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10.01.2026, 12:51:43 / Inland
31. Rosa-Luxemburg-Konferenz

In einer epochalen Krise

Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Goldberg zur Lage des Kapitalismus
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Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Goldberg referiert auf der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz

Nach einem kurzen Intermezzo, bei dem der jüngst verstorbene Rolf Becker (vgl. junge Welt vom 15.12.2025) geehrt wurde – unter anderem würdigte ihn die Linkspartei-Politikerin Ulrike Eifler –, ging es weiter mit einem Referat des Wirtschaftswissenschaftlers Jörg Goldberg. Er sprach vor mittlerweile mehreren tausenden Konferenzbesuchern über die »Epochenkrise des westlichen Kapitalismus und die politischen Folgen in der BRD«. Goldberg war Mitarbeiter des Instituts für Marxistische Studien und langjähriger wirtschaftlicher Berater der Regierungen von Benin und Sambia. Seinen Vortrag gruppierte Goldberg um zwei Kernfragen: Erstens, was sind die Ursachen und Folgen der zunehmenden Gewalt in den internationalen Beziehungen? Zweitens, wer sind die Anstifter und Profiteure dieser Politik?

Wir befinden uns, so Goldberg in einer epochalen Krise. Durch die Finanzialisierung des Kapitalismus seien neue Widersprüche und Probleme entstanden, wie die große Krise von 2008/09 demonstriert hat. Es handelte sich dabei um eine Krise des westlichen Kapitalismus, während zahlreiche Länder im globalen Süden eigene Wege gehen. Es habe Ansätze zu einem progressiven Ausweg aus dieser Krise gegeben, etwa durch die Politik von Jeremy Corbyn in Großbritannien, die Partei Podemos in Spanien oder durch Graswurzelbewegungen wie »Blockupy«. Diese Bewegungen seien jedoch vorübergehend gescheitert.

Doch zunehmend werde die westliche Hegemonie von aufsteigenden Volkswirtschaften des globalen Südens, darunter vor allem die Volksrepublik China, in Frage gestellt. Die Staaten des westlichen Kapitalismus in Europa und Nordamerika setzen daher wieder auf Aufrüstung und direkte militärische Konfrontation. Dies führe zu einer wachsenden Gewaltförmigkeit in den internationalen Beziehungen. Wer angesichts dessen noch von einer »regelbasierten Gewaltordnung« schwadroniere, so Goldberg, dem sei eigentlich nicht mehr zu helfen. Das Militärische erhalte im westlichen Kapitalismus das Primat. Auch die BRD wolle ihre europäische Vorherrschaft mit militärischer Stärke sichern und rüste dafür drastisch auf.

In seinem profunden Vortrag ging Goldberg des weiteren auch auf den Sozialstaatsabbau ein, durch den die Herrschenden die Aufrüstung finanzieren. Wer mehr zur Lage des gegenwärtigen Kapitalismus, vor allem des Neoliberalismus, wissen will, kann Jörg Goldbergs Beitrag auf den Thema-Seiten der jungen Welt vom 3. Dezember 2025 lesen. (mp)

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