoisien wäre das der Weg in die Selbstaufgabe.

Um so mehr, als andere Staaten, auf die das mental immer noch koloniale Europa im Alltag gern herunterblickt, sich recht erfolgreich gegen die Zollkriege der Vereinigten Staaten wehren. Allen voran tut das China, das Washington zum Einknicken gezwungen hat; aber auch Brasilien und Indien haben den US-Repressalien bislang widerstanden. Die Gegenwehr hat ihren Preis für die Wirtschaft der betreffenden Länder. Sie erweist sich jedoch als einzige Option, den Plünderern aus der Trump-Regierung das Handwerk zu legen. Zudem beobachtet die gesamte Welt mit gespanntem Interesse, wer sich gegen die US-Zumutungen behaupten kann und wer aufgibt. Als Kooperationspartner bieten sich erstere an, letztere nicht.

An alldem liegt es, dass mittlerweile auch aus der deutschen Wirtschaft Rufe laut werden, sich den Zöllen offen zu widersetzen. Vorsichtigere Töne hört man noch aus der deutschen Kfz-Industrie, auf deren Druck – von Kanzler Friedrich Merz vermittelt – die EU-Kommission im Sommer die Trump’schen Forderungen erfüllte. Führte das damals zu einem miserablen Deal, so geht es diesmal darum, ob aus dem langsamen Abstieg der europäischen Bourgeoisien ein rascher machtpolitischer Absturz wird. Selbstaufgabe zählt eher nicht zum Repertoire herrschender Klassen. Heute aber weiß man nie.

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  • Leserbrief von Thomas Bartsch-Hauschild aus Hamburg (19. Januar 2026 um 13:56 Uhr)
    Europa und Deutschland sind zum »Kampfplatz« von Trumps Amerika geworden. Amerikas Demokratie funktioniert nicht mehr. Alles in einer Hand für Trump, die Mehrheit im Kongress plus Senat, das ist für Trump ein »Freibrief«. Europäische Sanktionen beeindrucken ihn nicht, die größte Militärmacht ist Amerika und nicht Europa.
    80 Jahre Frieden in Europa und der Welt, sind keine Ewigkeitsgarantie, den Anfang vom Ende hat Putin vorgemacht. Trump kann es nun auch tun, niemand in Amerika hält ihn auf. Der ehemalige Exportweltmeister Deutschland, das war einmal. China hat alle überholt und das weiß auch Trump. Deswegen will er die Demokratien Europas ausschalten und Grönland für einen Euro kaufen. Die NATO ist Geschichte, jeder kämpft jetzt für sich selbst – Deutschland hat nicht vorgesorgt, im schlimmsten Fall – für eine eigenständige nationale Sicherheit gegen den Terrorismus, die bestehenden Energieabhängigkeiten, die bedrohliche Cyberkriminalität, und Geldwäsche in unserem Bankensystem. Dieses eklatante Parteienversagen und das der vielen Regierungen von Merkel über Scholz bis heute Kanzler Merz, es waren Jahrzehnte – jetzt liegt die »Quittung« auf dem Tisch –, die wehrhafte Demokratie hat die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Michael M. aus Berlin (20. Januar 2026 um 17:21 Uhr)
      Der Anfang vom Ende war der Sieg der Spießer 1990. Herr Meier, Arbeiterveteran, Berlin-Prenzlauer Berg
    • Leserbrief von Joachim Seider aus Berlin (19. Januar 2026 um 18:19 Uhr)
      Wir sollten mal darüber diskutieren, was Demokratie ist. Eine Herrschaftsform, in der die absolute Minderheit die übergroße Mehrheit für sich schuften lässt und sie zum Dank dafür täglich an der Nase herumführt? Und auch darüber, ob wirklich der Russe (wahlweise auch der Chinese) an allem schuld ist, was in der Welt an Schauerlichem passiert. Ich denke, das könnte interessant werden.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Christel H. aus Aschersleben (19. Januar 2026 um 17:57 Uhr)
      Kleiner Zusatz: War da nicht noch ein Krieg in Jugoslawien, ehe Putin in den Krieg in der Ukraine eingriff?
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (18. Januar 2026 um 20:26 Uhr)
    Die Bundeswehr zieht ihre Soldaten nach nur zwei Tagen wieder aus Grönland ab. Ein Sprecher erklärt, der Einsatz sei zufriedenstellend beendet worden. Das Erkundungsteam der Bundeswehr soll schon an diesem Sonntag wieder aus Grönland abziehen. Die 15 Soldaten werden die Arktisinsel mit einem Zivilflugzeug in Richtung Kopenhagen verlassen, wie ein Sprecher des operativen Führungskommandos der Deutschen Presse-Agentur sagte. Zuvor hatte »Bild« berichtet. Noch am Samstag hatte ein Sprecher des Führungskommandos der dpa mitgeteilt, dass noch nicht absehbar sei, wie lange der Aufenthalt der Bundeswehrsoldaten dauern werde. Ein Flugzeug mit dänischen und deutschen Militärangehörigen war erst am Freitagabend in Grönland eingetroffen. Laut »Bild« soll der Befehl zum Abzug erst am frühen Sonntagmorgen in Grönland eingetroffen sein. Es soll keine Begründung gegeben haben. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Sprecher des Führungskommandos mit den Worten: »Das Erkundungsergebnis ist so, dass alle zufrieden sind und in Deutschland nun die Auswertung vorgenommen wird.« Der Einsatz sei nicht etwa abgebrochen worden. »Die Erkundung ist auftragsgemäß abgearbeitet worden.« Wann genau die Bundeswehrsoldaten wieder in Deutschland eintreffen, ließ der Sprecher offen.

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