In einer epochalen Krise
Nach einem kurzen Intermezzo, bei dem der jüngst verstorbene Rolf Becker (vgl. junge Welt vom 15.12.2025) geehrt wurde – unter anderem würdigte ihn die Linkspartei-Politikerin Ulrike Eifler –, ging es weiter mit einem Referat des Wirtschaftswissenschaftlers Jörg Goldberg. Er sprach vor mittlerweile mehreren tausenden Konferenzbesuchern über die »Epochenkrise des westlichen Kapitalismus und die politischen Folgen in der BRD«. Goldberg war Mitarbeiter des Instituts für Marxistische Studien und langjähriger wirtschaftlicher Berater der Regierungen von Benin und Sambia. Seinen Vortrag gruppierte Goldberg um zwei Kernfragen: Erstens, was sind die Ursachen und Folgen der zunehmenden Gewalt in den internationalen Beziehungen? Zweitens, wer sind die Anstifter und Profiteure dieser Politik?
Wir befinden uns, so Goldberg in einer epochalen Krise. Durch die Finanzialisierung des Kapitalismus seien neue Widersprüche und Probleme entstanden, wie die große Krise von 2008/09 demonstriert hat. Es handelte sich dabei um eine Krise des westlichen Kapitalismus, während zahlreiche Länder im globalen Süden eigene Wege gehen. Es habe Ansätze zu einem progressiven Ausweg aus dieser Krise gegeben, etwa durch die Politik von Jeremy Corbyn in Großbritannien, die Partei Podemos in Spanien oder durch Graswurzelbewegungen wie »Blockupy«. Diese Bewegungen seien jedoch vorübergehend gescheitert.
Doch zunehmend werde die westliche Hegemonie von aufsteigenden Volkswirtschaften des globalen Südens, darunter vor allem die Volksrepublik China, in Frage gestellt. Die Staaten des westlichen Kapitalismus in Europa und Nordamerika setzen daher wieder auf Aufrüstung und direkte militärische Konfrontation. Dies führe zu einer wachsenden Gewaltförmigkeit in den internationalen Beziehungen. Wer angesichts dessen noch von einer »regelbasierten Gewaltordnung« schwadroniere, so Goldberg, dem sei eigentlich nicht mehr zu helfen. Das Militärische erhalte im westlichen Kapitalismus das Primat. Auch die BRD wolle ihre europäische Vorherrschaft mit militärischer Stärke sichern und rüste dafür drastisch auf.
In seinem profunden Vortrag ging Goldberg des weiteren auch auf den Sozialstaatsabbau ein, durch den die Herrschenden die Aufrüstung finanzieren. Wer mehr zur Lage des gegenwärtigen Kapitalismus, vor allem des Neoliberalismus, wissen will, kann Jörg Goldbergs Beitrag auf den Thema-Seiten der jungen Welt vom 3. Dezember 2025 lesen. (mp)
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Inland
-
Mit dem Rücken zur Wand
vom 10.01.2026 -
Fotoimpressionen von der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin (Teil 4)
vom 10.01.2026 -
»Bitte macht weiter«: Internationalistische Manifestation für Venezuela, Palästina und Kuba
vom 10.01.2026 -
Fotoimpressionen von der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin (Teil 3)
vom 10.01.2026 -
»Die Wehrpflicht ist eine politische Entscheidung gegen die Jugend«
vom 10.01.2026 -
Mittagseinlage mit Punkrockband G.P.S. und Ausschnitt aus Dokfilm über die junge Welt
vom 10.01.2026 -
Fotoimpressionen von der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin (Teil 2)
vom 10.01.2026 -
Stehen die USA vor einem Bürgerkrieg?
vom 10.01.2026 -
Hoher Andrang bei RLK 2026
vom 10.01.2026 -
»Die USA führen einen Wirtschaftskrieg gegen Kuba«
vom 10.01.2026 -
Fotoimpressionen von der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin (Teil 1)
vom 10.01.2026 -
Was hat man Ihnen im Abschiebeknast angetan?
vom 10.01.2026 -
Sanktionen ohne Maß
vom 10.01.2026 -
Woidke entgeht Neuwahl
vom 10.01.2026 -
Straßenkampf auf der Autobahn
vom 10.01.2026 -
Bundeswehr-Tram vor Gericht
vom 10.01.2026