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Aus: Ausgabe vom 16.01.2026, Seite 3 / Inland
Uranmüll aus Gronau

Für wie gefährlich halten Sie die Transporte?

In Gronau wird wieder ein Sonderzug mit radioaktivem Uranmüll vorbereitet, vermutet Udo Buchholz
Interview: Gitta Düperthal
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An der Urananreicherungsanlage in Gronau stehen seit dem 18. Dezember Uranwaggons, möglicherweise könnte also bald wieder ein Sonderzug mit Uranmüll nach Frankreich aufbrechen. Da all dies streng geheim gehandhabt wird, können Sie das nur vermuten. Was ist Ihnen bekannt?

Etwa 18 Waggons stehen dort; die genaue Anzahl ist nicht festzustellen, weil sie auf drei Gleisen parallel stehen und so einander verdecken. Da ich in Gronau wohne, war ich am Dienstag dort, um nachzusehen, ob sie noch da sind. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass sie, mit Uranmüll befüllt, in der Regel nach Frankreich fahren. Es gibt hauptsächlich zwei Arten von Urantransporten, eine davon sind die Transporte mit Uranmüll. Andere Transporte enthalten das angereicherte Uran, mit etwa fünf Prozent Uran-235 in der gesamten Menge. Transportiert wird das Uran als Uranhexafluorid. Der Atomkonzern Urenco speist dieses zur Anreicherung gasförmig in Metallröhren, sogenannte Zentrifugen, ein. Darin könnte es nach Umbauarbeiten auch atomwaffentauglich angereichert werden.

Für wie gefährlich halten Sie die Transporte?

Uran ist radioaktiv und strahlt. Bei Transportunfällen könnte Uranhexafluorid freigesetzt werden, eine Substanz, die bei Kontakt mit Luftfeuchtigkeit hochkorrosive und giftige Produkte bildet, etwa den stark ätzenden Fluorwasserstoff. Ähnlich könnten aber auch bei einem Störfall in der Anlage im Innenstadtbereich Gronaus bleibende gesundheitliche Schäden verursacht werden – in dem Fall bis hin zu Todesfällen in Anlagennähe. Innerhalb weniger Minuten müsste in so einem Fall die Bevölkerung in einem Umfeld von etwa fünf Kilometern evakuiert werden. Da weder Hilfskräfte vom Technischen Hilfswerk und vom Roten Kreuz noch von der Feuerwehr informiert sind, wann Transporte geplant sind, könnten sie gar nicht rechtzeitig zur Stelle sein. Ein Skandal! Wir fordern, die Lagerung vor Ort besser zu sichern und Transporte zu unterlassen.

Ist also schon die Lagerung problematisch?

Ja. Tausende Tonnen dieses Atommülls werden neben der Urananreicherungsanlage in Containern unter freiem Himmel gelagert. Gut erkennbar ist der billige »Schutz« der Anlage: Maschendraht. Schwer zu sagen, ob die Waggons schon beladen sind. In jedem Fall sind sie für »Fachleute« mit der passenden Waffentechnik ein sichtbares Ziel. Alles nicht beruhigend!

Weiterhin soll es Castor-Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus geben, etwa 170 Kilometer per Lkw quer durch NRW. Es sollen abgebrannte Kugelbrennelemente über Autobahnen transportiert werden. Auch dagegen protestieren Sie?

Ja. Der Landesverband NRW des Bundes für Umwelt und Naturschutz hatte gegen diese Transporte geklagt, aber das Berliner Verwaltungsgericht hat die Klage nun abgewiesen. Daher dürfen rund 300.000 Brennstoffkugeln aus dem Zwischenlager Jülich nach Ahaus – quer durch das Ruhrgebiet – transportiert werden. Sollte unterwegs etwas passieren, könnte nahezu ganz NRW verstrahlt werden. Antiatomkraftinitiativen fordern alternativ den Bau eines neuen Lagers in Jülich. Der BBU unterstützt diese Proteste.

Wird es wieder eine breite Antiatombewegung geben? Oder sind jetzt alle Aktiven damit beschäftigt, gegen die aktuell bedrohlichen Kriegsvorbereitungen zu demonstrieren?

Tatsächlich haben viele Menschen aufgrund von weltweiten Krisen, Aufrüstung und Sozialabbau gerade zahlreiche Sorgen. Wir versuchen, mit der Friedensbewegung zu kooperieren, auch wegen der Gefahr eines Atomkriegs, sowie ebenso mit der Klimabewegung. Die CSU preist ja permanent die Atomenergie als angebliche Lösung für das Klimaproblem an. Wir, Initiativen und BBU, kämpfen schon seit rund 50 Jahren gegen diese Anlage in Gronau: von deren Bau an bis hin zu den Ausbauverfahren. Wir fordern, sie stillzulegen und keinesfalls umzurüsten. Wir machen weiter.

Udo Buchholz ist Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) aus Gronau

Sonntag, 18. Januar, 14 Uhr, Protest in Ahaus: Sonntagsspaziergang, Rathaus Ahaus

Sonnabend, 24. Januar, 11 Uhr, Demo gegen Castor-Transporte, Bottrop, Oberhausener Straße/Hanielstraße

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