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Aus: Ausgabe vom 07.01.2026, Seite 15 / Antifaschismus
Neonazi »White Rex«

Unter den Lebenden

Ukraine: Vermeldeter Tod von RDK-Kommandeur Kapustin war Finte des Militärgeheimdienstes. Faschist sei Ziel russischer Agenten gewesen
Von Marc Bebenroth
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Denis Kapustin (M.) gibt nahe der ukrainischen Grenze eine Pressekonferenz nach einem Vorstoß auf Belgorod (24.5.2023)

Geheimdienste lügen und täuschen. Auch um ihre Leute aus der Schusslinie zu nehmen. Diese Absicht steckte offenbar hinter dem wohl nur vorgetäuschten Drohnentod des faschistischen Paramilitärs Denis »White Rex« Kapustin. Dieser sei bei einem Angriff einer russischen Drohne in der Region Saporischschja gestorben, hatte Kapustins Einheit in der vergangenen Woche der Öffentlichkeit mitgeteilt. Will man denselben Leuten nun glauben, handelte es sich dabei um eine Finte, um eine bevorstehende russische Kommandoaktion gegen Kapustin zu vereiteln und so das Leben des Kommandeurs des »Russischen Freiwilligenkorps« (RDK) zu retten. »RDK-Kommandeur Denis Kapustin lebt«, teilte der Dienst am 1. Januar im Telegram-Kanal DIUkraine mit. Der russische Staat hatte die Summe von umgerechnet 425.000 Euro als Kopfgeld ausgelobt. Die Summe sei kassiert und komme den Spezialeinheiten des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR zugute.

In einem am selben Tag veröffentlichten Video soll Kapustin zu sehen sein, wie er per Videokonferenz an einem Briefing des GUR teilnimmt. Kirilo Budanow gratulierte dem Mann zur »Rückkehr ins Leben«. Budanow ist mittlerweile vom Geheimdienstchef zum neuen Chef der Präsidialkanzlei und damit faktischen Regierungschef der Ukraine aufgestiegen – zumindest in zeitlichem Zusammenhang mit dem Bekanntwerden der Geheimdienstaktion. Diese habe auch die Beteiligten an dem behaupteten Attentatsplan identifizieren können. Kapustin habe seine Bereitschaft bekundet, weiterhin Kampfeinsätze und »Spezialaufgaben« auszuführen. »Meine vorübergehende Abwesenheit hatte keinen Einfluss auf die Qualität und den Erfolg der Umsetzung der Kampfaufgaben«, sagte der Mann, der laut Mitteilung Kapustin sei.

Ukrainische Geheimdienste hatten wohl zuvor bereits im Jahr 2018 den Tod eines von russischen Häschern gesuchten Mannes vorgetäuscht, wie T-Online am 2. Januar berichtete. Damals war kolportiert worden, der oppositionelle russische Kriegsberichterstatter Arkadi Babtschenko sei in Kiew bei einer Attacke getötet worden. Einen Tag später habe sich gezeigt, dass Babtschenko noch lebte. Auch damals seien so die Verantwortlichen für den Anschlag identifiziert worden.

Die russische Militärgerichtsbarkeit hatte am 14. November 2024 Kapustin zusammen mit einem gewissen Kirill Kanakhin als Mitglied einer verbotenen terroristischen Organisation wegen Beteiligung an einem Durchbruch in der russischen Region Brjansk zu einer lebenslangen Haftstrafe in Abwesenheit verurteilt, wie die Nachrichtenagentur TASS am selben Tag berichtete. Hinzu kamen eine Geldstrafe von 2,5 Millionen Rubel (nach heutigem Kurs rund 26.400 Euro) für Kapustin und zwei Millionen Rubel für Kanakhin. Die Verurteilten handelten laut dem Urteil des Zweiten Militärgerichts des Westlichen Militärbezirks als Mitglieder einer ukrainischen Sabotagegruppe, die bewaffnet und mit Sprengstoff illegal die russische Grenze überquert sowie zwei Siedlungen infiltriert habe. Dort sollen die Männer das Feuer auf zivile Fahrzeuge und Personen eröffnet haben. Zuvor sei Kapustin bereits zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Teilnahme an Kämpfen mit russischen Soldaten in der Region Cherson verurteilt worden.

Kämpfer des RDK hatten für den 1. März 2025 für eine »Anti-Putin-Demo« in Berlin mobilisiert und offenbar eine Ausnahme vom Vermummungsverbot beantragt; diesem Anliegen wurde zum »Schutz ihrer Identität vor möglichen Repressalien durch die russische Regierung« entsprochen, wie eine Polizeisprecherin gegenüber junge Welt ausgeführt hatte. Der Jugendverband der Neonazipartei »Der III. Weg« beteiligte sich ebenfalls an dem Aufmarsch. Fotos belegen unter anderem die Präsentation der von den ukrainischen »Asow«-Brigaden verwendeten Wolfsangel, die einst zum Beispiel Truppenkennzeichen der SS-Panzerdivision »Das Reich« gewesen war.

Der gebürtige Russe hatte nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz unter anderem in Nordrhein-Westfalen gelebt und gewirkt, bevor er demnach 2019 in die Ukraine auswanderte. Er war in der neonazistischen Kampfsportszene aktiv und rief zum Kampf an der Seite der ukrainischen Streitkräfte gegen Russland auf. Berichten zufolge kämpfte Kapustin für die Vorherrschaft der »weißen Rasse« und gegen den Vielvölkerstaat Russland unter Präsident Wladimir Putin. Im März 2023 führte das RDK erste Operationen auf russischem Territorium in der Region Brjansk durch. Die Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Militär erklärte das Korps zumindest einseitig. Im August 2022 hatte das RDK eine informelle Kooperation angekündigt, im Oktober dann ein Manifest veröffentlicht, in dem es sich als Teil der ukrainischen Streitkräfte bezeichnete.

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