Oma weint
Von Andreas Müller
Früher waren kontinentale und erst recht Weltmeisterschaften im Eiskunstlaufen echte TV-Hingucker und Straßenfeger. Ältere Semester werden sich noch daran erinnern – alles lief im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur besten Sendezeit. Bei der diesjährigen Eiskunstlauf-EM im britischen Sheffield vom 13. bis 18. Januar mit dem abschließenden traditionellen Schaulaufen am kommenden Sonntag ist das anders. Dass jemand das sportliche Ereignis noch mit einem normalen Fernsehgerät und ohne monatliche Zusatzgebühren sehen kann, ist von den Veranstaltern, TV-Machern und Rechteinhabern so nicht mehr gewollt.
Wer live dabei sein will, muss einen Zugang zu Eurosport zwei haben, alternativ kann er beim ZDF oder Discovery plus streamen. Was – für ältere Semester übersetzt – eine bittere Wahrheit bedeutet: Die Eiskunstlauf-EM ist nur mittels eines Abonnements bzw. nur via Internetfernsehen zu sehen.
Vielleicht verhält es sich ja so, dass Fernsehmacher erkannt haben, wie sehr diese Sportart hierzulande inzwischen am Boden liegt, und die Sender den Zuschauern diesen ernüchternden Umstand lieber nicht mehr honorarfrei, live und ungeschminkt ins häusliche Wohnzimmer flimmern lassen wollen. Einzig Minerva Hase und ihr russischer, inzwischen eingebürgerter Eispartner Nikita Wolodin sind aktuell für Medaillen bei dieser EM, bei Olympia im Februar in Norditalien und bei der WM Ende März in Prag gut genug. Ansonsten gibt die Deutsche Eislaufunion (DEU), verglichen mit Straßenfegerzeiten, mittlerweile ein eher trauriges Bild ab. Eben nur gut genug für Streamingdienste, Bezahlprogramme und Übertragungen quasi unter Ausschluss der großen Öffentlichkeit.
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