Kein gutes Ende
Von Gerrit Hoekman
Über nordkoreanische Soldaten, die in der Ukraine für Russland kämpfen, ist in den deutschen Mainstreammedien viel berichtet worden. Berichte über Söldner auf ukrainischer Seite sind allerdings rarer geworden, seit es für Kiew nicht mehr so gut läuft. Ein 40 Jahre alter Niederländer erzählte dem Boulevardblatt De Telegraaf nun in den vergangenen zwei Wochenendausgaben, wie es ihm und anderen Ausländern im Dienste der ukrainischen Armee erging.
Er nennt sich Hendrik, seinen echten Namen behält er für sich. Aus Furcht vor dem russischen Geheimdienst, sagt er. Vor dreieinhalb Jahren sei er mit anderen Niederländern in die Ukraine gereist, um sie an der Front zu unterstützen. Die Nachrichtensendung »Een Vandaag« sprach damals von 40 Personen. Einige ließen sich in der ukrainischen Botschaft registrieren, andere seien auf eigene Faust losgezogen.
Ausländer würden in der Armee mitunter unwürdig behandelt, berichtet Hendrik gegenüber De Telegraaf. Als ihn eine Granate verletzte, habe er die Behandlung selbst zahlen müssen. Er habe auch gehört, dass den Angehörigen gefallener Ausländer die versprochene Entschädigung zuweilen nicht gezahlt werde. Manchmal sei ihm sein Sold nicht vollständig ausgezahlt worden. Korruption sei in der Armee weitverbreitet.
In der Ukraine kämpfen Bürger vieler Staaten. Hendrik erzählt, dass etwa die kolumbianischen Söldner durch besondere Brutalität gegenüber russischen Kriegsgefangenen aufgefallen seien. »Man erlebte regelrecht eine kolumbianische Invasion in der Ukraine«, erinnert er sich. Da seien viele junge Männer aus den Drogenkartellen gewesen. Sie hätten ihm sogar Fotos von Enthauptungen gezeigt.
Nach dem Vorfall mit den Kolumbianern quittierte Hendrik den Dienst. Die Einheit, der er zuletzt zugeteilt war, gehörte zur berüchtigten Asow-Brigade, deren Mitglieder den ukrainischen Faschisten und Nazikollaborateur Stepan Bandera verherrlichen. Als er dort in das Büro ging, um seine Papiere zu holen, habe er Bandera-Bilder, Hakenkreuze und andere Nazisymbole an der Wand hängen gesehen. »Ich wollte mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben.« Andere Ausländer seien auch gegangen, weil sie gesehen hätten, wie die Mannschaften jeden Morgen den Hitlergruß zeigten. Seit einigen Monaten ist Hendrik wieder in den Niederlanden. Er versucht sich ein ziviles Leben aufzubauen. Ob es gelingt? »Wenn man so tief in diesen Krieg verstrickt war, ist ein normales Leben schwierig«, sagte er. Krieg mache süchtig. Von der Kiewer Regierung halte er jedoch wenig. »Das ist da eine korrupte Bande.«
Wie viele Niederländer heute noch für die Ukraine kämpfen, ist unbekannt. »Wir wissen nicht, um wie viele Personen es sich handelt«, zitierte der öffentlich-rechtliche Sender NPO 1 unlängst das Außenministerium in Den Haag. Die Nachrichtensendung »Nieuwsuur« auf NPO 1 sendete im November eine Dokumentation über zwei Niederländer, die seit 2024 in der Ukraine kämpfen. Die beiden Männer – sie nennen sich Karst und Seven – dienen als Drohnenpiloten in der 25. Brigade, die in Pokrowsk im Einsatz war. »Ich hatte keine militärische Erfahrung, aber ich habe früher Videospiele gespielt. Darin war ich ziemlich gut«, berichtete Karst.
Am Anfang seien sie drei Tage an der Front gewesen, dann wieder drei Tage in der Basis zum Ausruhen. »Wir konnten dort Kaffee trinken, ins Fitnessstudio gehen.« Nach der Pause ging es wieder zurück an die Front. Sie fuhren mit dem Auto und brachten Nachschub mit. »Ich hatte holländische Würstchen und eine Packung Schokoladenstreusel dabei. Es war ganz okay.« Die beiden nennen es die »Honeymoon-Phase«.
Doch plötzlich waren die »Flitterwochen« vorüber. Es sei viel gefährlicher geworden, zwischen der Basis und Pokrowsk zu pendeln. Die Fronteinsätze wurden deshalb länger. Mal fünf Tage, mal eine ganze Woche. Seit August 2025 habe man die über zehn Kilometer lange Strecke nur noch zu Fuß zurücklegen können. »Keine Würstchen und kein leckeres Essen mehr. Wir trinken Regenwasser.« Nach dem Sommer hätten die Russen ihre neue Elitedrohneneinheit »Rubikon« nach Pokrowsk verlegt. »Sie sind unglaublich gut koordiniert. (…) Bei uns war das viel chaotischer«, sagt Karst. »Ich dachte: Wenn ich hierbleibe, wird das kein gutes Ende für mich nehmen. Die Lage ist mittlerweile so extrem, dass wir beschlossen haben, aufzuhören.« Pokrowsk ist inzwischen weitgehend unter russischer Kontrolle.
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